02.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Mit seinen mittlerweile 61 Jahren ist Sylvester Stallone noch einmal 'John Rambo'
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während im vergangenen Jahr vornehmlich Fortsetzungen die große Leinwand dominierten, kommen die Regisseure 2008 wieder mit neuen Ideen. Eine Vorschau auf das Kinojahr.
Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Welche Film-Highlights haben die Kinogänger 2008 zu erwarten? Gleich zu Beginn des Jahres startet Hollywood eine Reihe mutmaßlicher Hits. So präsentiert J.J. Abrams mit «Cloverfield» einen Monster- und Katastrophenfilm, der aufgrund seiner mysteriösen Werbekampagne schon seit Monaten die Filmfans im Internet beschäftigt. Geheimniskrämerei betreibt auch Steven Spielberg bei der Fortsetzung seiner «Indiana Jones»-Saga, dem wohl meisterwarteten Film des Jahres, dessen Start für Ende Mai angesagt ist.
Außer dem klingenden Titel «Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels» hält der Meister alle Details über die Geschichte unter Verschluss. Aber die Handlung ist eigentlich ohnehin sekundär, wartet die Welt doch vor allem auf ein Wiedersehen mit Harrison Ford in seiner bekanntesten Rolle. Offenbar hatte Spielberg selbst Zweifel daran, dass das Publikum sich noch für die Abenteuer eines 65-jährigen Peitschenschwingers in Safarikleidern interessieren könnte und stellte Ford deshalb den 21-jährigen Shooting-Star Shia LaBeouf («Transformers») zur Seite.
Ein anderes Sequel wird von Filmfans ebenfalls mit Spannung erwartet: «John Rambo». Sylvester Stallone, selbst mittlerweile 61 Jahre alt, schickt seinen Vietnam-Veteranen diesmal nach Birma, um eine Gruppe amerikanischer Menschenrechtler zu befreien. Erste Ausschnitte künden von einem überaus blutigen Action-Abenteuer: Wer davon nichts hält, kann auf «Son of Rambow» warten. Garth Jennings inszenierte die satirische, in den frühen achtziger Jahren spielende Coming-of-Age-Geschichte eines wohlbehüteten Jungen, der nach dem Genuss eines Rambo-Videos heimlich anfängt, eigene Actionfilme zu drehen.
Weitere Größen des US-AutorenkinosAußer Stallone und Spielberg melden sich 2008 noch eine Reihe weiterer Größen des US-Autorenkinos zurück: In Mike Nichols' «Der Krieg des Charlie Wilson» (Starttermin Februar) spielt Tom Hanks einen US-Kongressabgeordneten, der in den siebziger Jahren afghanische Rebellen bei ihrem Kampf gegen die russischen Truppen unterstützt - mit weitreichenden Folgen für sein eigenes Land. Brian De Palma liefert mit seinem Low-Budget-Drama «Redacted» ein furioses Pamphlet gegen den Irak-Krieg.
Sidney Lumet erzählt in «Before the Devil Knows You're Dead» von zwei Brüdern (Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke), die in den Juwelierladen ihrer eigenen Eltern einbrechen und dadurch eine Tragödie heraufbeschwören. Und Martin Scorsese dokumentiert in «Shine a Light» ein Konzert der Rolling Stones in New York.
Junge Regisseure weit weniger produktiv als SeniorenDie Generation der jüngeren Regisseure zeigt sich weit weniger produktiv als die Senioren aus der New-Hollywood-Ära. Acht Jahre Zeit gelassen hat sich etwa Kimberly Peirce, die sich nach ihrem oscargekrönten «Boys Don't Cry» mit dem Antikriegsdrama «Stop Loss» zurückmeldet. Ryan Phillippe verkörpert darin einen US-Soldaten, der sich nach seiner Heimkehr aus dem Irak trotz neuem Marschbefehl weigert, in das Kriegsgebiet zurückzukehren. Ein Film, der das Desertieren als passiven Widerstand zur Heldentat erklärt, dürfte sich im aufgeladenen Politklima der USA großer Aufmerksamkeit und werbeträchtiger Kontroversen sicher sein.
Auch das einstige Regie-«Wunderkind» Paul Thomas Anderson ist seit «Magnolia» (1999) fast in Vergessenheit geraten. Jetzt scheint ihm mit der opulenten Upton-Sinclair-Verfilmung «There Will Be Blood» ein weiteres Meisterstück gelungen zu sein. Anderson hat es geschafft, den überaus wählerischen Daniel Day-Lewis zu seiner ersten großen Rolle seit «Gangs of New York» (2002) zu überreden. Die Geschichte eines skrupellosen Ölbarons, der im Texas der Jahrhundertwende zu Reichtum und Ruhm kommt, wird im Wettbewerb der Berlinale zu sehen sein.
Mit Blick auf die Komödienlandschaft 2008 lässt sich konstatieren, dass der Siegeszug der «Pubertätshumoristen» nach den Kassen- und Kritikererfolgen «Beim ersten Mal» und «Superbad» unvermindert weitergeht. Steven Brills «Drillbit Taylor» (Starttermin März) etwa handelt von einer Clique schmächtiger Schüler, die sich einen Bodyguard (Owen Wilson) engagieren, um endlich Ruhe vor den Rowdys zu haben. Was sie nicht ahnen: Ihr Beschützer ist nichts weiter als ein großmäuliger Hochstapler.
Was kündigt sich im deutschen Kino an? Tom Tykwer arbeitet in Hollywood mit Clive Owen und Naomi Watts an der deutsch-amerikanischen Koproduktion «The International» (Starttermin September) über einen Interpol-Agenten, der eine in Waffengeschäfte verstrickte Finanzgruppe überführen will. Besonders hohe Erwartungen werden an die Neuverfilmung der «Buddenbrooks» (Starttermin Dezember) gesetzt. Grimme-Preisträger Heinrich Breloer ist bekannt für seinen präzisen Blick auf historische Stoffe und bei einem Ensemble aus Armin Müller-Stahl, Iris Berben, August Diehl und Jessica Schwarz kann eigentlich nicht viel schiefgehen.
Noch keinen festen Starttermin hat Joseph Vilsmaiers «Die Geschichte vom Brandner Kaspar», eine Verfilmung des berühmten bayerischen Volksmärchens über einen schlitzohrigen Schlosser, der den Tod überlistet. Es spielen Franz Xaver Kroetz und Michael «Bully» Herbig - eine Besetzung, die für einige Überraschungen gut zu sein scheint. (Kai Mihm, epd)