The Passion of the Christ: 

netzeitung.deEric Till: «'Die Passion Christi' ist überraschend hohl»

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Eric Till (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eric Till
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eric Till, Regisseur des letztjährigen Erfolgsfilms «Luther» hatte große Erwartungen an Mel Gibsons Jesus-Film. Doch die seien enttäuscht worden, sagte er der Netzeitung.

Da ich im wesentlichen Privatperson bin, war ich immer geneigt, meinen Glauben an Jesus Christus für mich zu behalten. Deshalb habe ich immer mit ziemlich großer Ehrfurcht solche Menschen betrachtet, die weniger ängstlich oder engagierter sind als ich. Und so hatte ich große Erwartungen an Mel Gibsons Film.

Ich wusste, dass ich mit einem leidenschaftlichen und persönlichen Porträt der letzten Stunden im Leben Jesu konfrontiert werden würde und erwartete eine Verherrlichung der Hoffnung und Erlösung, die Jesus darbringt. Ich habe auch erwartet, von seinem Leiden berührt zu werden - doch ich war es nicht.

Es bereitet gewaltige Schwierigkeiten, ein modernes Publikum dazu zu bringen, den Geist des Mittelalters zu verstehen. Das Verhalten und den Glauben der Menschen von damals zu erklären, kann zu einem ermüdenden Drama werden und die Empfindsamkeiten von Filmverleihern verstören.

Das Kino hat immer komplexe Themen vereinfacht und die visuelle Dynamik mehr betont als die verbale. Im Falle Jesu schwächt dies jedoch seine Beredsamkeit und Überzeugungskraft. Das kann zu einem unwiederbringlichen Verlust und zur Schwächung des Verständnisses dieses Mannes führen. Dass der Dialog im Film in Aramäisch und Latein gehalten ist, hat uns noch weiter von ihm entfernt. Bedauerlicherweise hatte ich nie das Gefühl, diesen Jesus kennen zu lernen oder seine Größe zu spüren. Das mangelnde Charisma des Hauptdarstellers kam erschwerend hinzu.

Völlig unvorbereitet traf mich die barbarische Machart des Films und die nicht nachlassende Brutalität. Nicht, dass ich mich nach dem parfümierten Christentum von Filmen wie «Das Gewand» oder «Die zehn Gebote» sehne oder nach himmlischen Chören, die mir von einer göttlichen Gegenwart erzählen. Aber besonders schwer zu schaffen machten mir die Kreuzigungs- und Geißelungsszenen, die mich noch weiter von dem Mann entfernten, den ich doch eigentlich preisen wollte. So verstörend waren die drastischen Bilder.

Jeder Filmregisseur hat schon zugunsten des dramatischen Effekts an der Geschichte herumgedoktert, doch der menschliche, leidende Pontius Pilatus war eine merkwürdige Offenbarung. Ich dachte, die Geschichtsschreibung hätte ihn eindeutig als blutrünstigen Menschen dargestellt, der Jesus gerademal fünf oder sechs Minuten seiner Zeit schenkte, bevor er ihn wieder seinen Häschern übergab. Dieser im Film vom Gewissen gequälte Pilatus war kaum die Horrorgestalt, deren Behandlung der Juden sogar den römischen Kaiser Tiberius erschütterte.

Warum bringt der Film Menschen aus der Fassung? Vielleicht, weil er nicht die religiöse Erfahrung vermittelt, die sie sich erhofft haben. Sondern sie empfanden ihn eher bedrückend denn belebend. Der Film ist überraschend hohl. Man kommt heraus und fühlt sich leer und unerfüllt. Und man spricht über die falschen Dinge.

Etwas muss man Herrn Gibson jedoch zu Gute halten. Die Leute sehen seinen Film und sprechen über ihn und sein Thema. Es braucht Mut, so kühn seine Fehler zu offenbaren, zu zeigen, wo man sein Herz trägt, und wo man steht.

Eric Tills «Luther»
Eric Tills «Luther» kam im Oktober vergangenen Jahres in die Kinos. Anders als bei Gibsons umstrittener Produktion «Die Passion Christi» hatte die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) sich selbst an der Vermarktung des Films beteiligt. «Vielleicht ist der Film eine Möglichkeit, die protestantische Botschaft einer neuen Gruppe nahezubringen«, sagte damals der EKD-Sprecher.

In den USA spielte die deutsche Produktion «Luther» verhältnismäßig gute 5,6 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: «Die Passion Christi» hatte bereits am Eröffnungs-Wochende die 80 Millionen überschritten. Allerdings gelang dem Film über den Reformator der erfolgreichste Start eines deutschen Films in US-Kinos im Jahr 2003. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass «Luther» mit 400 Kopien in die Kinos kam, «Passion Christi» mit 4000. In Deutschland war «Luther» mit drei Millionen ein Publikumserfolg in der Größenordnung von «Die fabelhafte Welt der Amélie».