Berlinale: Angst vor Regen
10. Feb 2005 18:27
 | Vor dem Berlinale-Palast | Foto: Berlinale |
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Am Donnerstag öffnet die 55. Berlinale ihre Pforten. Hauptgast ist derzeit das schlechte Wetter. Und der Eröffnungsfilm verregnete die Stimmung.
In diversen Interviews, die Dieter Kosslick bereits vor Beginn der 55. Internationalen Filmfestspiele Berlin gegeben hat, war auch wieder der Termin im kalten Februar Thema. Natürlich würde er lieber bei 27 Grad über den roten Teppich wandeln, so der Berlinale-Chef, doch gehöre das zuweilen raue Klima eben zum Charme von Berlin dazu.
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Trotzdem richten sich am heutigen Donnerstag viele Blicke flehend gen Himmel, denn nach mehreren schönen Tagen am Stück hat es heftig zu regnen angefangen. Da sorgen sich nicht nur die Organisatoren sondern vor allem die Fotografen um die Eröffnung auf dem roten Teppich, wenn zu befürchten steht, dass die Stars und ihre in den Boulevard-Magazinen bereits besprochenen Roben vor lauter Schirmen nicht zu sehen sein könnten. Denn für die sei gesorgt, freut sich der Berlinale-Sponsor VW, der wie bereits im vergangenen Jahr die Limousinen zur Anfahrt der Stars stellt.Während die letzten Vorbereitungen für die große Eröffnungs-Gala laufen, Menschen hektisch in Mobiltelefone zischen, die mit Bären bedruckten Anhänger-Bänder für die Akkreditierungskarten der rund 3800 Journalisten aus sind, und der rote Teppich immer wieder gereinigt wird, hat bereits der Eröffnungsfilm vielen Kritikern die Laune verregnet.
Buh-Rufe für Eröffnungsfilm
«Man To Man» von Régis Wargnier erntete in der Pressevorführung Buh-Rufe, und auch die anschließende Pressekonferenz machte es nicht besser.Die Geschichte beginnt 1870 in Zentralafrika, wo ein Forscherteam zwei Pygmäen entführt, um sie in der Heimat, im schottischen Edinburgh, als wissenschaftliche Sensation zu präsentieren. Angeblich sei mit dem kleinwüchsigen Stamm aus dem Urwald der missing link zwischen Affen und Menschen gefunden. Um das zu beweisen, werden die Afrikaner wie Laborratten in Käfigen gehalten, schließlich seien sie «wilde Tiere», so die Forscher. Nur einem, dem Wissenschaftler Jamie Dodd (Joseph Fiennes), kommen im Verlauf der diversen Vermessungen und Experimente Zweifel, ob er es nicht doch mit Menschen zu tun hat. Doch da werden die beiden Entführten bereits im Zoo zur Schau gestellt.
«Man To Man» hinterlässt ein unbehagliches Gefühl, und das nicht im positiven Sinne, wie es gute Filme manchmal tun. Dass es zur damaligen Zeit in aller Welt sogenannte Völker-Schauen gegeben hat, ist bekannt. Auch das Menschen Menschen für Ruhm, Geld oder Macht Unglaubliches antun, ist nichts Neues. Wargniers Film lässt vor allem einen distanzierten Blick auf das Geschehen vermissen. Keine der Figuren, auch nicht der zweifelnde Dodd, taugt zur Identifikationsfigur. Der Zuschauer steht genauso vor dem Zoo-Gitter und gafft wie die Bewohner Edinburghs im Film. Nur dass sie sich nicht dazu entschieden haben hinzugehen, Wargnier hat sie hingeführt.
«Rohheit des Spiels»
Der Film zeige, was damals tatsächlich passiert sei, sagt der Regisseur, der, als die Schauspieler vorgestellt werden, den Pygmäen Lomama Boseki am Arm nach unten drückt, als der den Applaus zu lange genießt. Er wolle einen anderen Blickwinkel ermöglichen, so Wargnier, der wenig später verrät, dass er den Film gemacht habe, weil er ihm angeboten worden sei.Als sich dann auch noch Joseph Fiennes über die «Ursprünglichkeit und die Rohheit» des Spiels der Laiendarsteller Boseki und Cécile Bayiha freut, ist der «edle Wilde» wieder da. Und schließlich gibt es Szenenapplaus, als Boseki sich in einer langen Rede in seiner Muttersprache für die Aufmerksamkeit all dieser Leute bedankt. Denn als der Film gedreht wurde, habe er die ganze Zeit nicht gewusst, was er da eigentlich macht. Hier scheint auch ein Teil der Journalisten auf der anderen Seite des Zoo-Gitters zu stehen.
Dass die Empörung der Journalisten nicht wirklich Artikulierung fand, könnte daran gelegen haben, dass es eben der erste Tag war. Schließlich sind die Stars noch nicht mal über den Teppich gelaufen, der in diesem Augenblick kurz vor der Einweihung steht.