«Knallhart»: Bucks «Gangs of Neukölln»
12.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
«Opfer» ist ein Schimpfwort. Ganz besonders gilt das in Neukölln. Und der 15-jährige Michael (David Kross) ist gezwungen, das schnell zu lernen: Nachdem der reiche Liebhaber seiner Mutter (Jenny Elvers-Elbertzhagen) die beiden vor die Tür gesetzt hat, führt der Weg für Mutter und Sohn nämlich aus dem noblen Zehlendorf in den Problembezirk. Und wer hier in der Schule und auf der Straße nicht zurück schlägt, der gerät schnell völlig unter die Räder.
Für Michael ist nichts in Ordnung: Die Wohnung ist ein Loch, der neue Liebhaber seiner Mutter klaut ihm sein letztes Geld und Erols Terror wird zum Dauerzustand. Allerdings ist Michael beim Versuch, ein Handy zu verkaufen, dem Großdealer Hamal (Erhan Emre) und dessen Leuten über den Weg gelaufen und bei dem ist gerade eine Stelle frei geworden.
Er habe mit «Knallhart» ein Thema setzen wollen, erklärt Buck auf der Pressekonferenz zum Film und das ist ihm zweifellos gelungen. Bucks Neukölln ist ein Bezirk der Abgerutschten und Ausgegrenzten, in dem die verschiedenen Kulturen aufeinanderprallen. Dabei geht der Film mit allen Akteuren und Nationalitäten fair um. Die Figuren haben Tiefe und sind unterhaltsam, aber trotzdem keine Abziehbilder es gibt kein Schwarz und kein Weiß und auch keine einfache Lösung des Problems.
Bleibt die Frage, wie nah «Knallhart» mit seiner Brutalität und Perspektivlosigkeit denn dran ist an der Wirklichkeit im echten Berlin-Neukölln. «Dieses Milieu gibt es in Neukölln, und der Film schildert es realistisch», attestierte Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) dem Film im «Tagesspiegel» und auch der Grüne Cem Özdemir schreibt in einem Kommentar zu dem Film, «Knallhart» «zeigt den Berliner Stadtteil Neukölln mit all seinen sozialen Problemen ungeschminkt und ungeschönt.»
Natürlich darf man bei all dem nicht vergessen, dass «Knallhart» immer noch ein Film ist, in dem zwangsläufig einiges verdichtet und aus spannungserzeugenden Gründen so und nicht anders gemacht worden ist. Aber die Diskussion um die Zustände, die es nicht nur in Neukölln gibt vielleicht kann sie der Film weiter ins Blickfeld rücken.

