Ausgangspunkt des Filmes ist ein von der Weltöffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommener, aber von vielen Türken noch heute als demütigend empfundener Vorfall im Irak, der sich als «Sack-Affäre» in das Bewusstsein der Nation eingegraben hat. Damals, im Juni 2003, wurden türkische Soldaten von den eigentlich befreundeten Amerikanern festgenommen und aus türkischer Sicht nicht anders behandelt als die Gefangenen im US-Gefängnislager Guantánamo. Im Film schleudert Polat dem Bösewicht Sam Marschall, dargestellt von Billy Zane - Kinogängern aus «Titanic» mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet bekannt - einen solchen Sack ins Gesicht, bevor er ihn später umbringt.«Was ist schlecht daran, einen guten Action-Film zu sehen, in dem einmal die Amerikaner die schlechtere Rolle haben?», fragt der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu, der die Begeisterung türkischer Jugendlicher auch in Deutschland durchaus nachvollziehen kann. Bisher seien stets Araber die Finsterlinge gewesen. Bei «Tal der Wölfe» sei es umgekehrt. «Hier wird Vergeltung auf der Leinwand geübt.» Nicht nur Zaimoglu ist der Meinung, dass der Film auch eine Ventilfunktion hat. «So wie sich Amerika nach der Niederlage in Vietnam durch die 'Rambo'-Filme erleichtert fühlte, so verschafft uns dieser Film Erleichterung», sagte Mehmet Gül, ein ehemaliger Vorsitzender der türkischen Grauen Wölfe, der Zeitung «Vatan».
Doch der Film ist nicht nur Vergeltung für die Schmach, die die elf türkischen Soldaten im Irak erleiden mussten. Er ist gespickt mit Gräueltaten gegen eine irakische Hochzeitsgesellschaft und authentischen Folterbildern aus dem berüchtigten US-Gefängnis Abu Ghraib. «Es ist eigentlich ein Film für alle, die [den US- Präsidenten George W.] Bush hassen», meinte ein türkischer Fernsehkommentator. So möchte am liebsten auch Necati Sasmaz beurteilt werden: «Es ist kein Film gegen Amerika, es ist ein Anti-Kriegsfilm.» (dpa)