09.07.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Glücklicher Levy
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Sechs Mal hat Dani Levys «Alles auf Zucker!» am Freitagabend die Goldene Lola gewonnen. Dazu hat Wim Wenders gesungen, Marie Bäumer getanzt und «Der Untergang» wurde abgestraft.
Die Verleihung des 55. Deutschen Filmpreises in Berlin begann am Freitagabend mit einer Rechtfertigung. Fast zehn Minuten lang sprachen die Präsidenten der Deutschen Filmakademie, Senta Berger und Günter Rohrbach, und die Kulturstaatsministerin Christina Weiss vom «neuen Selbstbewusstsein» des deutschen Films, von Bedenken, die pariert worden seien und der «strengen» Kritik und den vielen Erwartungen an die Filmakademie, die in diesem Jahr erstmals die Nominierten und Preisträger benannt hat. Dani Levys Siegeszug mit «Alles auf Zucker!» sorgte dann allerdings doch noch für eine entspannte Veranstaltung.
Und dann gab es auch noch den Moderator Michael «Bully» Herbig, Deutschlands erfolgreichsten Fernseh- und Kinokomiker. Dessen Aufwärmwitze verreckten zwar auf halber Strecke zum Publikum, doch als die Show dann lief, kehrte sein in Deutschland so geliebter Charme doch noch zurück. «Was für'n Hammer, Sie sehen heute Abend alle so gut aus. Hallo Frau Elsner, ich bin fast schon scharf.»
Es folgten Tipps für die Nominierten: Wer leer ausgehe, solle seinen Ärger nicht schlucken, sondern fluchen und prügeln: «Wir brauchen Emotionen. Hallo Herr Eichinger, schön, dass Sie trotzdem da sind.»
Schlöndorff, Schweiger, BrühlFast alle waren sie in die Berliner Philharmonie gekommen: Neben den großen Alten des deutschen Films wie Maximilian Schell und Reinhard Hauff, der mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet wurde, saßen die üblichen Verdächtigen von Volker Schlöndorff über Katja Riemann, Til Schweiger bis Hannelore Elsner. Der Nachwuchs war vertreten durch Julia Jentsch, August Diehl, Jessica Schwarz, Daniel Brühl. Iris Berben war da, Natalie Wörner, Otto Sander, die Thalbachs, Corina Harfouch und all die anderen bekannten Gesichter aus Film und Fernsehen. Abgesagt hatte unter anderem «Gegen die Wand»-Regisseur Fatih Akin.
Während Berger in einem wundervoll schlichten roten Kleid fast ein bisschen wie eine deutsche Sophia Loren daherkam, erinnerte die wie immer breit grinsende Heike Makatsch an Goldie Hawn, Iris Berben in ihrer Eleganz an Grace Kelly. Doch waren diese Blicke nach Hollywood eben auch ein Problem des Abends: «Die Akademien fangen an, sich zu gleichen», sagte Maximilian Schell, der die Laudatio für den Besten Dokumentarfilm hielt und fand das positiv. «Wir sollten die Academy nicht nachmachen», auf Grund der Leistungen des deutschen Films können «wir uns bequem zurücklehnen», konterte eine streitbare Marie Bäumer, die den Namen des Besten Kameramanns verkünden durfte, sehr ernsthaft und fast ein wenig schnippisch.
Multipler OrgasmusDoch all das Konkurrenzdenken und die Angst vor einer Akademie als «Wahlverein für die Branchengrößen um den Münchner Produzenten Bernd Eichinger» schienen vergessen, als Dani Levys insgesamt zehn Mal nominierte Komödie «Alles auf Zucker!» über den Abend verteilt sechs Goldene Lolas abholte. Angefangen mit dem Preis für das beste Drehbuch, den sich Levy mit Holger Franke teilt: Schreiben sei für ihn «wie ein multipler Orgasmus eingebettet in Depressionen», sagte Levy in den ihm zustehenden 45 Sekunden Danksagung. «Ich möchte allen schönen Menschendarstellern danken, wie der Führer sagen würde.»
Das war der erste Hitler-Witz des Abends, denn dass «Der Untergang» nicht einen einzigen Preis erhielt, schien für Belustigung zu sorgen. Es folgte Bully, der in einem Filmchen über die Planung der Zeremonie mit den Worten: «Die fetten Jahre sind vorbei. Es folgt der Untergang Teil zwei» mit zwei Fingern auf der Oberlippe ins Wasser hüpfte und schließlich Henry Hübchen, der sich für die Goldene Lola für den Besten Hauptdarsteller (auch «Alles auf Zucker!») mit den Worten bedankte: «Ich habe Hitler geschlagen. Das ist toll!» und großes Gelächter erntete. «Es war nicht einfach, aber wir haben es geschafft. So ein kleiner verkappter Kommunist hat Hitler geschlagen. Jawoll!»
Als Dani Levy dann auch noch die Lola für die Beste Regie abholen durfte, kippte er erstmal brüllend zur Seite: Er wisse auch nicht, warum ausgerechnet sein siebter Film so erfolgreich sei. «Vielleicht haben Filme Karma.» Auf jeden Fall hätte es «Alles auf Zucker!» ohne die sechs Vorgänger nicht gegeben. Für den Preis für den Besten Film bedankte sich die Produzentin Manuela Stehr, Levy hüpfte auf und ab und küsste wild um sich.
«Sing' ich halt woanders»Die Gala endete mit einem eher überflüssigen Liedchen von Herbig, der zwischen Silberglitter und Tänzerinnen das Bühnentreppchen herabschritt. Beste Gesangsdarbietung des Abends war die von Wim Wenders gewesen, der in roten Schuhen und mit Flügeln am Revers seines Anzugs die Laudatio für die Beste Filmmusik hielt. Doch ließ das Publikum Wenders' brüchiges «Musik liegt in der Luft» verpuffen: «Sing' ich halt woanders», so der Regisseur, dessen für die Beste Kamera nominierter Film «Land Of Plenty» leer ausging.
Es folgte die Party, die sich im Foyer der Philharmonie zwar etwas verlief, doch harrten die Stars und Sternchen trotzdem lange aus. Gläser gingen zu Bruch, die Musik wurde später etwas besser, und auch Marie Bäumer hatte noch Spaß, als sie sich in ihrem Pastellflatterkleidchen über die Tanzfläche wirbeln ließ.