Berlinale 2008 - Wettbewerb: Den Finger am Abzug, das Herz in Flammen15. Feb 2008 07:51  |  Awet (Letekidan Micael) gibt die Hoffnung nicht auf | Foto: PR |
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Angelehnt an Senait Meharis umstrittenen Bestseller, erzählt «Feuerherz» vom Schicksal einer Kindersoldatin in Eritrea. Ein reichlich zahmes Drama, das Authentizität vermissen lässt, meint Julia Wilczok.
Senait Meharis umstrittener Bestseller «Feuerherz» inspirierte den in München lebenden Italiener Luigi Falorni zu der gleichnamigen Verfilmung des Kindersoldaten-Dramas, das als zweiter deutscher Beitrag im Wettbewerb der 58. Berlinale gezeigt worden ist. Darin schildert der Regisseur das Schicksal der jungen Eritreerin Aweta, die Anfang der achtziger Jahre im Unabhängigkeitskrieg Eritreas gegen Äthiopien als Kindersoldatin eingesetzt wird.Behütet wächst Aweta in einem christlichen Kloster auf. Der Vater nimmt sie eines Tages wieder in die Familie auf, übergibt sie und ihre ältere Schwester jedoch bald einer militärischen Einheit von Freiheitskämpfern, die sie als Kindersoldaten ausgebildet. Dort erkennt das Mädchen schmerzlich, dass die Regeln der realen Welt nichts mit dem gemein haben, was sie im Kloster über Moral gelernt hat.
«Was ist Sozialismus?»
Mit ihrem aufmüpfigen Verhalten und der «großen Klappe» macht Aweta sich natürlich keine Freunde. «Was ist Sozialismus?», fragt sie kurz nach ihrer Ankunft im Lager. «Das bedeutet, dass alle gleich sind», sagt Anführerin Ma'aza. Nachdem gegnerischen Kämpfer getötet werden, ist Aweta schockiert: «Sie sehen so aus wie wir, sie tragen sogar dieselben Schuhe. Warum töten wir sie dann?» Darauf erhält das Mädchen keine plausible Antwort. Und mit dem Pink ihres Kleides, verblasst auch mehr und mehr die Erinnerung an die behütete Vergangenheit. Einzig ihr tapferes «Feuerherz» gibt ihr die Kraft, den Umständen zu trotzen und die Hoffnung auf ein friedlicheres Leben nicht aufzugeben.
Debatte um Wahrheitsgehalt hält weiter an
 |  Alle schlafen, eine wacht | Foto: PR |
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Autorin Mehari war mit ihrem Buch in die Kritik geraten, da der Wahrheitsgehalt ihrer Schilderungen angezweifelt wird. War sie wirklich eine Kindersoldatin? Die eritreische Regierung beharrt darauf, dass es in dem kleinen Staat im Nordosten Afrikas niemals Kindersoldaten, sprich Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die zum Dienst an der Waffe gezwungen wurden, gegeben hat. Deren Einsatz ist dort gesetzlich verboten. Ihre Bezeichnung als «Kindersoldatin» sei eine Erfindung der Medien gewesen, wehrt sich Mehari.Mit denselben Vorwürfen konfrontiert, weicht Falorni aus. Es sei bewiesen, dass es in dem ostafrikanischen Land Kinder und Jugendliche gegeben habe, die im Befreiungskrieg mitgekämpft hätten, so der Regisseur. Er habe Eritrea nicht mit Uganda oder Sierra Leone vergleichen, das Land nicht denunzieren wollen. Es gehe ihm lediglich um die Geschichte eines kleinen Mädchens. «Lassen sie uns wieder über den Film reden, nicht über Politik», wehrte er ab. Hier stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit, denn worum geht es in «Feuerherz», wenn nicht um Politik?
Gewalt und Fanatismus spielen die Nebenrolle Das Problem dieses Filmes ist seine Zahmheit. Gewalt und Fanatismus spielen eher die Nebenrolle. Die Atmosphäre im Lager der Freiheitskämpfer erinnert zuweilen an die Idylle einer Jugendfreizeit. Den Kindern wird vorgelesen, sie werden unterrichtet, singen ein paar patriotische Lieder und nebenbei lernen sie die Handhabung einer Schusswaffe. Zwischendurch zeigen nette Landschaftsaufnahmen die Schönheit Afrikas. Wer denkt angesichts dieser Verklärung an einen blutigen Bürgerkrieg? «Ich wollte einen Film über Hoffnung machen, nicht Kinder zeigen, die ihre Eltern erschießen müssen», wehrt sich Regisseur Falorni in der Pressekonferenz.
 |  Aweta lernt den Umgang mit der Waffe | Foto: PR |
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Die Stimmung ist gespannt, die Enttäuschung groß. Senait Mehari stellt sich nicht den Fragen der Reporter, sie wird am Abend zur Premiere erscheinen, heißt es. Die unbequemen Fragen muss daher Falorni beantworten. Warum er Meharis Autobiografie fiktionalisiert habe, will ein Journalist wissen. Erneut weicht Falorni aus. Der Begriff «Feuerherz» stehe als Symbol für Mut, Willensstärke und Zuversicht, die Charaktereigenschaften der Hauptfigur. Ach so.Falorni, der für seine Dokumentatiion «Die Geschichte vom weinenden Kamel» 2005 eine Oscar-Nominierung erhielt, holte für «Feuerherz» ausschließlich Laiendarsteller vor die Kamera. Die Dreharbeiten fanden im Norden Kenias statt, weil die eritreische Regierung keine Drehgenehmigung erteilen wollte. Am Druck der Regierung wäre fast das gesamte Projekt gescheitert: Etliche der eritreischen Darsteller seien wenige Tage vor Drehbeginn abgesprungen, sagt Falorni. Angesichts des brisanten Themas bangten sie um das Leben ihrer Familien. Ersatz habe er in einem Flüchtlingslager gefunden. Die Angst der Darsteller war offenbar nicht unbegründet. Protagonistin Letekidan Micael, die im Film die Aweta spielt, hofft zurzeit in Europa auf politisches Asyl. Wo genau, das möchte Folarni nicht verraten. Es geht hier ja auch nicht um Politik.
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