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Jede Menge Paranoia

21. Jun 2007 10:34
Zwei Brüder wollen raus: Wentworth Miller, Dominic Purcell in 'Prison Break'
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Drinnen droht die Todesstrafe, draußen mordet die CIA: Die Gefängnisflucht-Serie «Prison Break» ist sehenswerter als «24», findet Christian Bartels.

Das amerikanische Justizsystem ist Gold wert - nicht unbedingt für die Gesellschaft, in der es angewendet wird, aber für die Unterhaltungsindustrie. Davon zeugt der Auftrieb, den die globale Berichterstattung über Paris Hilton durch eine Gefängnisstrafe erhielt. Davon zeugt auch die fulminante Serie «Prison Break»; die RTL nun ins Sommerprogramm nimmt.

Die Todesstrafe schafft sofort eine Fallhöhe, die hiesige Krimis einfach nicht erreichen können. Was in Europa übertrieben konstruiert erschiene, nimmt man US-Erzählungen locker ab. In «Prison Break» möchte Protagonist Michael (Wentworth Miller) unbedingt ins Gefängnis, um anschließend mit seinem Bruder (Dominic Purcell) wieder auszubrechen. Denn Lincoln wurde als angeblicher Mörder zum Tode verurteilt. Michael kennt sich als an den Bauarbeiten beteiligter Ingenieur im Gefängnis aus. Und der Termin der Hinrichtung setzt Zeitdruck.

Peter Stormare als Mafioso
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Gleich ein Bischof ermordet

Trotz des Schauplatzes Hochsicherheitsgefängnis ist nach gut 20 Nettominuten ein viel größeres Spielfeld etabliert: Hinter Gittern herrschen, einerseits, ethnisch sowie nach sexueller Orientierung organisierte Gangs. Die Mafia, unter anderem verkörpert vom schwedischen Hollwoodstar Peter Stormare, ist dabei; die «schlimmste Gang» aber seien die Wärter, heißt es.

Draußen herrscht jene umfassende Paranoia, die man an der Thriller-Produktion der US-Unterhaltungsindustrie schätzt. Natürlich führt sie bis in die Staatsspitze, der seit «24» und dem Irakkrieg auch Amerikaner zunehmend Böses zutrauen. Lincolns angebliches Mordopfer war der Bruder der Vizepräsidentin. Kaum läuft die erste Episode eine halbe Stunde lang, hat die CIA auch schon einen Bischof ermordet. Die beliebten Topoi von Familien, die sich entweder zusammenraufen oder noch gegründet werden müssen, sorgen nur am Rande für romantische Erleichterung.

Auch visuell zeigt sich die Serie auf der Höhe. In «CSI», das in Deutschland als Mutter des gegenwärtigen Erfolgs amerikanischer Serien gilt und bei RTL direkt zuor im Programm läuft, simuliert die Kamera immer durch Körperadern zu sausen. Hier fährt sie ähnlich rasant durch den Gefängnisbau, der als Tatort der unglaublichen Flucht eine Hauptrolle spielt. Schön für RTL ist ferner, dass der unverbrauchte Hauptdarsteller Wentworth Miller in seiner kernigen Schmächtigkeit an Sender-Ikone Tim Mälzer erinnert.

Paranoia-Potenzial und Raffinesse übertreffen die immer noch gern gerühmte Serie «24», und das Tempo ist nicht geringer. Vor dem Hintergrund, dass RTL als größter deutscher Privatsender RTL «24» nie senden mochte, sondern gleich an RTL 2 weiterreichte, zählt insofern zu den spannenden Fragen auch, ob sich nun genug das RTL-Publikum an die fortlaufende Erzählweise von «Prison Break» gewöhnt. Das wäre für den Sender, der dramaturgisch ambitionierte Serien bislang immer anderen überließ, ein großer Schritt.

«Prison Break»: ab 21. Juni donnerstags um 22.15 Uhr und 23.15 Uhr auf RTL

 
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