netzeitung.deWalt Disney in der Bleistift-Krise

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'Findet Nemo' vs. 'Schneewittchen' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Findet Nemo' vs. 'Schneewittchen'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Weil das Publikum angeblich lieber 3-D-Animationen als den klassischen, handgezeichneten Zeichentrick-Stil sieht, kürzt Walt Disney heftig Personal.

Am Montag verlieren laut einem US-Pressebericht rund 260 Walt-Disney-Zeichner ihre Arbeit.

Wie der «Orlando Sentinel» meldet, schließt der Unterhaltungskonzern ein Trickstudio in Orlando, Florida. Die betroffenen Zeichner waren unter anderem für Filme wie «Bruder Bär» und «Lilo & Stitch» verantwortlich. Einige werden möglicherweise nach Burbank in Kalifornien verlegt, so der Bericht.

Im Zuge der Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre hatte Disney bereits Studios in Tokio und Paris geschlossen. Insgesamt wurden mehr als 700 Angestellte entlassen, darunter auch 50 Animatoren aus Orlando. Außerdem sei das Gehalt der Zeichner um bis zu 50 Prozent gekürzt worden.

Schwerpunkt verlagern
Als erstes Anzeichen dafür, dass möglicherweise auch das Studio in Orlando dem Sparzwang zum Opfer fallen könnte, wurde die Tatsache gewertet, dass Disney die Arbeit am einzigen, dort anstehenden Projekt, den Film «A Few Good Ghosts», gestoppt hat.

Zeichner des Studios sagten der Zeitung, dass Disney seinen Schwerpunkt auf computeranimierte Filme verlagern wolle - weg von traditionellen, handgezeichenten Filmen wie «Cinderella» und «Fantasia». Zwar habe auch das Studio in Orlando bereits einige Szenen am Computer erstellt, doch die Hauptarbeit sei immer noch mit dem Bleistift erledigt worden, heißt es weiter. Für einen Zeichentrickfilm in Spielfilmlänge sind rund eine Million Zeichnungen nötig.

Vorbild «Nemo»
Gegen komplett-animierte Filme wie «Findet Nemo», mit rund 260 Millionen Euro der erfolgreichste Film des vergangenen Jahres, hätten größtenteils handgezeichnete Filme wie «Bruder Bär», der nur 65 Millionen eingespielt hat, obwohl er 78 Millionen Euro gekostet hat, keine Chance. «Bruder Bär» war der erste Film, den Disney komplett in Orlando hat herstellen lassen.

Disneys Trick-Chef David Stainton sagte der Zeitung: «2-D ist nicht tot.» Ob ein Trickfilm erfolgreich sei oder nicht, hänge weniger von der Technologie als von Charakteren und der Geschichte ab, findet auch der US-Filmkritiker Harry Knowles.

Zum Beispiel spielte Sonys «Final Fantasy», der weltweit für seine realistische 3-D-Animation gelobt worden war, gerade mal 25 Millionen Euro ein. Dagegen sei der auch in Orlando gefertigte «Lilo & Stitch» mit rund 114 Millionen Euro ein Kinokassenerfolg gewesen.

Offener Streit bei Disney
Das Unternehmen hat sich zu dem Bericht bisher nicht geäußert.

Bereits im vergangenen Dezember war es in Disneys Führungsetage wegen der angeschlagenen finanziellen Situation des Unternehmes zum offenen Streit gekommen. Einer der Gründe soll die schlechte Zusammenarbeit Disneys mit der 3-D-Animations-Firma Pixar gewesen sein. (nz)