05.01.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Berlinale-Programm nimmt Form an
In knapp vier Wochen beginnt die 52. Berlinale und immerhin die Hälfte des Festivalprogramms steht nach Angaben der Veranstalter schon fest. Bislang geplant: 7 Weltpremieren.
14 Filme für den offiziellen Wettbewerb der 52. Berliner Filmfestspiele hat die Jury bereits ausgewählt. Noch bis Ende Januar gehen die Auswahlsichtungen weiter - es dürfte noch die eine oder andere Weltpremiere zu den bislang sieben Uraufführungen dazu kommen.
Der junge US-Regisseur Wes Anderson nimmt mit «The Royal Tenenbaums» am Wettbewerb teil. Die tragik-komische Familiengeschichte ist mit Gene Hackman, Anjelica Huston, Gwyneth Paltrow und Ben Stiller prominent besetzt. Ein weiterer Wettbewerbsbeitrag aus den USA ist «Monster's Ball». In dem Südstaatendrama von Marc Foster um Hass und Rassismus spielen Peter Boyle, Billy Bob Thornton und Halle Berry die Hauptrollen.
Robert Altmans englisch-amerikanisch-deutsche Ko-Produktion «Gosford Park» wird als Sondervorführung außer Konkurrenz gezeigt. Emily Watson, Kristin Scott-Thomas, Alan Bates und Helen Mirren spielen in dem historischen Drama um einen mysteriösen Mord auf einem englischen Landsitz in den 30er Jahren. «Gosford Park» ist Altmans erste Produktion in England.
Bislang zwei Filme aus AsienDer chinesische Regisseur Zhang Yimou ist zum dritten Mal im Wettbewerbsprogramm der Berlinale vertreten. Sein Film «Happy Time» läuft ebenfalls außer Konkurrenz.
Aus Korea nimmt «Na-Bbun-Nam-Ja» (Bad Guy), der jüngste Film des international bekannten Regisseurs Kim Ki-duk, am Wettbewerb teil. «Bad Guy» schildert die fatale Begegnung zwischen einem Bandenführer im Rotlichtdistrikt und einer jungen College-Studentin, mit Cho Jae-Hyun und Seo Won.
Europas Kino stark vertretenGanz im Sinne einer weiteren Stärkung des Berliner Festivalstandortes für den europäischen und besonders den deutschen Film ist der Anteil der europäischen Produktionen besonders hoch. Aus Dänemark läuft die Welturaufführung «Minor Mishaps» im Wettbewerb. Die junge Regisseurin Annette K. Olesen schildert die großen und kleinen Unglücksfälle einer Familie, die sich trotz aller Differenzen zusammenrauft. Ihre Hauptdarsteller sind Jorgen Kiil, Vigga Bro und Maria Würgler Rich.
Aus Frankreich laufen bislang drei Filme im Wettbewerb. Der französische Altmeister Bertrand Tavernier präsentiert «Laissez-Passer». Darin wird die Geschichte der deutschen Filmproduktionsfirma «Continental» erzählt, die während der Okkupationszeit in Paris französische Filme produzierte. Seine Protagonisten sind hin- und hergerissen zwischen der Entscheidung zum aktiven Widerstand oder zum Mitläufertum. Die Hauptrollen der tragisch-komischen Handlung spielen Jacques Gamblin, Denis Podalydès und Marie Gillain.
«Lundi Matin» von Otar Iosseliani erzählt die Geschichte eines Fabrikarbeiters in der französischen Provinz, der eines Tages aus der Routine seines Alltags und seiner Familie ausbricht und auf eine Reise geht. Jacques Bidou, Arrigo Mozzo und Anne Kravz-Tarnavsky spielen die Hauptrollen in dieser Berliner Weltpremiere.
Mit der Weltpremiere von «8 Femmes» nimmt der französische Regisseur François Ozon zum zweiten Mal am Wettbewerb der Berlinale teil. Nach dem Theaterstück von Robert Thomas inszeniert Ozon eine dramatische Komödie um die gegenseitigen Verdächtigungen und Schuldzuweisungen nach dem Mord in einer Großfamilie. Zu seinem Cast gehören die bekanntesten weiblichen Stars Frankreichs: Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux, Ludivine Sagnier und Firmine Richard.
Besucherrekord erwartetRolf Hochhuths Theaterstück «Der Stellvertreter» war für Constantin Costa-Gavras gleichnamigen Film die literarische Vorlage. Themaitisert wird das Konkordat zwischen der katholischen Kirche und dem Nazi-Regime. Der Stellvertreter läuft als Weltpremiere im Wettbewerb mit Ulrich Tukur, Mathieu Kassovitz und Ulrich Mühe in den Hauptrollen.
Aus Deutschland kommt außer dem bereits angekündigten Eröffnungsfilm «Heaven» von Tom Tykwer ein weiterer Wettbewerbsbeitrag als Weltpremiere: Dominik Grafs «Der Felsen» erzählt die Geschichte einer Frau, die nach einer schmerzlichen Trennung den Halt verliert und deren Existenz sich zu einem gefährlichen Drahtseilakt entwickelt.
Festivalleiter Dieter Kosslick hatte sich vor einigen Wochen optimistisch darüber geäußert mindesten drei bis vier deutsche Produktionen im Wettbewerb zu haben. Außer Konkurrenz läuft Wim Wenders Dokumentarfilm «Viel Passiert - Der BAP Film» als Welturaufführung im Programm des Wettbewerbs. Wenders entführt die Kinobesucher auf eine Zeitreise zu den wichtigsten Stationen der berühmten Kölner Rockgruppe.
In diesem Jahr wird nach Kosslicks Worten ein neuer Besucher-Rekord auf der Berlinale erwartet. Er rechne damit, dass insgesamt 420.000 Karten verkauft würden und 3400 Journalisten aus rund 80 Ländern anreisten. «Die Berlinale ist das einzige Festival, wo nicht nur Künstler und die Filmwirtschaft anwesend sind, sondern auch das normale Publikum kann sich hier Karten kaufen.» Schätzungen zufolge werden rund 120.000 Tickets an die Kinofans verkauft.