netzeitung.deDer Terrorist vor dem Kino

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Oliver Stones 'World Trade Center' (NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Oliver Stones 'World Trade Center'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wegen des in London aufgedeckten Terrorplans soll die Werbung für den Film «World Trade Center» reduziert werden - Was natürlich letztlich die beste Werbung ist.

In ihrer Wirkung mindestens befremdlich ist am Freitag eine Agenturmeldung aus Los Angeles: Nach den Meldungen von Donnerstagmorgen über einen Terror-Plan, bei dem es ums Sprengen von Flugzeugen auf dem Weg von London in die USA geht, wollen die Geschäftsführer der Paramount Pictures die Werbung für den diese Woche in den USA gestarteten Film «World Trade Center» reduzieren, heißt es.

Wer weiter liest, erfährt, dass sie allerdings gerade einmal darüber nachgedacht haben. Man wolle die Reaktion des Publikums abwarten, denn Oliver Stones Drama über zwei beim Einsturz der Türme verschüttete Polizisten, sei durch die Geschehnisse auf der anderen Seite des Atlantiks doch eigentlich nur «noch schmerzlicher».

Dann folgen Zahlen: 4,4 Millionen Dollar habe der am 9. August angelaufene «World Trade Center» bisher eingespielt und damit die Erwartungen des Studios schon übertroffen. Und: Die vereitelten Anschläge würden die Aufmerksamkeit für den Film über die vor fünf Jahren in die Tat umgesetzten noch erhöhen. Sind die gerade noch verhinderten Anschläge also gut für die Kasse? - Das ist spätestens hier eine Frage, die man dem Autoren gerne stellen möchte.

Sicherer Weg ins Kino
Doch der dreht noch weiter auf und lässt Kinokassen-Beobachtern und Branchenkenner zu Wort kommen, die das Kinopublikum offenbar beruhigen sollen, dass sie trotz der allgegenwärtigen Bedrohung guten Gewissens ins Kino gehen können: «'World Trade Center' war nie als eskapistische Unterhaltung gedacht. Warum sollten die Leute angesichts der aktuellen Ereignisse wegbleiben?», sagt Paul Dergarabedian, Chef von Exhibitor Relations.

Und der Weg zum Lichtspielhaus sei doch auch sicher: Nachdem die Regierung die Warnstufe erhöht habe und die Nachrichten sich auf den Terrorplan konzentrieren, könnten die Leute beschließen, am Wochenende zuhause zu bleiben. «Ich vertraue den Zuschauern. Wir fühlen uns auf unserem eigenen Boden noch immer sehr sicher auf dem Weg ins Kino», so Dergarabedians beruhigende Worte.

Danke für die Werbung
Und womit endet der Text? Mit der Internetadresse des Films und dem Hinweis, dass eine «höhere Prozentzahl als normal» von Menschen, die ihn gesehen haben, ihn ihren Freunden weiterempfehlen würden.

Mehr Werbung hätte sich Paramount nicht wünschen können. (nz)


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