netzeitung.deNervenkitzel hinter Gittern

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Fast zu hübsch für einen Knacki: Wentworth Miller ist Lincoln Scofield (Foto: FOX<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fast zu hübsch für einen Knacki: Wentworth Miller ist Lincoln Scofield
Foto: FOX
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In der Serie «Prison Break» soll der Gefängnisalltag möglichst realitätsnah dargestellt werden. RTL zeigt jetzt erstmal 22 Episoden des amerikanischen TV-Erfolgs - und ein neues Sexsymbol.

Wahre Bruderliebe kennt keine Grenzen: In der neuen RTL-Serie «Prison Break» (Start am Donnerstag, 22.15 Uhr) folgt der erfolgreiche Ingenieur Michael Scofield (Wentworth Miller) seinem Bruder Lincoln (Dominic Purcell) lieber ins Gefängnis, als untätig zuzusehen, wie dieser im Todestrakt die letzten Tage bis zu seiner Hinrichtung zählt.

Überzeugt von der Unschuld des verurteilten Mörders, entwickelt Scofield einen wahnwitzigen Plan. Er lässt sich die Bau-Konstruktion des Gefängnisses auf den gesamten Oberkörper tätowieren, um aus den Innern der Haftanstalt einen spektakulären Fluchtplan für sich und seinen Bruder zu entwickeln.

Doch der smarte Scofield hat die Rechnung ohne den täglichen Wahnsinn des Schwerverbrecher-Daseins gemacht. Düstere, in kühlen Farben gehaltene Bilder versetzen den Zuschauer 22 Folgen lang in eine Welt, die man im wahren Leben eher zu meiden versucht. Auf der heimischen Fernsehcouch lässt sich der harte Alltag des Freiheitsentzugs jedoch durchaus gut ertragen.

Mit schnellen Schnitten, geschickter Dramaturgie und trickreicher Kameraführung setzt der Countdown hinter Gittern vor allem auf den Faktor Nervenkitzel. In kurzen Rück- und Zwischenblenden erfährt der Zuschauer immer gerade so viel über die Vergangenheit der Brüder, dass das Durchstehen bis zum Serien-Finale nicht schwer fallen dürfte. Für die nötige Spannung sorgen in der neuen US-Produktion auch die zahlreichen Hindernisse, die sich den beiden bei ihrer geplanten Flucht in den Weg stellen. Oder das Rätsel, das es um den angeblichen Mord Burrows am Bruder zu lösen gilt.

Solide inszeniert, aber platte Dialoge
Dennoch reicht das durchweg solide inszenierte «Prison Break» nur bedingt an das Niveau anderer RTL-Formate wie etwa die Erfolgsserie «Dr. House» heran. Zu platt sind streckenweise die Dialoge, zu vorausschaubar die von Produzent Paul Scheuring angelegten Charaktere und Konfliktlinien. Wenn Weiße und Schwarze sich auf dem Gefängnishof mit zusammengebastelten Messern den Rassen-Krieg erklären, überrascht das ebenso wenig wie die Figur des korrupt-sadistischen Oberaufsehers namens Brad Bellick (Wade Williams).

Angst und Schrecken verbreiten zudem zwei weitere Bösewichte, wie sie im Buche stehen: Mafioso Abruzzi (Peter Stormare) und der zum Teil doch arg überzeichnete Rassist, Mörder und Vergewaltiger T-Bag (Robert Knepper). Und auch eine sich anbahnende Romanze darf innerhalb der Gefängnismauern nicht fehlen: Scofield und die Gefängnisärztin Sara Tencredi (Sarah Wayne Callies) entwickeln bald mehr als nur Sympathie füreinander. Den Publikumstest längst bestanden hat «Prison Break» in den USA, wo im Herbst bereits die dritte Staffel laufen soll. Jeweils knapp zehn Millionen schalten dort nach RTL-Angaben seit Beginn der Ausstrahlung vor zwei Jahren ein. Unter den 18- bis 34-Jährigen gilt sie gar als beliebteste Drama-Serie. Mit einer Doppelfolge immer donnerstags ab 22.15 Uhr will RTL auch die deutschen Zuschauer in den Bann des Gefängnis-Alltags ziehen.

Viele ehemalige Häftlinge am Set
Viel Wert hat die Produktionsfirma Fox Television offensichtlich auf die Echtheit der Darstellung gelegt: So wurde «Prison Break» nicht nur in der schaurigen Kulisse des heute stillgelegten «Joliet»-Gefängnisses für Schwerverbrecher in der Nähe von Chicago gedreht.

Am Set selbst arbeiteten auch viele ehemalige Häftlinge und sogar der Gefängnisdirektor aus Prison Break» Henry Pope alias Schauspieler Stacey Keach kann im realen Leben auf eine, wenn auch kurze Gefängniskarriere zurückblicken: 1984 wurde der heute 66-Jährige beim Kokainschmuggel in Großbritannien erwischt und landete dafür sechs Monate hinter Gittern. (Daniela Pegna/AP)