netzeitung.deCary Grants dunkle Seiten

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Cary Grant (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Cary Grant
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Alle, die mit ihm zu tun hatten, waren von ihm fasziniert: Ein in Cannes vorgestellter Dokumentarfilm versucht nun, Licht in das Dunkel hinter der strahlenden Fassade Cary Grants zu bringen.

«Jeder möchte Cary Grant sein. Sogar ich selbst möchte Cary Grant sein.» Mit diesen Worten beschrieb der vor 100 Jahren als Archie Leach geborene Hollywood-Star das Mysterium, das er für die Menschen in seiner Umgebung darstellte. Seine Filmpartnerin Leslie Caron bezeichnete ihn als «Rätsel, das in ein Geheimnis verpackt ist».

In Cannes wurde nun ein Dokumentarfilm gezeigt, der die geheimnisvolle Verpackung aufzuwickeln versucht: «Cary Grant: A Class Apart». Robert Trachtenberg, der Regisseur, vermutet hinter dem selbstgeschaffenen Mythos lässigen Charmes ein dunkles Geheimnis, das aus der Kindheit Grants in Bristol stammt. Als der Neunjährige eines Tages nach Hause kam, war seine Mutter verschwunden. Erst Jahre später fand er heraus, dass sie in eine Nervenheilanstalt verbracht worden war.

Grant schloss sich einer Akrobatentruppe an und ging nach New York, wo er es über den Broadway nach Hollywood schaffte. Obwohl er die Leute am Set zum Lachen brachte, war doch immer zu spüren, dass sich hinter der leuchtenden Fassade ein Abgrund verbarg.

Daran erinnert sich auch Leslie Caron, die mit Grant in der «Der große Wolf ruft» («Father Goose») zusammengearbeitet hatte. «Es gab da ein dunkles, schmerzhaftes Geheimnis. Er hatte eine wirklich schwierige Kindheit. Ich glaube, er schuf die Figur Cary Grant, um damit fertig zu werden», sagte sie in einem Interview, das sie während der Filmfestspiele in Cannes gab.

Der Regisseur der Dokumentation glaubt ebenfalls, dass die entscheidende Motivation Grants gewesen sei, nicht zurück in die elenden Bristoler Verhältnisse zu müssen. «Er passte immer sehr gut auf sein Geld auf, und er kontrollierte sehr genau den Grad, in dem er sich der Presse und Öffentlichkeit preisgab», sagte Trachtenberg.

Psychoanalyse und LSD
Um sich seinen dunklen Seiten zu stellen, habe Grant sich der Psychoanalyse bedient - und LSD genommen. Das erzählte die ebenfalls in Cannes anwesende Witwe Grants, Barbara, die 47 Jahre jünger ist als ihr Mann. «Er fand wirklich, dass Analyse und LSD ihm halfen, einige seiner Dämonen auszutreiben», sagte sie. «Die Droge war legal zu der Zeit, da er sie benutzte. Dank ihr konnte er einigen seiner Probleme ins Gesicht sehen.»

Auch Barbara hat eine Erklärung für die mysteriöse Aura, die Cary Grant umgab: «Wir alle hoffen, der werden zu können, der wir sein wollen. Und vielleicht war er darin einfach viel erfolgreicher als wir.»

In der Dokumentation, der Dame Helen Mirren die Erzählerstimme leiht, kommen auch Cary Grants Filmpartner Eva Marie Saint und Martin Landau zu Wort. Grant, der in mehr als siebzig Filmen mitspielte - darunter «Arsen und Spitzenhäubchen», «Charade» und Alfred Hitchcocks «Der unsichtbare Dritte» - war 1986 im Alter von 82 Jahren gestorben. (nz)