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Angst vor Sprache: «Les mots bleus»

16. Feb 2005 18:52
Szene mit Camille Gauthier
Von Kommunikation jenseits der Worte handelt der Berlinale-Wettbewerbsfilm von Alain Corneau. Ein Lehrer hilft einem Mädchen und seiner Mutter, ihre Traumata zu überwinden.

Von Corina Kolbe

Thema: Berlinale 2005
In ihrer Schule wird Anna (Camille Gauthier) von anderen Kindern verprügelt, weil sie anders ist: Sie weigert sich zu sprechen. Nachts wird das Mädchen von Ängsten gequält, die es nicht ausdrücken kann.

Rasch wird klar, dass Anna weder taub noch stumm ist, sondern von ihrer eigenen Mutter in die Isolation getrieben worden ist.

Die Vogelhändlerin Clara, gespielt von Sylvie Testud, hat panische Angst vor Worten, seit in ihrer eigenen Kindheit die geliebte Großmutter durch einen Schlaganfall die Sprache verloren hatte.

Clara hörte daraufhin auf, schreiben und lesen zu lernen; ihr unbewältigtes Trauma gab sie an ihre Tochter weiter. Erst Vincent (Sergi Lopez), ein Lehrer an einer Taubstummenschule, schafft es schließlich, Mutter und Tochter aus ihrem Teufelskreis zu befreien.

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«Les mots bleus» (Worte in blau) ist ein einfühlsamer Film über Kommunikation jenseits von Sprache, die schließlich doch wieder zur Sprache führt. «Ich sage ihr blaue Worte, die Worte, die man mit den Augen sagt», heißt es in dem Chanson von Jean-Michel Jarre, das den Regisseur Alain Corneau zu seinem Filmtitel inspiriert hat.

Den wohl intensivsten Eindruck hinterlässt der Blick der neunjährigen Camille Gauthier, in dem sich Angst, Wut und Freude ausdrücken. Mit Clara, deren Worte sie hören, aber auf die sie nicht antworten kann, verständigt sich Anna über viele kleine Gesten, die die Kamera behutsam einfängt.

Sylvie Testud und Camille Gauthier
Aus der übergroßen Abhängigkeit von ihrer Mutter befreit sich Anna erst durch die Zeichensprache, die sie von ihren taubstummen Klassenkameraden lernt. Als sich das Kind in seinem Zimmer einschließt, um die neuen Gesten vor dem Spiegel zu üben, reagiert Clara mit Verlustängsten. Erst durch die Liebe Vincents schafft sie es, ihrer Tochter und sich selbst die Chance auf ein eigenes Leben zu geben.
 
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