24.08.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Bruno Ganz als Adolf Hitler
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Produzent Bernd Eichinger hat in Berlin seinen Film «Der Untergang» der Presse vorgestellt. Die letzten Tage im Führerbunker berührten viele - einige aber fanden das Drama sogar komisch.
Es war ein Angebot, wie es wohl nur einmal kommt: Die Rolle des Adolf Hitler in dem Kinofim «Der Untergang». Nein, eine «Traumrolle» sei der Part für ihn nicht gewesen. Aber «interessant genug ist es allemal», sagte Schauspieler Bruno Ganz in Berlin nach der Pressevorführung des zweieinhalbstündigen Films über die letzten zwölf Tage des Naziregimes.
Ganz, nach Angaben von Regisseur Oliver Hirschbiegel «Wunschkandidat» für den Film, habe sich in monatelanger Lektüre auf seine Rolle vorbereitet. Das sei auch die beste Vorbeugung gegen ein zu tiefes Abtauchen in die Abgründe des bereits schwer kranken Diktator gewesen.
«Ich lebe noch»Dennoch habe er für «Bruchteile» von Momenten auch Mitleid mit seiner Figur gehabt. «Ich hätte ihn sonst gar nicht spielen können», betonte der 63-jährige Charakterdarsteller («Der Himmel über Berlin»). Auch Corinna Harfouch, die mit Magda Goebbels ebenfalls eine schwierige Rolle angenommen hat, wehrte sich gegen zuviel Nähe zwischen ihrer Person und dem Filmcharakter.
Auf die Frage, wie sie denn die Darstellung der Frau, die im Führerbunker ihre sechs Kinder vergiften lässt, verkraftet habe, antwortete sie ruppig: «Ich lebe noch». Gleichzeitig sei der Dreh im komplett nachgebauten Führerbunker natürlich kräftezehrend gewesen, so Harfouch weiter. Die Sequenz zu drehen, in der sie die schlafenden Kinder vergiftet, sei eine Grenzerfahrung gewesen, die alle am Set zu Tränen gerührt habe.
«Der Untergang» beruht auf dem gleichnamigen Buch von Joachim Fest und auf den Erinnerungen «Bis zur letzten Stunde» von Hitlers Sekretärin Traudl Junge. Der Film schildert die letzten Tage des Nazi-Regimes in Berlin und von Hitler im «Führerbunker». Dabei werden historisch verbürgte Szenen nachgestellt und mit teilweise fiktiven Dialoge vermischt.
Ziel: WahrhaftigkeitJede Szene, so Drehbuchautor und Produzent Bernd Eichinger, habe er so «wahrhaftig» wie möglich erzählen wollen. Die Situation der Eingeschlossenen, die dennoch nicht aufgeben wollten, sei teilweise «grotesk» gewesen. Für ihn sei es wichtig gewesen, diese Geschichte, die ihn seit Jahrzehnten beschäftige, «von innen» heraus zu erzählen. «Meine Albtraumvorstellung war ein Film aus Hollywood, der uns per Import zeigt, wie es bei uns in den letzten Kriegstagen zugegangen ist», betonte er.
Neben viel Lob für die «kühle» Inszenierung, die fast ohne Kitsch auskommt, kamen aus dem Publikum auch kritische Stimmen: Die provokante Frage nach einer möglicherweise «amüsanteren» Inszenierung mit Hilfe von Eichingers Erfolgsregisseur Michael «Bully» Herbig à la «Traumschiff Führerbunker» ließ der Constantin-Chef allerdings unbeantwortet.
Budget über 13,5 MillionenDen Einwand des ebenfalls im Publikum anwesenden Regisseurs Christoph Schlingensief nach dem Genre des Streifens («Ist es ein Spielfilm? Ist es Guido Knopp?») nutzt Regisseur Oliver Hirschbiegel hingegen, um darauf hinzuweisen, dass man mit dem Film tatsächlich «Neuland» habe betreten wollen.
Das Budget des starbesetzten Dramas beträgt rund 13,5 Millionen Euro. Neben Ganz spielen unter anderen Alexandra Maria Lara (Traudl Junge), Corinna Harfouch (Magda Goebbels), Ulrich Matthes (Joseph Goebbels), Ulrich Noethen (Heinrich Himmler), Juliane Köhler (Eva Braun) und Heino Ferch (Albert Speer).
In den Kinos startet das zweieinhalbstündige Werk am 16. September.(nz)