03.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der «JFK»-Regisseur ist für ihn ein «Teil des großen Satans»: Irans Präsident will nicht, dass Oliver Stone ein Porträt über ihn dreht.
Eigentlich sagt Mahmud Ahmadinedschad seine Meinung am liebsten so laut, dass die ganze Welt ihn hören kann. Dazu hat er sogar ein multilinguales Blog angelegt. Nun hat sich Irans Präsident allerdings eine eigentlich ganz wunderbare Möglichkeit zur Meinungsverbreitung entgehen lassen.
Wie der britische «Guardian» berichtet, zeigte sich Ahmadinedschad kamerascheu, als US-Regisseur Oliver Stone - der mit Porträts über JFK, Nixon und Fidel Castro, aber auch Blockbustern wie «Platoon» und «Natural Born Killers» bekannt wurde - anfragte, ob er eine Dokumentation über ihn drehen dürfe.
Und nicht nur das, er schmetterte das Projekt mit einer Beleidigung des Filmemachers ab: Stone sei für ihn «ein Teil des großen Satans», Teherans gängige Bezeichnung für die USA.
Opposition gilt nichtDass Stone in Hollywood als Querulant gilt und unter anderem Kubas Präsidenten Castro als seinen Freund bezeichnet, ließ Ahmadinedschad angeblich unbeeindruckt.
Zwar stimme es, dass Stone in den USA den Ruf eines Oppositionellen habe. Doch sei auch die Opposition «Teil des großen Satans», verkündete der Medienberater Mahdi Kalhor im Namen des Präsidenten. Ahmadinedschad hat Hollywood mehrfach als «Bastion pro-zionistischer Interessen» bezeichnet. Angeblich hat er sich Stones Filme sogar angesehen - seine Meinung danach aber nicht geändert.
Pro-Zionistische Bastion?«Für uns hat das amerikanische Kinosystem nichts mit Kunst oder Kultur zu tun, es ist nur ein Instrument. In den letzten zwei Jahren hat die globale Arroganz sich große Mühe gegeben, ihr eigenes Porträt von Ahmadinedschad zu zeichnen, das nichts mit der Realität zu tun hat.»
Präsidentenberater Javan Shamghadri verkündete, Teheran werde über Stones Anfrage erneut nachdenken, wenn dieser einem iranischen Filmemacher die Rechte an einem Porträt über den US-Präsidenten und die CIA sichern könne - das dieser dann drehen könne, ohne behelligt zu werden.
Zu Stones Nachteil gereicht allerdings auch ein Film aus eigener Werkstatt: Seine fiktionale Biografie von Alexander dem Großen mit Colin Farrell in der Hauptrolle hatte vor drei Jahren für Proteste im Iran gesorgt. In diesem Jahr hatte Iran sich bei den Vereinten Nationen über Zack Snyders blutige Thermopylen-Orgie «300» beschwert: Sie zeige ein falsches Bild der Perser. (nz)