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«Ich spiele am liebsten harte Kerle»

23. Apr 2007 12:48
Mark Wahlberg
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In seinem neuen Film «Shooter» verkörpert Mark Wahlberg einen Elitescharfschützen. Patrick Heidmann traf den Ex-Rapper zum Gespräch über Gewalt und peinliche Jugendsünden.

Die Jugend von Mark Wahlberg war geprägt von Gewalt und Drogen. Ein Wunder eigentlich, dass der US-Star nicht im Gefängnis gelandet ist. Nach der relativ kurzen, aber erfolgreichen Karriere als Rapper unter dem Künstlernamen Marky Mark und einem Intermezzo als muskelbepackter Werbestar für den Klassiker unter den weißen Unterhosen von Calvin Klein, spielte der 35-Jährige sich mit Filmen wie «Boogie Nights» und «The Departed» über die Jahre still und heimlich in die erste Riege der Hollywoodstars.

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  • In seinem jüngsten Projekt «Shooter» gibt Wahlberg mal wieder seine liebste Rolle, den ganz harten Kerl. In dem Action-Thriller mimt er den Elitescharfschützen Bob Lee Swagger, der den Anschlag auf den US-Präsidenten verhindern soll. Der Auftrag entpuppt sich jedoch als Falle, das Staatsoberhaupt wird erschossen und Swagger zum Hauptverdächtigen.

    Es gab in Ihrer Jugend Zeiten voller Gewalt und Wut. Haben Sie darauf für den ziemlich brutalen Film «Shooter» zurückgegriffen?

    Wahlberg: Es gab diese Zeiten tatsächlich, aber für «Shooter» musste ich nicht unbedingt auf meine Erfahrungen von damals zurückgreifen. Ich spiele ja einen letztlich sehr stoischen Charakter. Aber ich konnte die Erinnerungen an die Wut gut gebrauchen für andere Filme, für «Jim Carroll – In den Straßen von New York» etwa oder zuletzt auch für «Departed».

    Steckt von diesem wütenden jungen Mann noch etwas in Ihnen?

    Wahlberg in 'Shooter'
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    Wahlberg: Ja und nein. Ich bin aber mittlerweile ein äußerst optimistischer Mensch und versuche so positiv wie möglich zu sein. Bei uns stehen die Wahlen bevor und wir könnten dieses Mal Geschichte machen, mit der ersten Frau als Präsidentin oder dem ersten Schwarzen. Es sieht gut aus und so gelingt es mir nach wie vor, an das Gute zu glauben. Ich werde also nicht zur dunklen Seite überwechseln und nur noch darüber jammern, wie schlecht das Leben ist. An diesem Punkt war ich schon einmal, und ich möchte wirklich nicht dorthin zurück.

    Hat die Schauspielerei für Sie denn auch einen therapeutischen Aspekt?

    Wahlberg: Definitiv! Man schlüpft ja nun einmal in einen anderen Charakter und ein anderes Leben, da kann man einige persönliche Dämonen austreiben. Deswegen sind mir auch die Rollen am liebsten, in die man sich richtig mit Haut und Haaren reinarbeiten muss. Da werde ich dann fast eins mit meiner Figur, lebe das vom ersten Tag an aus und lasse am Ende alles hinter mir, ohne zurückzublicken. Das wird natürlich härter, je länger der Dreh ist. Aber für mich ist das die ideale Situation.

    Wann begannen denn die Dämonen zu verschwinden? Mit dem ersten Erfolg?

    Wahlberg: Nein, eher im Laufe der Jahre. Das Leben ist nun einmal ein Marathon, in dessen Verlauf man kontinuierlich reifer wird. Man lernt mehr über sich und das Leben und verändert sich dabei. Eine Zeitlang habe ich mich dagegen gesträubt, aber da steht man natürlich auf verlorenem Posten. Also versuche ich, diese Weiterentwicklung bewusst zu gestalten und zu genießen. Seit ich mir klar gemacht habe, dass Sieg und Niederlage immer Hand in Hand gehen, empfinde ich das Leben als viel angenehmer.

    Dass Sie als Jugendlicher Ihr Leben überhaupt veränderten, verdankten Sie vor allem Ihrem Bruder Donnie, der damals bei den New Kids On The Block sang, nicht wahr?

    Wahlberg: Ja, das kann man wohl sagen. Ohne ihn wäre ich heute sicherlich nicht hier, genauso wie ich auch dem Pfarrer unserer Gemeinde und einigen anderen Leuten sehr viel verdanke. Aber mein Bruder war es, der meine erste Platte finanzierte und produzierte, als ich damals aus dem Knast kam.

    Haben Sie die Zeit im Gefängnis als heilsamen Schock erlebt?

    Wahlberg: Die Erfahrung hat mich auf jeden Fall aufgeweckt. Im Gefängnis selbst ist man natürlich erst einmal mit der unmittelbaren Situation beschäftigt und versucht, dort so gut es geht zu überleben. Aber als ich wieder raus kam, hatte ich gelernt, dass ich nie wieder dort landen wollte.

    Zeigen Sie eigentlich gerne Gefühle? In «Shooter» wirken Sie wieder einmal ziemlich ernst.

    Wahlberg: Nun, in «Shooter» bin ich wohl tatsächlich so stoisch wie nie, das übertrifft ja sogar noch «Departed». Aber es gab auch viele Filme, in denen ich sehr emotional sein konnte, denken Sie an «Boogie Nights». In «Three Kings» habe ich sogar in jeder zweiten Szene geheult wie ein Baby. Und auch in «Der Sturm» habe ich einige Tränen vergossen. Generell spiele ich am liebsten harte Kerle, die auch ihre gefühlvolle Seite haben. Dazu habe ich einen besonderen Bezug, denn mein Vater ist ein sehr rauer Typ, der sich aber nicht scheut, auch mal zu weinen.

    Sie sind ziemlich religiös, nicht wahr?

    Wahlberg: Ja, Religion ist für mich das wichtigste. Auf einer Höhe mit Gott stehen nur noch meine Kinder. Meine Karriere kommt auf einer Liste der Wichtigkeit vermutlich erst an zehnter Stelle. Noch hinterm Golfspielen! Für mein Leben ist Gott jedenfalls von enormer Bedeutung. Ich bin mit der Kirche aufgewachsen und dann gab es ein paar Jahre, in denen ich mich davon entfernte und dachte, ich würde keine Religion brauchen. Aber ich habe schnell gesehen, wo mich das hinführt, also habe ich mich wieder neu auf meinen Glauben konzentriert. Und man sieht ja, wo mich das hingebracht hat.

    Und Ihre Kinder? Welchen Einfluss haben die auf Ihre Karriere?

    Wahlberg: Durch sie habe ich mich natürlich sehr verändert. Aber es ist auch hart, denn ich habe teilweise Film gedreht, die ich ihnen kaum vermitteln kann. Dabei mache ich mir noch nicht einmal so viele Gedanken um die ganze Gewalt. Bis sie alt genug sind, Filme wie «Shooter» zu sehen, werden das künstliche Blut und die Waffen ohnehin veraltet und albern aussehen. «Boogie Nights» dagegen macht mir schon mehr Sorgen, denn Sex ist bei Kindern doch noch einmal ein ganz anderes Thema. Aber hoffentlich mache ich meinen Job gut und werde ihnen beibringen, was richtig und was falsch ist, und entsprechende moralische Grundwerte vermitteln, bevor sie all das sehen. Und dann werden sie mich letztlich wohl ohnehin nur auslachen, weil sie mich lächerlich finden!

    Wie werden Sie denn erklären, dass Sie in den Neunzigern Ihr Buch «Marky Mark» Ihrem Geschlechtsteil widmeten?

    Mit dem Ex-Model Rhea Durham hat Wahlberg zwei Kinder
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    Wahlberg: Oh Gott! Ich hoffe, ich werde jedes einzelne Exemplar eingesammelt und verbrannt haben, bevor sie je davon erfahren. Meine Güte, ich habe schon ziemlich viel dummes Zeug gemacht! Es ist aber auch gemein: ich bin sicher, dass mein Vater auch viel Unsinn getrieben hat in seiner Jugend, aber er muss sich dafür nicht rechtfertigen, denn anders als bei mir ist es eben nicht in Zeitungen und auf Film dokumentiert. Da bin ich wirklich schlecht dran.

    Schämen Sie sich denn im Rückblick für solche Sachen?

    Wahlberg: Nein, ich kann darüber lachen. Als ich mich anfangs bemühte, als Schauspieler ernst genommen zu werden, war einiges davon natürlich hinderlicher Ballast, den ich am liebsten aus jedermanns Gedächtnis löschen wollte. Aber heute gehört das einfach zu mir. Zumal mich das Wissen, trotz aller Widrigkeiten diese Hürden überwunden zu haben, ziemlich stolz macht.

     
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