netzeitung.deMichael Moore auf der dunklen Seite der Macht

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Michael Moore (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Michael Moore
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Spätestens seit «Fahrenheit 9/11» ist Michael Moore eine Legende des Dokumentarfilms. Zwei Filmemacher haben jedoch die unangenehme Seite des Mythos kennenlernen müssen.

Michael Moore ist für Dokumentarfilmer so etwas wie ein Gott, schließlich hat er mit Filmen wie «Bowling for Columbine» und «Fahrenheit 9/11» das bisher als Kassengift verschrieene Genre dem Mainstream zugänglich gemacht und hatte zudem ein neues Protestkino geschaffen. Anlass genug für das Filmemacher-Ehepaar Debbie Melnyk and Rick Caine («Junket Whore») eine Dokumentation über ihr Idol zu drehen. Allerdings verliefen die Dreharbeiten ganz anders als erwartet.

«Manufacturing Dissent» (Die Herstellung zu Dissens) heißt das Ergebnis und darin gehen die Filmemacher Moores Methoden auf den Grund. Der Film gibt Einblicke in die Arbeitsweise des Regisseurs und bringt Unerwartetes ans Licht. Das ist ernüchternd, auch wenn Moore schon früher unsaubere Arbeitsweisen vorgeworfen wurden. Vor allem aber wirkt die Dokumentation am Ende so wie ein Moore-Film, da sich der Oscar-Gewinner ähnlich verhält wie die, die er sonst mit der Kamera verfolgt hat.

Melnyk und Caine begleiteten Moore 2004 auf seiner «Fahrenheit 9/11»-Werbereise durch Schulen. Dabei ist immer wieder zu sehen, wie Moore Interviews abblockt. Auf den Spuren ihres Idols reiste das Paar aus Toronto auch in dessen Heimat Daison (Michigan), besuchte Moores High School und zeichnete seine frühen Tage in Politik und Journalismus nach. Mehr als zwei Jahre arbeiteten sie an dem Film.

Nachdem die Filmemacher mehr als vier Monate erfolglos versucht hatten, mit Moore zu sprechen, hätten sie beschlossen, sich dem Regisseur von der anderen Seite zu nähern und seine Arbeitsweise zu verfolgen. Sie seien zwar immer noch Fans des Regisseurs und hätten eine Menge gelernt, doch seien sie auch «ein bisschen desillusioniert und enttäuscht von Michael», so Caine.

Eine nonfiktionale Film-Revolution
Moore hat sich bisher nicht zu «Manufacturing Dissent» geäußert. «Michael wird sich nie dazu äußern, weil es dem Film Beachtung schenken würde», erklärt sich Melnyk die ausbleibende Reaktion. «(Präsident) Bush hat nicht auf 'Fahrenheit 9/11' reagiert, und er hatte auch seine Gründe dafür», zieht Caine einen provokanten Vergleich.

«All diese Filme 'Super Size Me', 'An Inconvenient Truth - Wir alle schwimmen in seinem Kielwasser», heißt es dann aber wieder versöhnlicher. «Es läuft eine nicht-fiktionale Film-Revolution, und wir sind alle seine Nutznießer. Das allein rechtfertigt es, ihn zu feiern.»

«Fahrenheit 9/11» war im Jahr 2004 gestartet und hat seitdem rund 119 Millionen Dollar eingespielt. Beim Filmfestival in Cannes gewann die Dokumentation über den «Anti-Terror-Krieg» der Bush-Regierung die Goldene Palme. (nz)