«The New World»: Schöne Wilde, armes Kind
11.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Q'Orianka Kilcher und Colin Farrell in 'The New World'
Foto: Promo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der (Alp)Traum von der neuen Welt: Terrence Malick erzählt den Kampf zwischen britischen Siedlern und Ureinwohnern in brillanten Bildern - und mit einer erst 15-Jährigen als Pocahontas.
Er ist der große Poet, aber auch das Phantom des US-Kinos: Regisseur Terrence Malick, dessen Filme seltene, aber stets viel beachtete Großereignisse sind. Nach dem Anti-Kriegsdrama «The Thin Red Line» (das 1999 den Goldenen Bären bekam) stellt der 63-Jährige nun seinen neuen Film «The New World außerhalb des Berlinale-Wettbewerbs vor. Damit hat Malick ein Thema zuende geführt, das ihn seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigt hat - das Drehbuch ist nämlich seit den Siebzigern fertig.
Beeindruckendes Debüt einer 15-jährigenErzählt wird die schon oft verfilmte Legende der Indianer-Prinzessin Pocahontas (Q'Orianka Kilcher), die sich Anfang des 17. Jahrhunderts in den britischen Kapitän John Smith (Colin Farrell) verliebt. In träumerischen, oft nur lose verknüpften Bildern erzählt Malick dabei aber vor allem die Geschichte vom Aufeinanderprallen zweiter Kulturen, die ein Zusammenleben nur unter großen Verlusten und gegenseitigen Opfern schaffen. Grandiose Landschaftsaufnahmen, die die Naturverbundenheit des jungen Mädchens (beeindruckend: die am heutigen Samstag erst 16 gewordene Hauptdarstellerin in ihrer ersten Kinorolle) illustrieren, spielen dabei eine weit größere Rolle als etwa Hollywoodstars wie Colin Farrell (passend als der jugendliche Abenteurer gecastet) oder Christian Bale, der den späteren Ehemann der von ihrem Stamm und Liebhaber verstoßenen Prinzessin gibt.
Dreh nur bei TageslichtJörg Widmer, einer der Kameramänner, verriet in der Pressekonferenz eines der Geheimnisse der äußerst bildstarken Produktion: So habe Malick darauf bestanden, größtenteils bei natürlichem Tageslicht zu drehen - ein Kniff, der nicht nur die Ästhetik des Filmes, sondern auch die Spielmöglichkeiten der Schauspieler entscheidend geprägt hat. Profitiert haben dürfte davon vor allem Schauspiel-Novizin Kilcher. Die Halb-Peruanerin, deren Natürlichkeit ein großes Plus des manchmal zum Pathos neigenden Films ist, verriet in Berlin, wie sehr sich der Regisseur im Hintergrund gehalten habe: Wichtig seien Malick die Naturerlebnisse, aber auch die Spontanität der Darsteller gewesen.
Warten auf Malick...Sehenswert ist neben der schon aus anderen Filmen bekannten Fiktionalisierung der grausamen Eroberung der neuen die Sicht auf die alte Welt. Die mittlerweile domestizierten Indianer - unter ihnen auch die nun getaufte Pocahontas, die Mutter eines Sohnes ist - reisen nun ihrerseits ins britische Königsreich. Ihr Blick auf die bunte, gleichwohl erschreckend kalte Welt des frühneuzeitlichen England ist so sehenswert, dass man sich mehr davon gewünscht hätte. Die Ausstellung der Eingeborenen endete bekanntlich tragisch - Pocahontas, frisch gekürte «Prinzessin von Virginia» sah ihre Heimat nicht wieder.
Vom Fachpublikum bekam der Film wohlwollenden Applaus, auch wenn sich viele nicht einlassen wollten oder konnten auf die sehr eigenwillige Bildwelt des Regisseurs, der statt auf Dialoge lieber auf Musik und eine assoziative, den Gedankenstömen ähnlichen Erzählweise setzt. Selbst präsentieren wollte der gebürtige Texaner sein Werk auf der Berlinale natürlich nicht; Malick ist notorisch medien- und kamerascheu. Immerhin: Bei der feierlichen öffentlichen Premiere des Streifens am Samstagnachmittag will er angeblich mit im Saal sein.