netzeitung.deAnthony Minghella beklagt Kampagne gegen «Cold Mountain»

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'Unterwegs nach Cold Mountain': Jude Law und Regisseur Anthony Minghella (li.) (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Unterwegs nach Cold Mountain': Jude Law und Regisseur Anthony Minghella (li.)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auf der ersten Film-Pressekonferenz der Berlinale, die dem Eröffnungsfilm «Unterwegs nach Cold Mountain» galt, hat sich der Regisseur über Hollywood geärgert, und der Produzent hat versprochen, dass Jude Law doch noch kommt.

«Die Deutschen sind doch so präzise, ich verstehe das nicht», sagt eine Journalistin aus Kopenhagen, als die für 15 Uhr 20 angesetzte, erste Film-Pressekonferenz der Berlinale 2004 um 15 Uhr 27 noch nicht begonnen hat. Die Repräsentanten für «Unterwegs nach Cold Mountain» - Regisseur Anthony Minghella, Co-Produzent Harvey Weinstein und die Darsteller Philip Seymour Hoffmann sowie Brendan Gleeson, lassen etwas auf sich warten.

Doch als sie schließlich sitzen, geht es sofort ans Eingemachte. Auf die Frage, ob die US-Kritik an dem US-Bürgerkriegsepos, das in Rumänien gedreht wurde, obwohl es in North Carolina spielt, heuchlerisch sei, spricht Minghella von einer Kampagne gegen die US-Produktion, die deutlich weniger Oscar-Nominierungen bekommen hat, als erwartet. Minghella war unter anderem vorgeworfen worden, Amerikanern Arbeitsplätze wegzunehmen, indem er den Dreh ins Ausland gelegt hat.

Es seien schwierige Zeiten in den USA, so der britische Regisseur. «Ein Land, das sich angegriffen fühlt, wird nationalistisch.» Und der Film sei eben völlig anti-nationalistisch. «Er spricht auf vorsichtige Art und Weise davon, was passiert, wenn es um Volksstämme geht.» Der Film, der mit blutigen Szenen der Belagerung der Stadt St. Petersburg (im heutigen US-Bundesstaat Virginia) im Jahre 1864 beginnt, zeigt was Krieg mit und aus Menschen macht, und «die 150 Jahre alten Wunden sind noch nicht geheilt», sagt Weinstein. Und er setzt noch einen drauf: Es gebe kein Oscar-Boykott gegen «Unterwegs nach Cold Mountain», aber in den USA würden europäische Filme eben diskriminiert, sagt der Mann, der «im vorigen Jahr zur mephistophelischen Instanz des Hollywood-Betriebes erklärt wurde», wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. «Ich bin stolz, dass 'Cold Mountain' ein euopäischer Film ist.» Die Oscar-Juroren müssten ihre eigene Wahl treffen.

«Die Wahrheit des Märchens»
Auch der Kritikpunkt, dass der Film keine schwarzen Charaktere zeige, wird aufgenommen. Minghella sagt, er habe tatsächlich Sequenzen über das Sklavenleben geschrieben, doch habe er sie wieder herausgenommen, um dem Buch treu zu bleiben. In der Gegend, wo der Film spielt, habe es keine Sklaven gegeben. Weinstein pflichtet ihm bei und zitiert gleich noch den afro-amerikanischen Regisseur John Singleton, der den Film gutheiße. «Das ist die Wahrheit des Märchens.»

Dem Vorwurf, dass das Ende des Films so wenig Hoffnung lasse, widerspricht Minghella. «Der Film beginnt auf dem Schlachtfeld und endet an einem Tisch». Die Überlebenden, die gebrochenen Menschen sitzen zusammen und bilden eine Gemeinschaft. «Das ist ein leiser Appell, langsamere Wege zu finden, um ein Problem zu lösen, als mit einer Waffe.»

Kidman und Law
Schließlich wird noch die Enttäuschung darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Hauptdarsteller Nicole Kidman und Jude Law nicht in Berlin sind. Das Problem klärt wieder Weinstein: Law drehe gerade mit Regisseur Mike Nichols den Film «Closer». Die Produktionsfirma Miramax habe versucht, den Schauspieler für einen Tag aus der Produktion zu kaufen, das sei jedoch am Zeitdruck gescheitert. Aber Law werde am kommenden Mittwoch nach Berlin kommen, verspricht der Produzent. Kidman sei aus familiären Gründen in Australien. «Und glauben Sie mir, wenn ich sie nicht hierher kriege, schafft das niemand.» (nz)