«Politik ist nicht so wichtig»
08. Feb 2008 19:30
 |  Patti Smith | Foto: dpa |
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Einblicke in das Leben von Patti Smith gibt nicht nur der Berlinale-Film «Dream of Life», sondern auch die Ausstellung «Objects of Love».
Ricarda Landgrebe traf die «Godmother of Punk» in Berlin.
Cowboystiefel, schwarze Sonnenbrille, ein übergroßer Mantel mit Löchern und Flecken. Dies könnten Gegenstände der Ausstellung «Objects of Life» sein, jedoch handelt es sich dabei um die Alltagsgarderobe von Patti Smith. Die 61-jährige Sängerin hat anlässlich der 58. Berlinale in die artMbassy Galerie in Berlin geladen. Zielstrebig durchstreift sie den Raum. «Oh, es ist wunderschön. Großartig! Entschuldigt, dass ich eine Sonnenbrille trage, aber ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen», so Smith.
Vom 8. bis 14. Februar können in der Galerie Gegenstände bestaunt werden, die eine Bedeutung im Leben der Künstlerin haben. Die Ausstellung hängt mit dem Film «Dream of Life» zusammen, der am Samstag auf der Berlinale seine Premiere feiert. Regisseur Steven Sebring hat Smith elf Jahre lang begleitet und ein intimes Portrait der Künstlerin geschaffen. In der Multimedia-Ausstellung zeigt der Regisseur 14 großformatige Fotografien von bedeutsamen Objekten, wie dem orangefarbenen Kleid aus den Kindertagen der Sängerin, einem Reisekoffer und handgemachten Tamburin aus den Siebzigern bis hin zu ausgelatschten schwarzen Boots. «Das sind meine Arbeitsschuhe. Ich habe mit ihnen die ganze Welt durchquert. Die halten alles aus.»
Gegenstände werden zu Kunst
Neben den Fotografien ist auch ein Video zu sehen, das Smith während ihrer Arbeit an einem Kunstwerk zeigt. Mit großer Hingabe bemalt die «Godmother of Punk» einen Fernseher mit weißer Farbe. Das fertige Artefakt ist ebenfalls in der Ausstellung zu betrachten. «Patti verwandelt Alltagsgegenstände in Kunst», so Sebring. «Jedes Objekt hat eine Geschichte und steht für eine bestimmte Phase in ihrem Leben. Dies ist übrigens die Kamera, mit der ich Patti gefilmt habe. Hier seht ihr Bücher, die Patti wichtig sind. William Blake zum Beispiel hat sie sehr beeinflusst.» Platziert sind die Gegenstände auf einfachen Holzkisten. In Holz sind auch die Fotografien gerahmt. Suchend blickt sich Steven nach seiner Freundin um und eilt an ihre Seite. Nach elf gemeinsamen Jahren scheint es schwer zu fallen wieder eigene Wege zu gegen. «Steven ist ein guter Freund. Er ist zu einem Bruder geworden. Ich vertraue ihm vollkommen. Er hat eine wahnsinnig gute Intuition. Wenn ich nicht wollte, dass er etwas filmt, hat er es gespürt.»
«People have The Power»
Berlin kennt sie schon lange. In den siebziger Jahren sei sie oft hier gewesen und habe daher viele Lieblingsplätze. Am Sonntag werde sie ins Brecht Haus gehen, um den Geburtstag des Schriftstellers zu ehren und dem Café Einstein wolle sie auch einen Besuch abstatten. Patti Smith ist vielseitig, auch was ihr Programm beim Berlin-Aufenthalt angeht. Neben Film und Ausstellung gibt die 61-Jährige ein Konzert in der Kreuzberger Passionskirche. «Ich bin nicht religiös, aber ich liebe es in Kirchen zu spielen. Akustik und Atmosphäre sind grandios. Es ist sehr inspirierend.» Ob sie auf dem Konzert auch «People Have the Power» spielen werde? «Ja, ich werde es 14 Mal spielen. Den ganzen Abend lang, wenn nötig. Denn Menschen haben die Kraft etwas zu bewegen und zu verändern. Und es ist mir wichtig die Botschaft weiterzugeben.»
Eine Veränderung in der amerikanischen Regierung würde Smith befürworten. Doch merkt sie an: «Politik ist nicht so wichtig. Was wir brauchen ist Kunst!» Und dann atmet sie tief ein und beginnt den Songtext zu rezitieren. Langsam und kraftvoll spricht sie die Zeilen und hinter den getönten Gläsern ihrer Sonnenbrille glaubt man einen entschlossenen, eindringlichen Blick zu sehen: «People Have the Power...»