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Disney blockiert neuen Michael-Moore-Film

05. Mai 2004 12:21
Michael Moore vor der Botschaft von Saudi-Arabien in Washington
In «Fahrenheit 9/11» bringt Michael Moore den US-Präsidenten mit der Familie von Osama bin Laden zusammen. Auf dem Weg ins US-Kino hat der Streifen nun Probleme.

Dokumentarfilmer und Buchautor Michael Moore hat in den Vereinigten Staaten Probleme. Sein neuer Film «Fahrenheit 9/11», der die Zeit kurz vor und nach Terroranschlägen vom 11. September 2001 analysiert, hat Schwierigkeiten, in die US-Kinos zu kommen. Der Dokumentarstreifen, der auch eine kritische Analyse der (finanziellen) Beziehungen zwischen der Familie von US-Präsident George W. Bush und prominenten Saudis (unter anderem die Familie von Osama bin Laden) enthält, darf von der Verleihfirma Miramax derzeit nicht vertrieben werden.

Wie die «New York Times» am Mittwoch berichtet, hat die Mutterfirma Disney es ihrer Tochter Miramax untersagt, den Streifen in die Kinos zu bringen. Eine solche Entscheidung ist in bestimmten Fällen möglich, etwa, wenn der Film eine Altersbeschränkung von NC-17 (nur für über 17-Jährige) bekommen hat, oder aber, wenn der Verleih eines Films den Interessen des Konzerns entgegenlaufe.

In Europa keine Probleme

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Miramax, die in den neuen Film von Moore investiert hat, sieht in diesem Fall jedoch keinen der intern vereinbarten Gründe zutreffen. Ein Sprecher von Miramax: «Wir diskutieren das Thema mit Disney. Wir schauen uns alle unsere Möglichkeiten an und hoffen, dass wir den Konflikt freundschaftlich lösen». Disney wiederum habe bereits signalisiert, hart bleiben zu wollen und «Fahrenheit 9/11» den Verleih in Nordamerika zu verweigern.

Der Film sollte im Sommer in die US-Kinos kommen. Nach Europa ist er bereits verkauft.

Michael Moores Agent deutete gegenüber der «New York Times» den Hintergrund der Entscheidung an: Disney fürchte, so Ari Emmanuel, um Steuererleichterungen seiner Themenparks, Hotels und anderer Unternehmen im Bundesstaat Florida, in dem George W. Bushs Bruder Jeb Gouverneur sei.

Disney-Chef Michael D. Eisner habe Moore, so die «New York Times», schon vor Monaten nahegelegt, aus der Partnerschaft mit Miramax auszusteigen. Eine These, die von Disney wiederum bestritten wird.

Moore gibt sich empört

Wahrscheinlicher und auch etwa weniger «verschwörungstheoretisch» sei es, so die NYT, dass der Disney-Konzern die klare politische Richtung des Films nicht mit seiner eigenen, familienfreundlichen und überparteilichen Grundrichtung vereinen könne.

Das Branchenblatt «Variety» vermutet nun, dass die politisch motivierte Entscheidung der Mutterfirma zu einem Machtkampf zwischen Disney-Konzernchef Michael Eisner und Miramax-Chef Harvey Weinstein werden könnte.

Moore selbst, der mit seinem Film «Bowling for Columbine» in Europa einen Riesenerfolg landete und auch Nordamerika 22 Millionen Dollar eingespielt hatte, ist für seine klaren, oft polemischen Stellungnahmen bekannt.

Sein Buch «Stupid White Men», eine Kritik der Bush-Regierung, ist ebenfalls ein weltweiter Bestseller.

Bald auch in Cannes zu sehen

Die jüngsten Wirrungen um seinen neuen Film nutzte er denn auch zu einem Statement:

«Irgendwann muss man sich fragen: Darf so etwas einer freien und offenen Gesellschaft passieren, wo offenbar finanzielle Interessen darüber entscheiden, was die Menschen sehen sollen oder nicht?»

Ein größeres Publikum bekommt «Fahrenheit 9/11» in der kommenden Woche erstmals zu sehen: Der Film ist Wettbewerbsbeitrag beim Filmfest von Cannes. (nz)


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