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'The Big One' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'The Big One'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Pünktlich zu Michael Moores Deutschland-Tour kommt sein Film «The Big One - Der große Macher» auf DVD heraus. Eine Abrechnung des Polit-Entertainers mit amerikanischen Großkonzernen.

Der Film
Schon bevor Michael Moores «Bowling for Columbine» mit weltweit überwältigendem Erfolg die USA als angstgetriebene, waffenbessene Nation entlarvte, hat der Filmemacher und Autor in seiner typischen, polemischen Mischung aus Witz und Konfrontation, Fakten und Verdrehung Dokumentarfilme gedreht. Nach «Roger And Me», in dem er 1989 den Boss von General Motors zur Schließung eines Werks und damit der Verelendung seiner Geburtsstadt Flint interviewen wollte, entstand Mitte der 90er Jahre «The Big One - Der große Macher».

Als medialer, couragierter Rächer der Unterdrückten in Jeans und mit Baseballcap, bewaffnet mit einem Mikro und einer Kamera, dokumentiert er hier die Lesereise zu seinem ersten Bestseller «Querschüsse – Downsize This!», die ihn an einige wirtschaftliche und soziale Brennpunkte der USA führte. Dabei steht Moore auf seine typisch egozentrische Weise meist im Mittelpunkt, filmt sich bei den besten Pointen und Vorkommnissen bei seinen Lesungen und unterhält sich mit Menschen, die arbeitslos geworden sind, obwohl die Unternehmen, für die sie gearbeitet haben, hohe Gewinne einfahren.

Immer wieder versucht Moore die dafür Verantwortlichen vor die Kamera zu bekommen, doch er scheitert meist schon an den kühlen bis zynischen PR-Vertretern – bis auf eine großartige Ausnahme am Ende des Films. Da gelingt ihm wie auch später in «Bowling for Columbine» mit dem damaligen Waffenlobby-Vorsitzenden Charlton Heston, eine große Konfrontation: Diesmal steht der Boss der Sportmarke Nike, Phil Knight, Rede, Antwort und auf Moores Abschussliste.

Warum werden Nike-Produkte nicht in den USA, sondern nur in Billigproduktionsländern wie etwa Asien hergestellt? Warum bezahlt er seine Arbeiter so schlecht? Warum lässt er zu, dass Kinder in seinen Fabriken arbeiten? Warum nimmt er bei den Gewinnen, die Nike macht, in Kauf, dass so viele Amerikaner arbeitslos sind? «The Big One - Der große Macher» geht weniger analytisch vor als «Bowling for Columbine», aber er legt den Finger sehr unterhaltsam in auch heute noch aktuelle Wunden.

Die DVD
Das Bild von Dokumentarfilmen lässt sich natürlich nicht mit dem von Spielfilmen vergleichen, schon gar nicht bei Moores Guerilla-Methoden mit der Kamera im Schlepptau. Doch auch wenn man den Amateur-Filmer-Look nicht berücksichtigt, ist die Bildqualität durch die vielen Partikel und Kratzer und die schwachen Farben eher mäßig. Der Ton, der sich jeder Bewertung entzieht, liegt im für eine Doku angemessenen DD 2.0 vor.
Die Specials
Die DVD zu Moores Film wirkt ein wenig lieblos. Die Menüs sind nicht animiert, sondern zeigen nur den Polit-Entertainer mit einem überdimensionalen Mikro im Arm, während im Hintergrund eine zu Moores Methoden passende Outlaw-Wild-West-Musik ertönt.

Was sich in den Untermenüs dann verbirgt ist enttäuscht noch mehr: Bei der Kapitelanwahl gibt es keine (bewegten) Bilder, sondern nur die verschiedenen Lesereise-Stationen, und was im Hauptmenü noch als Specials angekündigt wird, ist nicht mehr als der Trailer zu drei anderen Filmen («Mystery Train», «Cookie's Fortune», «Eat Drink Man Woman») und ein Auszug aus der deutschen Hörbuchfassung zu Moores Bestseller «Stupid White Men», die vom Schauspieler Peter Lohmeier gelesen wird. Mehr Hintergrundinformationen zu Moore oder Reaktionen auf den Film wären hier durchaus wünschenswert gewesen.