Woody Allen wird 70 - und erfindet sich neu
Auch von Altersweisheit keine Spur: «Ich würde alle meine Fehler noch einmal machen.» Was andere für den größten Fehler seines Lebens halten, ist für ihn selbst allerdings «mit das Beste, was mir je widerfahren ist»: die Ehe mit der ehemaligen Adoptivtochter Soon-Yi. Das Bekanntwerden des Liebesverhältnisses mit der 35 Jahre jüngeren Koreanerin hatte 1992 seine langjährige Beziehung mit der Schauspielerin Mia Farrow zerstört und seinem Ruf schwer geschadet.
Doch alle, die ihn näher kennen, bestätigen, was er selbst von sich behauptet: «Es hat mich nie im Geringsten interessiert, was die anderen sagen.» Er tue, was er für richtig halte. Punkt. Im Beruf genießt er dabei Vorrechte, die in der von Zwängen geprägten amerikanischen Filmbranche beispiellos sind: Niemand redet ihm in seine Filme hinein, er bestimmt alles - vom Drehbuch bis zur Regie. «In seinem eigenen Kosmos ist er praktisch allmächtig», sagt Barbara Kopple, die eine Filmdokumentation über Allen gedreht hat hat.
Allan Stewart Konigsberg, so sein richtiger Name, hatte schon im jungen Alter eine sehr genaue Vorstellung von seinem Leben. Bereits als 16-jähriger Schüler lieferte er jeden Nachmittag 50 bis 60 Witze an Klatschkolumnisten. Die gingen dann so: «Vor zwei Wochen habe ich ein sehr gutes Beispiel von oraler Empfängnisverhütung erlebt. Ich habe ein Mädchen gefragt, ob sie mit mir ins Bett gehen will, und sie sagte nein.»
Doch auch wenn er sagt, dass er mit den Komödien, die heute im Kino Erfolg haben, nichts anfangen könne - «Ehrlich gesagt, das meiste davon ist für mich nur Zeitverschwendung und einfach nicht komisch.» - ist seine Zeit weder vorbei noch ist er fertig mit dem Filmemachen. Mit seinem neuen Werk «Match Point» hat Allen sich mal eben neu erfunden. (nz/dpa)

