22.07.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Michael 'Bully' Herbig und Christian Tramitz im '(T)Raumschiff'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der neue Film von Michael «Bully» Herbig hat von allem mehr: mehr Themen, mehr Technik, mehr Tamtam. Der Charme des Unfertigen ist dabei auf der Strecke geblieben. Aber Spaß macht das «(T)Raumschiff» trotzdem.
Es gibt Filme, die widersetzen sich einer kritischen Rezension. «(T)Raumschiff Surprise - Periode I» ist ein solcher. Denn vom heutigen Donnerstag an wird sich die Republik schlicht und einfach in zwei Lager spalten. Da sind die einen - und ihre Zahl ist nicht gering - die schon bei der Erwähnung von Begriffen wie «Vulcanette», bei Fragen wie «Glühst Du schon?» oder durch die Vorfreude auf die anstehende «Wahl der Miss Waikiki» kichern müssen.
Das sind auch die, die sich seit Monaten darauf freuen, von der Crew der «Surprise», jenem versprengtem Haufen irgendwo vom «Arsch des Welt» mit auf eine Reise durch die Zeit genommen werden. Und die auf die eine oder andere Art wahrscheinlich sogar mitgewirkt haben an dem Entstehen des ersten, so Regisseur Michael Herbig, «demokratisch gewählten Films der Kinogeschichte».
Entweder, indem sie Abenteuer von Schrotti, Spuck und Käpt'n Kork schon bei der erfolgreichen «Bullyparade» (ProSieben) goutiert haben.
Oder in dem sie sich an jener 13 Wochen währenden Publikumswahl beteiligten, bei dem im vergangenen Jahr ein Nachfolgefilm für «Der Schuh des Manitu» gesucht wurde. Den Film, der mit fast zwölf Millionen Zuschauern jenen 36-Jährigen, der sich wie in Kindertagen noch immer gerne «Bully» nennen lässt, zum erfolgreichsten deutschen Regisseur machte.
«Hei-hei-hei-ti-tei»Und ja, dann sind da eben noch die anderen. Die, die von der Mission der «Surprise», die immerhin die Welt retten soll, auch nach dem Kinostart an diesem Donnerstag allenfalls durch die Werbemaßnahmen erfahren werden. Da gibt es so einige: Bei McDonald's gibt es, erstmals für einen deutschen Film, ein Spezialmenü inklusive des so heiß geliebten «Käse-Sahne-Kuchens» des tuntigen Trios.
Die «Chic»-Chips, die Mr. Spuck alias Bully Herbig in seinem vom Supermacho Rock Fertig-aus (potent wie selten: Til Schweiger) gesteuerten Weltraumtaxi genüsslich verspeist, findet man, speziell beworben, demnächst auch als profane «Chio-Chips» wieder.
Und dann ist da noch der Titelsong «Space Taxi», den der unvermeidliche Stefan Raab mit einem ebenso eingängigen wie debilen Refrain «Hei-hei-hei-ti-tei» veredelt hat und sofort in der Top-Ten platzieren konnte. Mal ganz abgesehen von dem großen Werbebudget - mit 4,5 Milllionen Euro übrigens halb so groß wie die Gesamtkosten der neun Millionen Euro teuren Science-Fiction-Parodie.
Keine Details, bitte!Ja, es hängt also eine ganze Menge an jenem Film, dessen potentielles Publikum schon jetzt entschieden zu haben scheint, ihn ohne wenn und ohne aber einfach nur lieb zu haben. Sein harmoniesehnsüchtiger Macher - der die Journalisten bei der Pressevorführung bat, gerne alles zu schreiben, den Film aber bitte nicht zu verreißen, und schon gar nicht die Details zu verraten, weil die Fans doch sonst enttäuscht seien - wurde bei der Premiere denn auch erwartungsgemäß schwer umjubelt. Und tatsächlich lässt sich das «(T)Raumschiff» ja lieb gewinnen.
Sinnfrei und manchmal schönEtwa, wenn man die Trickspektakel einfach ignoriert, die den Bogen spannen um den Kampf zwischen Marsianer Lord Maul (Rick Kavanian, sonst als Schrotty zu sehen, in einer Doppelrolle als sächselnder Bösewicht im Darth-Vader-Stil) und Prinzessin Metapha (der etwas gouvernantenhaften Anja Kling). Dann kann im «(T)Raumschiff» das gefunden werden, was die bisher allenfalls zweiminütigen Episoden der «Bullyparade» auszeichnet: skurrile Komik, Slapstick, sinnfreie Parodien, schönste Wortspielereien und eine Zitatsammlung, die tief in die Populärkultur reicht.
Findige Köpfe haben in der «Periode 1» Anspielungen auf «Alien», «Men in Black», «Akte X», «2001», «Star Wars», «Independence Day», «Das fünfte Element» und mit gutem Willen auch «Shrek« entdeckt - mal ganz abgesehen von Mini-Splittern wie Til Schweigers Schwarzenegger-Cameo mit dem Satz »Ensalada mista, baby«. Ein wenig klaut Herbig gar bei sich selbst, in dem er bewährten Kräfte wie Sky Dumont (ebenfalls in einer, nun ja, schmierigen Doppelrolle zu sehen) erneut ihr Viertelstündchen einräumt.
Zum Schluss ist das natürlich alles ein bisschen viel: ein bisschen viel Zitat, ein bisschen viel Zote, ein bisschen viel Technik, und das auf eigentlich überschaubaren 87 Minuten. Einen 90-Minuten-Film habe er sich nicht zugetraut, so Michael «Bully» Herbig in einem seiner Interviews. Recht hatte er.