«Southland Tales» verwirren Cannes
22.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Was hat sich Festivalleiter Thierry Frémeaux dabei nur gedacht? Der Film «Southland Tales» stammt zwar von «Donnie Darko»-Regisseur Richard Kelly und ist mit «Buffy»-Star Sarah Michelle Gellar und Dwayne «The Rock» Johnson Popcornkino-karätig besetzt, markierte für viele Kritiker aber schon zur Hälfte des Filmfestivals in Cannes den Tiefpunkt des diesjährigen Wettbewerbs.
«Southland Tales» spielt im Jahr 2008 in Los Angeles. Nach diversen Anschlägen befinden sich die USA in einem Dauerkrieg gegen ihre nicht genauer identifizierten Feinde. In diesem Wirrwarr versucht sich eine kleine Gruppe von Non-Konformisten, gegen den Druck von oben zu wehren und schneidet gleich erstmal hunderten von Menschen die Fingerkuppen ab, um den Ausgang der bevorstehenden, digital erfassten Wahlen mit Hilfe dieser Fingerabdrücke zu beeinflussen.
Für ausreichend Witz oder Ernst, um dem Film eine Richtung zu geben, sorgen aber auch die beiden nicht, es wird eher traurig: «Wissenschaftler sagen, dass die Zukunft noch futuristischer sein wird, als sie einst vorhergesagt hatten», sagt Gellar als Porno-Star und TV-Show-Host beispielsweise in einem ihrer fragwürdig-hellen Momente.
Regisseur Kelly sieht darin durchaus einen tieferen Sinn: «Ich wollte zeigen, wie komplex die Wirklichkeit ist», so Kelly. «Wir leben in einer Welt, in der Stars und Politik immer enger miteinander verzahnt sind.» Sein Film sei wie ein Puzzle gemeint, bei dem die Teile mit Humor zusammengesetzt werden könnten. Das war aber nicht nur den Zuschauern, sondern scheinbar auch seinen Darstellern gar nicht so klar. «Ich habe die Geschichte nicht völlig verstanden», gab The Rock zu. «Ich habe Kelly aber total vertraut.»

