12.02.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Catherine Deneuve
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Am dritten Tag der Berlinale konnte Gérard Depardieu leider nicht kommen, eine italienische Familie stürzte in die Krise, und Hannes Stöhr sorgte mit «One Day in Europe» für unterhaltsame Polyphonie.
Der zweite Berlinale-Tag war am Freitag mit zwei Partys ausgeklungen: Sowohl die «People's Night» im Borchardt als auch die «Movie Media Night» im Ritz Carlton buhlten um die Stars, die zu den sogenannten exklusiven Festen geladen waren. Ein Großteil betrieb daraufhin Party-Hopping, wobei der Abend für viele im Nobel-Restaurant endete: Heike Makatsch, Sophie Schütt, Gedeon Burkhard, Mark Keller, Barbara Schöneberger, Herbert Knaup, Alexandra Kamp und auch der Grünen-Staatssekretär Rezzo Schlauch amüsierten sich im Borchardt, während am späteren Abend im Ritz Mathieu Carrière und Ex-CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer anzutreffen waren.
Trotz Partyschäden ging es am Samstagmorgen um neun Uhr mit dem Wettbewerb weiter: «Provincia meccanica» von Stefano Mordini erzählt die Geschichte der Battaglias, einer Familie im italienischen Ravenna, die gegen die Regeln lebt und doch mit Regeln zu kämpfen hat.
Der zweite Film des Tages hat gleich zwei Leinwandgrößen zusammen gebracht: Cahtherine Deneuve und Gérard Depardieu in «Les temps qui changent» von André Téchiné. Der Film handelt von einem Mann (Depardieu), der nach 30 Jahren seine große Liebe (Deneuve) wiedertrifft und ihr Leben in Trümmer legt.
Depardieu habe leider nicht kommen können, begrüßte Madame Deneuve die Teilnehmer der Pressekonferenz, er arbeite bereits an einem neuen Film. Und dann verzauberte die mittlerweile 61-jährige Schauspielerin das Publikum, indem sie verschämt lachte, weil sie als großer Star des französischen Kinos angekündigt wurde.
«Nichts gegen Keanu»Berlin bereits wieder verlassen hat Keanu Reeves, über den am Morgen das Gerücht kursierte, er sei nicht nur besonders kurz da gewesen, sondern auch besonders schlecht gelaunt. Dabei hatte sich der Hollywood-Star auf der Konferenz beleidigen lassen müssen: Ein Fragender nutzte die Macht über das Mikrofon, um dem Schauspieler, der auch in einer Rockband spielt, zu erklären, dass er die Musik lieber bleiben lassen solle. Reeves blieb cool: «Macht nichts, Sie sind ja auch kein guter Journalist», so seine trotz allem irritierte Antwort.
Reeves ist ein großartiger, bescheidener Mensch, sagt «Thumbsucker»-Regisseur Mike Mills. Er trete auf wie ein Student und nicht wie ein Weltstar. Ohne irgendwelchen Personenschutz und ohne Allüren sei er mit seinem Motorrad zu den Dreharbeiten angefahren gekommen und sofort ein Familienmitglied der Crew geworden.
Sieben Sprachen in vier LändernDritter Film des Tages war «One Day in Europe» von Hannes Stöhr, der als erster deutscher Film im Wettbewerb zu sehen war. Allerdings will der Regisseur davon eigentlich nichts hören: Es sei ein europäischer Film, so Stöhr, in dem es darum gehe, eine Sprache für ganz Europa zu finden.
In vier Episoden, die in Moskau, Istanbul, Santiago de Compostela und Berlin spielen, müssen Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Mentalitäten und Sprachen miteinander kommunizieren. Dabei habe er natürlich Klischees benutzt, aber nur um diese dann eben zu brechen, so der Regisseur.
Verbunden werden die Geschichten durch ein fiktives Fußballspiel, dem Champions-League-Finale der Mannschaften von Galatasaray Istanbul und Deportivo La Coruña in Moskau und dem Diebstahl von Reisegepäck. «One Day In Europe» ist ein netter, unterhaltsamer Film über die Menschen in den Straßen Europas - nicht mehr und nicht weniger.
Und Pläne für einen weiteren Film über Europa habe er auch schon, sagt Stöhr. Daran wird auch die Berlinale nichts ändern. Auf die Frage, wie wichtig das Festival für ihn sei, hatte der junge Regisseur im Vorfeld geantwortet: Es ist ein «Jahrmarkt, ein Zirkus. Es bringt nur Probleme, wenn man sich zu ernst nimmt.»