Fußball und Depression: Iran auf der Berlinale
17.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Als die Nationalmannschaft des Iran im echten Leben gegen Japan spielte, durften die Japanerinnen in das Teheraner Stadion. Iranische Frauen hingegen mussten wie immer draußen bleiben. Fußball ist Männersache, denn schließlich würden die Frauen im Stadion sonst hören, wie die Männer fluchen und schimpfen.
Mit Basecaps, weiten Hemden und Schminke in den Farben der iranischen Flagge auf den Wangen, haben sie versucht, die Polizisten und Soldaten zu überlisten. Leider sind sie aber doch aufgeflogen und werden jetzt am Rande des Spiels von den Soldaten hinter Absperrgittern festgehalten. Schließlich sind es vor allem die Autoritäten, die das Frauenverbot durchsetzen und hier verhindern wollen, dass die Mädchen das Spiel sehen. Die ganz normalen, männlichen Fans hingegen werden dabei aber durchaus schon mal zu Kollaborateuren.
Fast in Echtzeit entlarvt der iranische Regisseur Jafar Panahi, der bisher eher mit ernsten Filmen wie «Der Kreis» auf Festivals in Erscheinung getreten ist, unterhaltsam und bisweilen durchaus komisch die Absurdität dieses Frauen-Stadion-Verbots, das im Grunde nur stellvertretend für einen Bereich steht, in dem die Frauen im Iran unterdrückt und von einem normalen Alltag ferngehalten werden.
«Offside» zeigt dabei iranische Mädchen, wie man sie so gut wie nie auf der Leinwand sieht: Selbstbewusst, frech, rauchend, fluchend, feierlaunig, rebellisch und sich den unmöglichen, gesellschaftlichen Gesetzen für Frauen widersetzend. Am Ende des Films ist das Spiel, das die Mädchen nicht gesehen haben, vorbei. Der Iran hat mit 1:0 gewonnen und sich für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland qualifiziert. Ob Mann oder Frau wird im Taumel der Freude hier letztlich egal.
Die Zeit dazwischen füllt er mit so etwas wie einer fragmentarischen Geschichte in fast meditativer Langsamkeit und mit grob umrissenen Figuren, hoffnungslosen Anti-Helden: Ein Mann verlässt seine Familie, um im Ausland Arbeit zu finden. Als er für tot erklärt wird, sieht ein Fremder seine Chance. Doch auch er verlässt die Frau, die mit ihrer Tochter in diesem kleinen Haus in der zerfurchten Einöde lebt.
«Zemestan» wird dabei zum Film über die desolaten Verhältnisse im Iran: Die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit legen sich dabei über die Figuren und den ganzen Film. Eine Frage der Zeit, denkt man sich angesichts dieser Bilder, bis es nicht mehr reicht das Volk gegen Karikaturen aufzuwiegeln, um von den Verhältnissen im Innern abzulenken.

