Fatih Akin ist Oscar-Kandidat
19.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Fatih Akin darf im kommenden Jahr auf einen Academy Award hoffen. Sein Drama «Auf der anderen Seite» geht für Deutschland ins Rennen um die begehrte Auszeichnung.
Fatih Akins «Auf der anderen Seite» soll im kommenden Jahr im Rennen um den Oscar antreten. Deutschland reicht das Drama für den Wettbewerb um den besten nicht englischsprachigen Film ein. Das teilte German Films, die Auslandsvertretung der deutschen Filmbranche mit. Der Streifen des in Hamburg geborenen türkischstämmigen Regisseurs soll damit nach dem Oscar für das Stasi-Drama «Das Leben der anderen» in diesem Jahr die jüngsten Erfolge des deutschen Films fortsetzen.
Erst 2003 hatte «Nirgendwo in Afrika» als erster deutscher Film nach mehr als 20 Jahre einen Oscar geholt. Für 2006 und 2005 waren «Sophie Scholl - die letzten Tage» und «Der Untergang» als nicht-englischsprachige Filme nominiert worden, die aber beide leer ausgingen.
«Vor dem Hintergrund der politischen und kulturellen Unterschiede einer globalisierten Welt wird eine ungewöhnliche Liebes- und Familiengeschichte zwischen Deutschen und Türken erzählt. Der Film überzeugt durch seinen dramaturgischen Aufbau, seine visuelle Gestaltung und seine gefühlvolle Inszenierung», begründete die Jury ihre Entscheidung für die Auswahl von «Auf der anderen Seite». «Ich freue mich sehr», so Akins Reaktion. «Ein Glück, dass Tom Tykwers 'Das Parfum' auf Englisch gedreht hat.»
Liebe, Tod und Teufel«Auf der anderen Seite» war im Internationalen Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes im Mai uraufgeführt worden und hatte dort den Preis für das beste Drehbuch und den Preis der Ökumenischen Jury erhalten. Er ist der zweite Teil von Akins Trilogie «Liebe, Tod und Teufel». Für den ersten Teil «Gegen die Wand» hatte Akin vor drei Jahren den Berlinale-Bären und den Europäischen Filmpreis gewonnen.
In «Auf der anderen Seite» bittet ein türkischer Witwer die Bremer Hure Yeter darum, bei ihm zu leben. Bei einem Streit schlägt er sie, Yeter stürzt unglücklich und stirbt. Der Sohn des alten Mannes will mit dem Vater nichts mehr zu tun haben. Aber er reist nach Istanbul, um Yeters Tochter zu suchen. Diese ist derweil auf der Flucht vor der türkischen Polizei in Deutschland gelandet und verliebt sich dort in eine Studentin. Sie wird aber nach Istanbul abgeschoben. Die deutsche Freundin reist ihr nach, holt eine Waffe aus einem Versteck - und wird von Handtaschendieben versehentlich erschossen. Ihre trauernde Mutter (Hanna Schygulla) macht schließlich die letzte Reise «auf die andere Seite» in die Türkei. Sie rebelliert nicht gegen den Schicksalsschlag, sondern sucht nach dessen Sinn.
Unter den nationalen Einreichungen werden am 22. Januar die fünf Filme nominiert, die an der Endauswahl um den Oscar für den besten Auslandsfilm teilnehmen. Die Oscars werden am 24. Februar in Hollywood vergeben. (dpa)
«Auf der anderen Seite» startet am 27.9. in den deutschen Kinos