«Sophie Scholl» in New York
11.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Julia Jentsch ist zum ersten Mal in New York. Sie sitzt in einem Studio in der Nähe des Empire State Building und lässt sich für einen Fototermin frisieren. Es ist schon dunkel, und draußen heult die unvermeidliche Polizeisirene. Die Hauptdarstellerin aus «Sophie Scholl - Die letzten Tage» ist hier, um den Film dem US-Publikum vorzustellen. Die ersten Reaktionen haben sie überrascht: «Die Leute hier beziehen das ganz schnell auf sich. Eine Frau hat mir gleich gesagt: «Das ist doch gar nicht weit weg - wir hier müssen auch für die Rechte eintreten, die wir errungen haben.»
Rothemund erhofft sich nach eigenen Worten nichts: «Wir haben nach der Uraufführung bei der Berlinale 20 Minuten Standing Ovations bekommen - das war genug Belohnung für alle.» Aber seine Augen glänzen doch, wenn er über die Aufnahme des Films in New York und Los Angeles spricht: «Das ist wirklich das erste Land, wo so viele Leute gleich auf mich zukommen und sagen: «Ich hoffe, dass das viele junge Amerikaner sehen werden.» Nicht, um deutsche Geschichte zu lernen, sondern um Sophie Scholl zu erleben. Das hat mit Sicherheit auch mit der derzeitigen politischen Situation hier zu tun, wo ein religiöser Präsident unter falschem Vorwand in den Krieg gezogen ist.»
Rothemund reist schon das ganze Jahr durch die Welt, um den Film zu promoten: Japan, China, Korea, Israel, Polen und Argentinien waren nur einige Stationen. Er hat dabei die Erfahrung gemacht: «95 Prozent der gesamten Planetenbevölkerung gehen davon aus, dass alle Deutschen Nazis und Mörder waren, dass es keinen einzigen gab, der Widerstand geleistet hat. Das haut einen um.»
Schon bei der letzten Oscar-Vergabe war Deutschland mit einem Film über die Nazizeit - dem «Untergang» - vertreten. Kommerziell waren die letzten Tage Hitlers noch wesentlich erfolgreicher als die letzten Tage Sophie Scholls, was Rothemund ärgert: «Diejenigen, die sich im «Untergang» am Bösen ergötzt haben, sollten sich doch jetzt auch mal die andere Perspektive von sehr normalen jungen Deutschen ansehen.» (dpa)

