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Godard hat geklaut

28. Nov 2007 14:52
Europäischer Filmpreis für Jean-Luc Godard
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Viele seiner Regiekollegen würden die Kamera nicht richtig benutzen, sagt Jean-Luc Godard. Außerdem offenbart der Kultfilmemacher seine kriminelle Vergangenheit.

Er hat einen festen Platz in der Filmgeschichte und ist der wohl bekannteste Vertreter der Nouvelle Vague. Der französische Regisseur Jean-Luc Godard wird am Samstag mit dem Europäischen Filmpreis fürs Lebenswerk ausgezeichnet.

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  • Anlass genug zurück zu blicken: So macht der Filmemacher im Interview mit der Wochenzeitung «Zeit» klar, wie sehr er das Kino liebt: In seiner Jugend habe er hin und wieder Geld gestohlen, um ins Kino zu gehen, und später, um Filme zu machen, sagt Godard. «Es war notwendig. Oder zumindest erschien es mir notwendig. Ich habe sogar meiner Familie Geld gestohlen, um es Rivette für seinen ersten Film zu geben. Ich habe geklaut, um Filme zu sehen und Filme zu machen.»

    Angesichts von Meisterwerken wie «Außer Atem», «Die Verachtung» oder auch «Alphaville» war das Geld gut angelegt. Die Jahre der von ihm mitbegründeten Regisseurbewegung Nouvelle Vague seien eine glückliche Zeit gewesen, so Godard weiter, denn es habe einen Austausch gegeben: «Heute rede ich beim Drehen nur mit den Technikern, und ich weiß nicht, was sie über meinen Film denken.» Das sei beim Sport anders, sagt der Filmemacher, der einst auf dem Filmset seine Schauspieler mit einem Kopfstand oder ähnlichen Übungen überraschte: «Sportler sind nicht allein. Ich spiele so oft Tennis, weil ich ein Gegenüber habe. Zwar bezahle ich meinen Partner, aber wenigstens spielt er mir den Ball zurück. Den Techniker, der mit mir an einem Film arbeitet, bezahle ich auch, aber er spielt mir nicht den Ball zurück.»

    Im Sessel dösen

    Das Kino der Gegenwart betrachtet Godard kritisch. Er lobt Lars von Triers Film «Idioten», führt aber an, dass «die meisten Regisseure und Dreiviertel der Leute, die jetzt in Berlin Preise bekommen, die Kamera nur benutzen, um selbst zu existieren. Sie benutzen sie nicht, um etwas zu sehen, das man ohne Kamera nicht sieht. So wie ein Wissenschaftler manche Dinge nicht ohne Mikroskop erkennen kann. Oder der Astronom manche Sterne nicht ohne Teleskop.»

    Er selbst dreht übrigens auch noch, berichtet der 76-Jährige. Derzeit bereite er seinen neuen Film vor. Dabei könne er am besten arbeiten, wenn er im Sessel döse: «Ich versuche die Dinge zu sehen. Mit geschlossenen Augen. Denn mit offenen Augen sieht man nicht dasselbe. Mit der Kamera ist es ja nicht anders. Man nutzt die offenen Augen, um mit geschlossenen Augen zu sehen.» (nz)

     
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