11.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Arbeitskampf mal anders: Stéphane (Gael Garcia Bernal, r.) muss mit Guy (Alain Chabat) etwas ausdiskutieren
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Permanent wechselt Michel Gondrys «The Science of Sleep» zwischen Traum und Realität. Die Liebes-Komödie ist bunt, skurril, verspielt - und einfach niedlich.
Angefangen hat Michel Gondry mit Musikvideos, inzwischen schmückt auch ein Drehbuch-Oscar seine Vitrine. Die Berlinale bereichert der Franzose nun mit einem gnadenlos verspielten Wechselspiel zwischen Traum und Realität: «The Science of Sleep» läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz.
Stéphane (Gael Garcia Bernal) hat sich von seiner Mutter hereinlegen lassen: Mit der Aussicht auf seinen Traumjob hat sich der Grafiker und Gelegenheits-Erfinder wieder von Mexico City nach Paris locken lassen. Aber sein Anteil am Kalender-Design beschränkt sich auf das Aufkleben von kleinen Textzeilen auf die ansonsten fertigen Pin-Up- und Blümchen-Vorlagen.
Als Lichtblick entpuppt sich allerdings allerdings die neue Nachbarin Stéphanie (Charlotte Gainsbourg): Obwohl er bei deren Einzug von einem treppab rauschenden Klavier fast zerquetscht worden wäre, treiben Stéphanie und Stéphane langsam, aber intensiv aufeinander zu auch wenn es für zwei komplizierte Menschen nicht ganz einfach ist, zueinander zu finden.
Traumhafte BasteleienDie reine Geschichte ist allerdings gar nicht das, was «The Science of Sleep» so besonders macht. Der Film lebt von seiner Erzählweise und dem Umgang mit realem Leben und Träumen: In die rutscht Stéphane nämlich immer wieder hinein und lässt die Zuschauer daran Teil haben eine skurrile und mit unglaublich viel Liebe erschaffene eigene Welt aus Wellpappe und Stoff, in der Zellophan wie in alten Trickfilmen das Wasser ersetzt, in der kleine Männchen in Sekunden ganze Städte bauen können und in der viele kleine Pointen gesetzt werden bis nicht nur Stéphane nicht mehr auseinanderhalten kann, ob er gerade wach ist oder träumt.
Allein die Bastelarbeiten aus dem Film wären wohl eine eigene Ausstellung wert: Von Stéphanes Sekunden-Zeitmaschine, mit der man wahlweise eine Sekunde in die Zukunft oder die Vergangenheit reisen kann, über die Gedankenübertragungshelme, bis hin zum chaos-theoretischen Antrieb, der einem Stoff-Pony Beine macht.
Ein Film für das erste DateDazu kommt das abgedrehte Figurenkabinett aus der Firma, das auch das Personal für Stéphanes Träume bildet allen voran der sexbesessene Mittvierziger Guy (Alain Chabat), der, wenn er nicht gerade über neue Stellungen nachdenkt, gelegentlich das Anzugjackett gegen die zerschlissene Lederjacke eintauscht, um nach wie vor mit Hemd und Krawatte und mit todernstem Gesicht zu erklären: «Das ist Punk». Charakter regierte dagegen bei der Besetzung der Hauptrollen: «Stéphane» Gael Garcia Bernal war zuletzt in Pedro Almodovars «La mala Educatión» zu sehen, Partnerin Charlotte Gainsbourgh war unter anderem bei «21 Gramm» dabei.
Trotzdem hat «The Science of Sleep» auch seine Ecken und Kanten - aber insgesamt ist Gondrys Film ein Kinderfilm für Erwachsene und eine ideale Wahl für das erste Date. Gäbe es bei der Berlinale einen Preis für den niedlichsten Film «The Science of Sleep» hätte ihn wohl schon in der Tasche.