22. Mai 2004 20:39, ergänzt 21:21
Michael Moores Anti-Bush-Dokumentation «Fahrenheit 9/11» hat bei den Filmfestspielen in Cannes den Hauptpreis gewonnen. Es ist der erste Dokumentarfilm seit 50 Jahren, der diesen Preis bekommt.
Die Goldene Palme, der Hauptpreis bei den Filmfestspielen in Cannes, geht in diesem Jahr an den amerikanischen Dokumentarfilmer Michael Moore für seinen Film «Fahrenheit 9/11». In dem Film klagt Moore das Weiße Haus wegen seines Umgangs mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 an.«Fahrenheit 9/11» ist der erste Dokumentarfilm seit fast 50 Jahren, der die Goldene Palme bekommt. Moore zeigte sich völlig überrascht. «Was haben Sie getan, ich bin total überrumpelt, merci», rief er Publikum und Jury zu.
Den sogenannten Großen Preis, den zweitwichtigsten des Festivals, erhielt der Südkoreaner Park Chan-Wook für seinen Film «Old Boy», einen blutigen Thriller, über einen Mann, der sich für eine jahrelange unerklärliche Gefangenschaft rächen will. Die US-Schauspielerin Irma P. Hall, die in «The Ladykillers» von den Cohen Brüdern zu sehen war, wurde mit dem Preis der Jury geehrt, desgleichen der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul für «Tropical Malady», seinen schweigsamen Film über eine Wanderung durch den Urwald.
Zum Besten Schauspieler wurde Yagira Yuuya aus Japan gekürt, zu sehen in «Nobody Knows» als ältester von vier isoliert aufwachsenden Brüdern, der die Verantwortung für die Familie übernehmen muss. Von den Schauspielerinnen gefiel der neunköpfigen Jury unter dem Vorsitz von Quentin Tarantino am Besten Maggie Cheung aus China, zu sehen in «Clean». Sie spielt eine Drogenabhängige, die versucht, ihr Leben wieder in den Griff und das Sorgerecht für ihr Kind zurück zu bekommen.
Die Goldene Palme für den besten Kurzfilm ging an «Trafic» von Catalin Mitulescu aus Bukarest. Der Belgier Jonas Geirnhart wurde für «Flatlife» mit dem Preis der Kurzfilm-Jury ausgezeichnet. Zum besten Erstlingswerk wurde der israelische Film «Mon trésor» von Keren Yedaya gekürt.
Der Regie- und der Drehbuchpreis wurden an Franzosen vergeben. Tony Gatlif erhielt den Preis für die beste Regie für seinen Film «Exils», ein Roadmovie über eine Reise von Frankreich nach Algerien. Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri wurden für ihre Gesellschaftssatire «Comme une image» mit dem Drehbuchpreis geehrt. Der Film beschreibt das Leben einer übergewichtigen jungen Frau, die sich von ihren Angehörigen vernachlässigt fühlt. (nz)