22.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Am Set von 'Spielverderber': Axel Schreiber, Jana Pallaske, Robert Stadlober, Anna Brüggemann und Claudius Franz (l-r)
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Engagierte Filmprojekte in Deutschland haben es finanziell schwer und müssen oft fast ohne Förderung auskommen. Doch nun ist es einem Berliner Regisseur gelungen, Stars zu buchen, ohne eine Cent dafür zu bezahlen.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) brachte die Situation für Filmemacher in Deutschland unlängst auf den Punkt: Der deutsche Film sei inhaltlich zwar «sehr erfolgreich», aber die Rahmenbedingungen für das Wirtschaftsgut Film seien «nach wie vor schlecht». Neben der klassischen Filmförderung gebe es keine zusätzlichen Anreize, die man anbieten könne, um Produktionen in Deutschland zu stärken, klagte der CDU-Politiker.
Vor dem von Neumann beschriebenen Problem stand auch der Berliner Regisseur und Drehbuchautor Wolfgang Eißler. Eigentlich dürfte es gar keine Dreharbeiten zu seinem Film «Spielverderber» geben, denn er erlebte, was viele andere ambitionierte Nachwuchsfilmer auch erleben - er bemühte sich um Geld für sein Projekt, aber bekam kaum welches. Zumindest nicht so viel, um problemlos einen 90-Minüter zu produzieren.
Drehen bis zum frühen MorgenEißler hatte aber Glück. «Ich drehe meinen ersten Abend füllenden Kinofilm und darf das mit Schauspielern wie Robert Stadlober («Crazy», «Verschwende deine Jugend») und Jana Pallaske («Baader», «alaska.de») machen, die ich bisher nur als Kinobesucher kannte und auf der Leinwand angehimmelt habe», sagt der 35-jährige der «Berliner Zeitung». Und er darf das, ohne dass die Schauspieler auch nur einen Cent bekommen. Das Budget sei so niedrig, dass die Schauspieler und einige andere im Team völlig ohne Honorare arbeiten, erzählt Eißler. Andere bekämen gerade so viel, dass sie ihre Miete und die Beiträge zur Krankenversicherung zahlen könnten.
Die Akteure, das sind neben Pallaske und Stadlober die Jungstars Anna Brüggemann(«Kleinruppin Forver») und Axel Schreiber («Türkisch für Anfänger»). 28 Tage stehen sie in Berlin vor der Kamera. Ohne zu murren nehmen sie die Drehtage in Kauf, die manchmal erst am frühen Morgen enden. Und das mit großer Begeisterung.
Regisseur als «Obersympath» Stadlober beschreibt die Umstände als «außergewöhnlich». Doch er «unterstütze den Film, weil mir das Drehbuch so gut gefallen hat», zitiert ihn die Zeitung «Die Welt». Axel Schreiber geht es «nicht so ums Geldverdienen», wie er sagt. «Meine Priorität ist Spaß im Leben.» Und den habe er beim Spielen.
Auch Anna Brüggemann hat das Drehbuch überzeugt. Die Geschichte des Films habe «so viel Herz», sagt sie. Die «Liebe zum Leben» ist das, was sie begeistere. Jana Pallaske sieht das ähnlich und macht dafür dem Regisseur ein Kompliment. Er sei ein «Obersympath», für den das Team auch schon mal zehn Stunden am Set warte, ohne zu murren.
Hommage an BerlinEißlers Film ist eine Hommage an Berlin. Er selbst spricht von einer «Liebeserklärung an die Stadt», weil man hier «schön Abhängen» kann. Das erleben in seinem Film auch die vier Twentysomethings Tom (Stadlober), Malte (Schreiber), Mitsch (Claudius Franz) und Margarete (Jana Pallaske). Es geht um die Probleme und Problemchen junger Menschen. Um Freundschaft. Um Liebeskummer. Um Selbstzweifel und Zukunftsängste. Aber vor allem geht es um Berlin mit all seinen Ecken und Kanten.
Das ist auch das, was Regisseur Eißler an der Metropole fasziniert. «Hier treffen viele verschiedene Gruppen mit demselben Grundbegehren aufeinander», erläutert er dem «Tagesspiegel». Menschen, die die komplette Freiheit suchen und diese in der lauten, schnellen Hauptstadt zu finden hoffen.
Kinostart: Sommer 2007 Was Eißler beschreibt, soll auch sein Film ausdrücken. Das hat allerdings kaum einen Förderer überzeugt. Eißler erklärt sich das so, dass der Humor von «Spielverderber» zwar bei 20- bis 25-Jährigen richtig gut ankomme. Diejenigen, die über Förderungen entscheiden, seien aber «oft über 50 und können damit nicht viel anfangen». So erwiesen sich also die potentiellen Förderer - nomen est omen - nachgerade selbst als Spielverderber.
Eißler stört das nicht mehr. Er ist froh, zusammen mit einer Hand voll Jungstars an seiner Liebeserklärung für Berlin basteln zu können. Bis Anfang September wird der Low-Budget-Film noch gedreht. Im Sommer 2007 soll der Streifen in die deutschen Kinos kommen. (nz)