netzeitung.deZwielichtiges Salzburg: «Silentium»

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Szene mit Simon Schwarz und Josef Hader (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Szene mit Simon Schwarz und Josef Hader
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Um schmutzige Geschäfte zwischen den Salzburger Festspielen und einem Knabenkonvikt geht es in Wolfgang Murnbergers Krimikomödie. Mit dabei: Schlingensief als irrer Opernregisseur.

Von Corina Kolbe

Nicht jeder Berlinale-Film dürfte das Publikum so sehr zum Lachen bringen wie Wolfgang Murnbergers schwarze Komödie «Silentium». Sein bitterböser Humor zielt geradewegs auf die katholische Kirche und die arrivierte Salzburger Gesellschaft.

In der Stadt ereignen sich mysteriöse Selbstmorde - jüngstes Opfer ist der Schwiegersohn des Festspiel-Präsidenten. Der hatte den Erzbischof vor ein paar Jahren öffentlich beschuldigt, ihm als Schüler unter der Dusche fragwürdigen Hygieneunterricht gegeben zu haben.

Die Witwe (Maria Köstlinger) vermutet einen Mord - und beauftragt den schrägen Privatdetektiv Brenner (Josef Hader), der sogleich Nachforschungen im katholischen Internat Marianum anstellt. Und wieder geht es um Sex: Die Priester schätzen junge Asiatinnen nicht nur als Köchinnen. Brenners Recherchen führen ihn geradewegs ins Rotlicht-Milieu.

Mauer des Schweigens
Je weiter der Detektiv die unsauberen Geschäftsbeziehungen zwischen korrupten Geistlichen und dem dekadenten Kulturbetrieb aufdeckt, umso mehr stößt er auf eine Mauer des Schweigens - und muss selbst Hiebe einstecken. In Sizilien gilt gegenüber der Mafia «omertà» - in Salzburg herrscht «Silentium». Nachdem unbequeme Mitwisser plötzlich verschwinden, werden wortlos blutverschmierte Müllsäcke aus dem Marianum getragen.

Mit skurrilen Dialogen und witzigen Bildeinfällen gelingt es dem österreichischen Regisseur, selbst sensible Themen wie sexuellen Missbrauch zum Komödienstoff zu machen. Als zwielichtiger Priester tritt Joachim Król auf. Brenners alter Freund Berti, der ihm bei den Ermittlungen hilft, wird von Simon Schwarz gespielt.

Slapstickartig führt Murnberger dem Zuschauer vor Augen, wie sehr die Fassade der Kirche bröckelt. Jesus wird mit einer Bohrmaschine von seinem wurmstichigen Kreuz befreit - das der als Gelegenheitsarbeiter getarnte Detektiv so lange ächzend mit sich rumschleppt, bis er mit Getöse eine Treppe hinunterfällt.

Der Berliner Theaterprovokateur Christoph Schlingensief hat in mehreren Szenen einen grandiosen Gastauftritt als durchgeknallter Opernregisseur. Als Brenner etwa während einer Aufführung von Mozarts «Entführung aus dem Serail» von oben auf die Bühne herunterstürzt und die Kulissen zerstört, ruft Schlingensief aufgelöst: «Den Schlusschor, schnell den Schlusschor!»

Wunderbar cool agiert Anne Bennent als Notdienst-Apothekerin, die den lädierten Detektiv mehr als einmal mit Kopfschmerztabletten versorgen muss.

Englische Untertitel als Rettungsanker
Die Romanvorlage zu dem Film, der auf der Berlinale im Panorama gezeigt wird, stammt von Wolf Haas, der mit Murnberger und Hader bereits bei dem Film «Komm, süßer Tod» zusammengearbeitet hatte.

Für «Silentium» dankte das Berlinale-Publikum dem Regisseur mit vielen Lachern und stürmischem Applaus. Ganz so enthusiastisch habe das österreichische Publikum nicht reagiert, gab Murnberger zu. Immerhin konnte er in seiner Heimat auf die englischen Untertitel verzichtbar. In Berlin dagegen waren sie - auch den deutschen Zuschauern - äußerst willkommen.