In Weingartners Vision einer besseren Welt lesen die Menschen lieber Bücher oder schauen gar nicht mehr fern. Das gebiert ein paar hübsche Momente anarchischer Lust und Liebe. Doch die sind teuer erkauft – bis es soweit ist, dürfen sich die anderen Protagonisten wie in einem stereotypen Nummerntheater an ihren Rollen abarbeiten. Neben dem – Achtung, Moritz Bleibtreu ausnahmsweise mal fies und aggressiv! – sehenswerten TV-Produzenten auf Testosteron tritt ein klischeehaft gezeichnetes Schattenkabinett an Hartz-IV-Empfänger auf, dass die bösen Quoten-Boxen Schritt für Schritt in die guten Boxen umtauschen darf. Dann ist da noch das neue Objekt der Begierde des gewandelten Paulus – die junge, geheimnisvolle Pegah (Debütantin Elsa Schulz Gambard), die unseren Helden erst umbringen und dann nur umkrempeln will.
Immerhin gibt es auch diesmal tolle Schauspieler zu entdecken, so etwa Gregor Bloéb als schmieriger TV-Boss Maiwald oder Milan Peschel (Computernerd und Chef-Verschwörungstheoretiker Philipp). Doch das so entworfene Tableau ist letztlich so einfach gestrickt, dass es den Zuschauer fast schon wütend zurücklässt.
Wenn das der aktuelle Zustand von Kapitalismus- und Medienkritik ist, dann wird es wohl nichts mehr mit der Erziehung der Massen zur Mündigkeit und zum selbst Denken. Hauptsache, dass Guerilla-Marketing stimmt, mag man sich da zynisch nach einem Besuch im Kino enttäuscht denken. Übrigens: Demnächst ist «Free Rainer – Dein Fernseher lügt» auch exklusiv bei Vox zu sehen.