Hollywood-Legende und Waffenlobbyist:
Charlton Heston mit 84 Jahren gestorben
Heston hatte als Muskel strotzender Galeeren-Häftling und Wagenrennensieger Ben Hur (1959) einen Oscar gewonnen. Zwei Jahre zuvor glänzte er in dem Filmepos «Die Zehn Gebote» als Moses. Zu seinen großen Rollen gehört «El Cid» (1961) in dem Ritterspektakel von Anthony Mann und sein Auftritt als mexikanischer Detektiv in Orson Welles Klassiker «Im Zeichen des Bösen» (1957). Er spielte Michelangelo und mehrere Staatschefs. «Drei Präsidenten, drei Heilige, zwei Genies», resümierte Heston einst augenzwinkernd, «das sollte für einen Mann genug sein.»
«Goldfieber» (1982) zeigte ihn in einer Doppelrolle als verwilderter Schürfer und dessen mörderischen Bruder. Bei diesem Film führte Heston auch die Regie. In seiner langen Hollywoodlaufbahn drehte er mehr als 100 Kino- und Fernsehfilme. Unter der Regie seines Sohnes Fraser C. Heston entstanden 1990 und 1996 zwei Filme, in denen der Vater nochmals zu größeren Rollen kam.
In den 90er Jahren geriet Heston als Fürsprecher von Amerikas Waffenlobby ins Rampenlicht. Von 1998 bis 2003 war er Vorsitzender der National Rifle Association (NRA), der vier Millionen Mitglieder starken Organisation der US-Waffenbesitzer. Sein Einsatz für die Waffenlobby trug ihm bei Amerikas Linken die harsche Kritik ein, er sei mitverantwortlich für Massaker an Schulen. Auch Michael Moore rückte Heston mit seinem Oscar-gekrönten Dokumentarfilm «Bowling for Columbine» in diese Ecke.
Doch manche Kritiker übersahen, dass Hestons Anschauungen aus der Überzeugung erwuchsen, jedem Mensch stehe das höchstmögliche Maß an Freiheit zur Gestaltung seines Lebens zu. Deshalb setzte er sich in den 60er Jahren aktiv in der Bürgerrechtsbewegung ein. An der Seite von Martin Luther King Jr. forderte Heston ein Ende der Rassendiskriminierung und gleiche Rechte für alle Amerikaner.
Schon vom Alzheimerleiden gezeichnet gab Heston im gleichen Jahr seinen Vorsitz bei der NRA-Waffenlobby ab. Auch bei seiner letzten Demonstration für das «von Gott gegebene Recht» jedes Amerikaners auf Waffenbesitz sparte er nicht mit dramatischen Gesten. «Nur aus meiner kalten, toten Hand», sagte der Zwei-Meter-Mann und hielt vor jubelnden Anhängern sein Gewehr hoch.
Im Sommer 2002 hatte sich der Schauspieler wegen seiner Alzheimer- Erkrankung bereits von der Öffentlichkeit verabschiedet. «Ich habe mein ganzes Leben vor euch auf der Leinwand und der Bühne geführt. Euer Applaus waren Inhalt und Sinn meines Daseins», erklärte der Hollywood-Star in einer bewegenden Rede. «Für einen Schauspieler gibt es keinen größeren Verlust als den seines Publikums.» (Barbara Munker, dpa)
