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Jude Law und Cameron Diaz in 'Liebe braucht keine Ferien' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Jude Law und Cameron Diaz in 'Liebe braucht keine Ferien'
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Liebe braucht keine Ferien» heißt Hollywoods diesjährige Weihnachtskomödie. Und sie ist ein Ärgernis, selbst wenn man bereit ist, über den üblichen Schmus hinweg zu sehen. Einziger Lichtblick ist der Auftritt eines 91-jährigen Recken.

Von Sophie Albers

Es gibt diese Legende von einem berühmten Hollywoodproduzenten, der eines Nachts vom perfekten Filmplot träumte. Halb im Schlaf griff er zum Stift und krakelte im Dunkeln aufs Papier, um dieses Wunder festzuhalten. Als er am nächsten Morgen erwachte und aufgeregt nach dem Zettel griff, las er enttäuscht die drei Worte: «boy meets girl» (Junge trifft Mädchen).

Seit den Anfängen von Hollywood wird dieses Thema alljährlich hunderte Male variiert. Und immer wieder begeistert sich das Publikum für die kleineren und größeren Liebesgeschichten, denn schließlich, so die lukrative Vermutung, hofft doch jeder darauf, irgendwann den Partner fürs Leben, die verwandte Seele, zu treffen. Also fühlten sich Regisseurin Nancy Meyers («Was Frauen wollen», «Was das Herz begehrt») und das Studio United Universal Pictures wohl auf der sicheren Seite, als sie «Liebe braucht keine Ferien» schufen. Weit gefehlt...

Die Amerikanerin Amanda (Cameron Diaz) und die Engländerin Iris (Kate Winslet), beide von der Liebe enttäuscht, tauschen in der Weihnachtszeit ihr Heim. Amanda landet in einem Natursteinhaus im verschneiten Surrey, Iris in der sonnendurchfluteten Villa mit 25-Meter-Pool in Los Angeles. Ohne Männer, die Rückbesinnung auf sich selbst als Ziel, wollen sie das Alleinsein in der Fremde genießen. Doch natürlich, auch so eine filmgeprüfte Wahrheit, trifft einen die Liebe häufig gerade dann, wenn man sie aufgegeben hat. Für Amanda ist das Iris' Bruder Graham (Jude Law), für Iris der Filmkomponist Miles (Jack Black). Und da nimmt die Tragödie ihren Lauf.

Völlige Fehlbesetzung
Das Publikum wird nun Zeuge wie Hollywoods strahlend-perfekte Lieblinge in Person von Law und Diaz um einander werben und einander verfallen, festgehalten in den altbekannten ebenso strahlenden wie perfekten Bildern, denen jede Kante des wahren Lebens fehlt, was Meyers nicht einmal zu kaschieren versucht.

Dem gegenüber stehen die Übriggebliebenen, und mir fällt gerade kein anderer Film ein, in dem einem das so deutlich vor Augen geführt worden wäre: Die starke wie intelligente Winslet kriegt den Freak, und das ist genauso lieblos gefilmt wie der Partner gewählt wurde. Verzeihen Sie, Mr. Black, aber in einer romantischen Komödie sind Sie komplett fehlbesetzt.

War Blacks Eigenartigkeit in «King Kong» noch passend, wirkt hier der Rahmen zu eng für sein überdrehtes Schauspiel. Die Auftritte des Komikers, der sich wie auch Winslet hin und wieder zu fragen scheint, warum er eigentlich für diesen Film unterschrieben hat, wirken zuweilen sogar verkrampft. Und dann fällt es ihm wieder ein: Ach ja, das Geld.

Kurz gesagt «Liebe braucht keine Ferien» ist so platt, dass der Zuschauer tatsächlich merkt, wie er für dumm verkauft wird, und das ist ein unverzeihliches Sakrileg des Kinos.

Urgestein Hollywoods
Meyers' Rettung vor Teer und Federn oder auch Schlimmerem ist eine kleiner Strang der Nebenhandlung, und der ist von so fragiler Schönheit, dass eigentlich jedem Filmschaffenden hätte klar sein müssen, dass hier die Haupthandlung des ganzen Films liegen sollte: Iris hilft in den Straßen von Beverly Hills einem alten Mann mit Gehhilfe, der die Orientierung verloren hat. Sie freunden sich an, und es stellt sich heraus, dass sie es mit einem Drehbuchschreiber aus den Goldenen Jahren Hollywoods zu tun hat, im Film Arthur Abbott genannt.

Unterschätzter Geniestreich des Castings ist, dass der von niemand Geringerem gespielt wird als Elie Wallach, der einst tatsächlich mit Clark Gable, Marilyn Monroe und Yul Brunner vor der Kamera stand.

Dieses Urgestein des Filmmekkas («Die glorreichen Sieben», «Der Pate») gibt dem Film im Zusammenspiel mit der begabten Winslet, die manchmal fast wütend gegen Meyers meschuggene Geschichte anspielt, zumindest ein Gefühl davon, was Kino sein könnte, wenn man den kurzen Weg über das gebleckte Lächeln von Diaz und Law verlässt. Aber dazu hat den Machern offensichtlich der Mut gefehlt.