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Der brutale Kampf der Totenköpfe

11. Feb 2008 16:49
Szenenbild aus 'Tropa de Elite'
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Prügeln, erniedrigen, töten: José Padilhas Film «Tropa de Elite» zeigt eine Elitetruppe, die Drogendealer in Rio de Janeiro bekämpft. Mit fragwürdigen Methoden, weiß Kerstin Rottmann.

Kapitän Nascimento (Wagner Moura) hat ein Problem: Beim eigentlich als Ausgleich gedachten Extremklettern hängt der brasilianische Elitepolizist auf einmal buchstäblich in den Seilen. Er hat Schweißausbrüche, Taubheitsgefühle und zittert am ganzen Leib. Stress-Symptome, sagt ihm der Arzt da nur kurz und knapp.

Was das für ein Stress ist, hat «Tropa de Elite»-Regisseur José Padilha zuvor schon längst klar gemacht. Mit schnellen Schnitten und wackeliger Handkamera hat er den riskanten Einsatz der Polizisten in den Slums nachgestellt. Da wird geschossen, geprügelt und gefoltert, jugendliche Dealer bekommen Plastiktüten übers blutige Gesicht gestülpt, und wer dann noch nicht redet, dem droht der Besenstiel im Analbereich. Harte Bilder, die den Berlinale-Besuchern in diesem Wettbewerbsfilm zugemutet werden.

Bootcamp für die Elite

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Umso beunruhigender, dass sie nach Angaben des Regisseurs alle auf Fakten beruhen. Für seinen Film, der in Brasilien für teils erbitterte Diskussionen sorgte, hat Padilha zahlreiche Interviews mit den Beamten der Einheit geführt, die er auch porträtiert. Die Elitetruppe «Bope», nur knapp hundert Mann stark, rekrutiert ihre Mitglieder durch ein strenges, bewusst erniedrigendes Auswahlverfahren. Einmal durch das Stahlbad des «Bope»-eigenen «Bootcamps» gegangen, nehmen die schwarz gewandeten Kämpfer mit dem Totenkopf-Signet ihren schwer bewaffneten Kampf gegen die lokalen Dealer, aber auch gegen die hoffnungslos korrupte Polizei von Rio de Janeiro auf.

Der Film spielt im Jahre 2007, wenige Monate vor dem Besuch des Papstes, der ausgerechnet in der Nähe eines Slums nächtigen will. Die große Geste des Gottesmannes bedeutet eine wahrhaft mörderische Arbeit für die «Bope»-Männer, die die Favela sozusagen vorbeugend säubern müssen. Für Nascimento soll das endgültig der letzte Job sein. Seine Frau erwartet ein Kind, er selbst ist dem ständigen Kampf um Leben und Tod sichtlich nicht mehr gewachsen. Zwei junge Polizisten, der bedächtige Andre Matias (André Ramiro) und der heißblütige Neto (Caio Junqueira) könnten seine Nachfolger werden. Doch deren private Probleme sorgen in den 90 Filmminuten für einen so mörderischen Showdown, das am Ende nichts mehr ist, wie es war. Für europäische Augen streckenweise schockierend und übermäßig reißerisch, wirkte «Tropa de Elite» in Brasilien offenbar wie ein langer ersehnter Weckruf für eine überfällige Debatte. Journalisten warfen Padilha nach der Premiere im Herbst 2007 vor, sein Film sei faschistoid.

Dennoch sahen ihn mehr als 2,5 Millionen Brasilianer im Kino, dazu kursierten geschätzte 11,5 Millionen Raubkopien des Films, der dem Regisseur zuvor nach eigenen Angaben auf DVD gestohlen wurde.

Düstere Prognose

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«Wir haben eine sehr korrupte und gewalttätige Polizei, die Druck auf Leute ausübt, um Geld herauszupressen und Leute umbringt», so Padilha nun bei der Vorstellung seines Werkes in Berlin. Die Menschen in Rio würden die schlecht ausgebildete und unterbezahlte Polizei heiß und innig hassen. Als damals verbreitet wurde, dass der Film verboten werden würde, sei er halt via Raubkopie massenhaft verbreitet worden. Ebenfalls für Diskussionstoff in seiner Heimat sorgte Padilhas in die Handlung eingewobenes Porträt einer jungen Clique von reichen Studenten, die ebenfalls in den Drogenhandel verwickelt ist - die einen versuchen via selbst gegründete NGOs das Leben der Kinder in den Slums zu verbessern, während die anderen als Edel-Dealer und Konsumenten die Nachfrage nach Haschisch letztlich selbst wieder anheizen. Doppelmoral, Korruption und eine erbarmungslose Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn-Mentalität machen «Tropa De Elite» zu einem unerfreulichen Stück Kino. Zumal die Prognose von Regisseur Padilha düster ist. Mittlerweile, so sein Fazit, sei auch die «Bope» genauso korrumpiert wie alle anderen Beteiligten im Drogenkrieg rund um das Wahrzeichen Rios, den Zuckerhut. Malerisches Copacabana-Feeling? Ist nach «Tropa de Elite» nur noch ein Mythos, genauso bröckelig wie der Zuckerhut, den Padilha allenfalls als Absturzstelle für Ermordete in Szene setzt.
 
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