netzeitung.de«Ich kenne da eine Abkürzung»

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Hugh Grant in 'Tatsächlich Liebe' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hugh Grant in 'Tatsächlich Liebe'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Tatsächlich Liebe» will von Herzensdingen erzählen. Doch hat sich der Regisseur von «Vier Hochzeiten und ein Todesfall» dafür trotz 130 Minuten einfach zu wenig Zeit genommen.

«Tatsächlich Liebe» ist ein Film, der einen auf den ersten Blick dazu bringen kann, Menschen zu kontaktieren, die man eigentlich tief im Bunker seines Herzens verstaut hat: verflossene, unglückliche, verschmähte Lieben, die man an manchen Tagen sogar vergisst, die einem aber trotzdem noch einen Stich versetzen können.

Doch wenn man sich selbst von diesen Illusionen zerstörenden Anrufen und SMS abhalten kann und einen zweiten Blick auf Richard Curtis' Film wagt, wird das knallige Rot der Liebe, die Thema von acht Episoden ist, ein wenig blass. Denn anders als bei seinem erfolgreichen Vorgänger »Vier Hochzeiten und ein Todesfall« hatte der Regisseur diesmal anscheinend zu wenig Zeit.

Wenn der Stiefvater den kleinen Sam auf der obligatorischen Jagd zum Flughafen, um der Auserwählten noch die Liebe zu gestehen, bevor sie nach Amerika entschwindet, zur Beruhigung sagt «Ich kenne eine Abkürzung», beschreibt er damit das Programm des Films. Sicher wünscht sich jeder Mensch die Gerade zwischen zwei Punkten, wenn es um die Erfüllung von Liebeswünschen geht. Aber dabei sind es doch gerade die Geschichten der Umwege, die man sich später erzählt, wenn Langeweile aufzukommen droht.

Wie man es sich eben vorstellt
Vor allem Colin Firth hat die geradezu fade Rolle eines Schriftstellers, der sich in seiner einsamen Villa in Südfrankreich in seine portugiesische Putzfrau verliebt und nur wieder nach Hause nach London fährt, um kurz darauf zum Flughafen zu hetzen, zu ihr zu fliegen und der Frau einen Heiratsantrag zu machen. Der unglücklich verliebte, elfjährige Sam ist beängstigend in seiner Sicherheit und Altklugheit. Und die verkannte Sexmaschine Colin fliegt einfach nach Milwaukee, um dort mit vier schönen, willigen Amerikanerinnen ins Bett zu steigen - eben genau so wie er sich das im verregneten London vorgestellt hat.

Wärme bringt in die vielen eher künstlich wirkenden Liebesbande der alternde Popstar Billy Mack (Bill Nighy), dessen beste Zeit definitiv vorbei ist. Doch nachdem er wild fluchend eine Weihnachtsversion von «Love Is All Around» aufgenommen hat, entscheidet er sich am Ende für den Menschen, den er am meisten verletzt hat.
Stehlampe Hugh Grant
Auch das Lächeln auf seiner Seite hat natürlich Hugh Grant, der bei dieser Art von Filmen zur Innenausstattung gehört wie eine Stehlampe. Er gibt diesmal den britischen Premier und hat neben einem Disko-Auftritt in der Downing Street Number 10 und ein bisschen Geraschel mit wichtigen Papieren nichts Besseres zu tun, als den amerikanischen Präsidenten zu beleidigen, der seiner Angebeteten zu nahe getreten ist. Das ist auch noch auf den zweiten Blick lustig. Aber vielleicht ist «Tatsächlich Liebe» einfach ein Film, bei dem man eben nur ein Mal hingucken sollte. (nz)