27.08.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Daryl Hannah in "Blade Runner"
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der «Guardian» hat 60 Wissenschaftler über den besten Science-Fiction-Film abstimmen lassen. Bei Ridley Scotts «Blade Runner» waren sich alle einig.
Guten Science-Fiction erkenne man daran, dass die erfundene Welt nicht völlig abwegig erscheint, dass zumindest die Möglichkeit bestehe, dass aus der Fiktion irgendwann einmal Realität werden könne, heißt es. Um herauszufinden, welche filmische Vision der Zukunft denn nun die beste ist, hat die britische Zeitung «Guardian» Menschen, die einen Ausblick haben auf das, was kommt, befragt. Eine Gruppe von internationalen Forschern durfte den Science-Fiction-Film wählen, der sie am meisten beeindruckt hat.
«Blade Runner» von Ridley Scott sei der beste Film, der je gemacht wurde, sagt der Stammzellenforscher Stephen Minger vom Kings College London. Dem Urteil schlossen sich auch die Kollegen an. Die düstere Vision von einem Leben, in dem Menschen sich nicht mehr von Androiden unterscheiden und «Blade Runner» Harrison Ford nach den «falschen» Menschen sucht, die man an ihren Erinnerungen erkennt, komme in vielen Dingen dem nahe, womit Forscher heute experimentieren, meint Chris Firth vom Institute of Cognitive Neuroscience in London. Der Film von 1982 basiert auf der Kurzgeschichte «Träumen Androiden von elektrischen Schafen?» von Philip K. Dick, die 1968 veröffentlicht wurde.
Auch Stanley Kubricks Klassiker «2001: Odyssee im Weltraum» ist unter Forschern beliebt. Die Wissenschaftler lobten vor allem Kubricks kühne Darstellung der menschlichen Evolution. Den dritten Platz teilen sich die ersten beiden Teile der «Star Wars»-Trilogie von George Lucas. Das sei jedoch weniger mit wissenschaftlichem Interesse als mit purer Begeisterung zu begründen.
Der Alltag im AllDas fiese Monster «Alien» aus dem Jahr 1979 schaffte es auf den vierten Platz. Weltraum-Physiologe Kevin Fong freut sich hier vor allem über die Darstellung des alltäglichen Lebens und Arbeitens im All. Allerdings sei wohl auch Sigourney Weavers Verkörperung der Ellen Ripley für die hohe Platzierung verantwortlich.
Andrei Tarkowskis «Solaris» landete auf Rang fünf, wobei die Wissenschaftler das Original von 1972 dem Remake von Steven Soderbergh aus dem Jahr 2002 mit George Clooney vorziehen. Unter die besten Zehn haben es auch die ersten beiden «Terminator»-Filme geschafft. Sie seien zwar völlig inkohärent, aber perfekt gemacht, so das Urteil. Filme über Zeitreisen seien allerdings nie schlüssig.
Unterhaltsamer UnsinnDer älteste Film der Liste belegt Platz sieben: «Der Tag, an dem die Erde stillstand» (1951). Der Klassiker von Robert Wise ist der Lieblingsfilm von «Beagle 2»-Projektleiter Colin Pillinger.
Die philosophischen Ergüsse der Wachowski-Brüder besetzen Platz neun. «Matrix» sei wissenschaftlich betrachtet zwar Unsinn, doch «es ist gute altmodische Unterhaltung ... zukünftige gute Jungs kämpfen gegen zukünftige böse Jungs», sagt Tak Mak, Biologe von der Universität Toronto.
Steven Spielbergs Botschaft «Wir sind nicht allein», die 1977 sein Science-Fiction-Werk «Unheimliche Begegnungen der dritten Art» verkündete, brachte ihm den zehnten Platz ein. Bei aller Unwahrscheinlichkeit, dass Außerirdische in einem Raumschiff ankommen, das aussehe wie ein umgedrehter Weihnachtsbaum oder dass sie ihr Kommen mit einem Jean-Michel-Jarre-Sound ankündigen, ein Klassiker, so Kevin Fong vom University College London. (nz)