netzeitung.dePresseschau: «Wir sind Oscar»

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Szene aus 'Das Leben der Anderen' (Foto: Archiv<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Szene aus 'Das Leben der Anderen'
Foto: Archiv
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit der Verleihung eines Oscars an Florian Henckel von Donnersmarck hat Deutschland Anschluss an den globalen Filmmarkt gefunden, meinen deutsche Leitartikler. Kritisch sehen sie, dass die Berlinale den Film ignoriert hat. .zwischentitel { font: bold 11px verdana, arial, helvetica, sans-serif; display: block; padding: 1px 3px 1px 3px; } «Handelsblatt»: Nicht frei von Ironie Dass ausgerechnet die Academy diese politische Arbeit Donnersmarcks anerkennt, ist nicht frei von Ironie. Denn im eigenen Land hat die ansonsten selbstverliebte Berlinale als wichtigstes Filmfestival in Deutschland dem Regisseur die Anerkennung versagt. Vielleicht ist es leichter, systemkritische politische Filme aus China auszuzeichnen als die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Das gilt vielleicht auch für die amerikanische Jury. Doch wen stört das noch? Heute jubelt ganz Deutschland. Wir sind Oscar. «Die Welt»: Das ist eine Zäsur «Erstmals empfängt damit ein deutscher Film höchste internationale Anerkennung, der sich nicht im weiteren Sinne mit der Nazi-Diktatur auseinandersetzt. Das ist eine Zäsur, die man gar nicht überschätzen kann. Ganz offensichtlich ist die internationale Bereitschaft gewachsen, das Filmland Deutschland nicht nur in seinen braunen Vergangenheitslinien wahrzunehmen. Zum anderen wird mit dieser Oscar-Preisvergabe den Helden der Wende von 1989 internationale Reverenz erwiesen - und damit ein anderes Deutschlandbild akzeptiert, das einer gelungenen Revolution.» «Westfalenpost»: An globalen Filmmarkt angeschlossen «Deutschland hat inzwischen den Anschluss an den globalen Filmmarkt gefunden. Das liegt an den Menschen, die vor und hinter der Kamera die Produktionen entstehen lassen. Das liegt aber auch an einem gesellschaftspolitischen Umfeld, das es im wiedervereinigten Deutschland ermöglicht, historische Themen ebenso selbstbewusst wie verantwortungsvoll in Drehbücher zu packen. Und ganz offenkundig haben inzwischen die Menschen in anderen Ländern auch ein Interesse an deutschen Befindlichkeiten in historischem Kontext.» «Kölnische Rundschau»: Sensation «Dass Florian Henckel von Donnersmarck als erster Filmemacher der Oscar-Geschichte gleich mit dem Debütspielfilm zum Sieg in seiner Sparte stürmte, gilt zu Recht als Sensation. Dennoch ist dies kein Zufallstreffer. Zum dritten Mal in Folge kam eher kammerspielhaftes Polit-Drama aus Deutschland in die Endrunde. Offenbar goutiert auch Hollywood momentan ein Kino, das nicht wie ein optisches Überfallkommando über sein Publikum herfällt, sondern intelligent die große Politik in privaten Dramen spiegelt.» «Schweriner Volkszeitung»: Aktueller Bezug «Die Geschichte eines Stasi-Offiziers, der in der Beobachtung des Lebens anderer sein eigenes Leben auf den Prüfstand stellt, geht über die Aufarbeitung jüngerer deutscher Geschichte hinaus. Die Mitglieder der amerikanischen Filmakademie, die trotz starker Konkurrenz für den deutschen Film votierten, dürften Parallelen zu den Anti-Terror-Gesetzen des Patriot Act gezogen haben, der unter anderem heimliche Überwachungsmaßnahmen in den USA erlaubt.»

«Handelsblatt»: Nicht frei von Ironie
Dass ausgerechnet die Academy diese politische Arbeit Donnersmarcks anerkennt, ist nicht frei von Ironie. Denn im eigenen Land hat die ansonsten selbstverliebte Berlinale als wichtigstes Filmfestival in Deutschland dem Regisseur die Anerkennung versagt. Vielleicht ist es leichter, systemkritische politische Filme aus China auszuzeichnen als die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Das gilt vielleicht auch für die amerikanische Jury. Doch wen stört das noch? Heute jubelt ganz Deutschland. Wir sind Oscar.
«Die Welt»: Das ist eine Zäsur
«Erstmals empfängt damit ein deutscher Film höchste internationale Anerkennung, der sich nicht im weiteren Sinne mit der Nazi-Diktatur auseinandersetzt. Das ist eine Zäsur, die man gar nicht überschätzen kann. Ganz offensichtlich ist die internationale Bereitschaft gewachsen, das Filmland Deutschland nicht nur in seinen braunen Vergangenheitslinien wahrzunehmen. Zum anderen wird mit dieser Oscar-Preisvergabe den Helden der Wende von 1989 internationale Reverenz erwiesen – und damit ein anderes Deutschlandbild akzeptiert, das einer gelungenen Revolution.»
«Westfalenpost»: An globalen Filmmarkt angeschlossen
«Deutschland hat inzwischen den Anschluss an den globalen Filmmarkt gefunden. Das liegt an den Menschen, die vor und hinter der Kamera die Produktionen entstehen lassen. Das liegt aber auch an einem gesellschaftspolitischen Umfeld, das es im wiedervereinigten Deutschland ermöglicht, historische Themen ebenso selbstbewusst wie verantwortungsvoll in Drehbücher zu packen. Und ganz offenkundig haben inzwischen die Menschen in anderen Ländern auch ein Interesse an deutschen Befindlichkeiten in historischem Kontext.»
«Kölnische Rundschau»: Sensation
«Dass Florian Henckel von Donnersmarck als erster Filmemacher der Oscar-Geschichte gleich mit dem Debütspielfilm zum Sieg in seiner Sparte stürmte, gilt zu Recht als Sensation. Dennoch ist dies kein Zufallstreffer. Zum dritten Mal in Folge kam eher kammerspielhaftes Polit-Drama aus Deutschland in die Endrunde. Offenbar goutiert auch Hollywood momentan ein Kino, das nicht wie ein optisches Überfallkommando über sein Publikum herfällt, sondern intelligent die große Politik in privaten Dramen spiegelt.»
«Schweriner Volkszeitung»: Aktueller Bezug
«Die Geschichte eines Stasi-Offiziers, der in der Beobachtung des Lebens anderer sein eigenes Leben auf den Prüfstand stellt, geht über die Aufarbeitung jüngerer deutscher Geschichte hinaus. Die Mitglieder der amerikanischen Filmakademie, die trotz starker Konkurrenz für den deutschen Film votierten, dürften Parallelen zu den Anti-Terror-Gesetzen des Patriot Act gezogen haben, der unter anderem heimliche Überwachungsmaßnahmen in den USA erlaubt.»