netzeitung.deFamilie im Chaos: «Provincia meccanica»

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Szene mit Valentina Cervi und Stefano Accorsi (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Szene mit Valentina Cervi und Stefano Accorsi
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein junges Paar in der italienischen Provinz lebt jenseits aller Konventionen - und droht unter dem Druck der Außenwelt zu zerbrechen.

Von Corina Kolbe

Überall schmutziges Geschirr, herumliegende Klamotten und mittendrin spaziert ein Leguan - im Haushalt von Marco (Stefano Accorsi) und Silvia (Valentina Cervi) herrscht das totale Chaos. Zumindest aus der Sicht anderer Leute. Das junge Paar mit seinen zwei Kindern lebt in der Provinzstadt Ravenna sorglos in einem eigenen Mikrokosmos und kümmert sich nicht um gesellschaftliche Normen.

Die Tochter Sonia wird nicht in die Schule geschickt, weil Silvia die Lehrer nicht passen. Und der dreijährige Sohn Davis hantiert den ganzen Tag mit Videospielen herum, ohne recht zu begreifen, was er da tut. Die Eltern meinen ihre Kinder zu lieben - und verhalten sich dennoch hochgradig verantwortungslos.

Die vermeintliche Idylle der Familie Battaglia hat jäh ein Ende, als Silvias Mutter eingreift und ihrer Tochter das Sorgerecht für Sonia entzieht. Silvia stürzt der Verlust ihres Kindes in tiefe Verzweiflung, sie schließt sich tagelang in ihrem Zimmer ein und spricht nicht mehr mit ihrem Mann.

Marco, der als Hafenarbeiter die Familie mit Nachtschichten durchzubringen versucht, ist auf einmal sich selbst überlassen. Er kommt nicht darüber hinweg, dass seine Frau sich vor ihm verschließt. Ohne Silvia findet Marco nicht die Kraft, Pläne für eine gemeinsame, bessere Zukunft zu schmieden. Allmählich droht die Beziehung des Paares zu zerbrechen.

Zwiespältiger Eindruck
Mit seinem Film «Provincia meccanica» (Smalltown, Italy), der auf der Berlinale im Wettbewerb gezeigt wird, hinterlässt Stefano Mordini einen zweispältigen Eindruck. In erster Linie geht es ihm um das Verhältnis der Erwachsenen untereinander. Die Bedürfnisse und Gefühle der Kinder spielen in dem Film nur eine untergeordnete Rolle.

Er habe eine bestimmte Form von Familienleben beschreiben wollen - und sich dabei auf eine Paarbeziehung konzentriert, sagt Mordini. Er versucht, Sympathien für Marco und Silvia zu wecken, für die der Leidensdruck schließlich so groß wird, dass sie es schließlich doch schaffen, Veränderungen in ihrem Leben in Angriff zu nehmen. Wieviel Schaden die beiden an ihren Kindern angerichtet haben werden, bis sie selbst erwachsen geworden sind, wird allerdings nicht bedacht.

Beide Hauptdarsteller waren bereits in früheren Jahren auf der Berlinale präsent. Accorsi hatte eine Rolle in dem Film «Le fate ignoranti» (Die Ahnungslosen), mit dem Italien 2001 im Wettbewerb vertreten war. Cervi spielte in dem französischen Panorama-Beitrag 1999, «Rien sur Robert», mit.