«24» - Ende im Nichts
29. Sep 2003 16:27
 | Kiefer Sutherland als Jack Bauer | Foto: ddp |
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Am Sonntag endete die erste Staffel der TV-Realtime-Serie «24». Einfach so. Alle Fragen bleiben offen. Auch die, wann es weitergeht.
Keine Ankündigung, kein dramatischer Countdown, keine abschließende Erklärung. Am Sonntag endete mit der gefeierten TV-Realtime-Serie «24» der längste Tag im Leben des Anti-Terror-Agenten Jack Bauer. Einfach so. Im Nichts.
Der Agent mit der Handtuch-Foltermethode und seine Entourage haben in knapp 24 Stunden dem Präsidentschaftskandidaten David Palmer zwei Mal das Leben gerettet, Bauers Frau und Tochter wurden ein paar Mal entführt, und am Ende sind die Bösen überall - nach ihrer Enttarnung als Counteragentin schreit Bauers Kollegin Nina Myers: «Lasst mich am Leben, sonst erfahrt ihr nicht, wer wirklich hinter all dem steckt.» Der schießfreudige serbische Kriegsverbrecher Victor Drazen und seine Söhne sind zwar tot, doch damit die Hintermänner auch wieder nur im Irgendwo verschwunden.Neben diesem unbefriedigenden, von Anfang an auf eine Fortsetzung ausgerichten Ende bleiben die Ungereimtheiten, die dem Zuschauer das Finale versauerten. Zum Beispiel: Warum haben die Sub-Bösen, Drazen und Gaines, in Kauf genommen, dass Jack den «Maulwurf» Nina erschießt. Wieso wird Bauer plötzlich zum Actionhelden und erledigt im Hafen mit bescheidener Ausrüstung Drazen und unzählige Helfer. Was passiert mit André Drazen? Nur sehr aufmerksame Zuschauer haben seine Leiche überhaupt neben der seines Vaters auf den Planken liegen sehen. Fehlte da was?
Frage des Senders
Ja, und das liegt unter anderem am Schnitt. Denn nicht-Abendprogramm-kompatible Szenen (d.h. FSK-Freigabe erst ab 16 Jahren) wurden getilgt und haben die 24 Stunden nochmals reduziert. Und das geht auf das Konto des Senders RTLII, um die Serie zur Primetime beginnen lassen zu können.Nach Angaben von RTLII lief die Serie in der Wiederholung nach 22 Uhr ungeschnitten. Nur: Gab es darauf irgendwo einen Hinweis?
Immer wieder «Frauentausch»
Unerträglich waren die Werbepausen und vor allem die Sender-Eigenwerbung. Total entnervt von Trailern zu «Fame Academy», «Frauentausch» und Ähnlichem war es unmöglich, wegzuschalten, um nicht den Anschluss zu verpassen. Wie soll das nur mit der zweiten Staffel werden?
1,6 Millionen Zuschauer
Trotzdem sahen im Durchschnitt rund 1,6 Millionen Zuschauer Jack Bauer zu, wie er seine 24 Stunden überstand, ohne zu essen oder aufs Klo zu gehen. Nach Zahlen des Senders verschaffte «24» RTLII überdurchschnittliche 8,6 Prozent Marktanteil unter den 14- bis 49-Jährigen. Ob die Zuschauer noch einmal die Schnitt- und Werbetechnik des Senders ertragen müssen, ist noch nicht geklärt: «Die RTL-Group besitzt die Rechte an der zweiten Staffel», sagte RTLII-Sprecher Hannes Gräbner der Netzeitung. Sie werde entweder bei RTL oder bei RTLII zu sehen sein. Wann das sein wird, entscheide sich in den nächsten Tagen und Wochen. «Sollten die Rechte an RTLII fallen, wird zeitnah ausgestrahlt.» Hoffentlich nicht. Oder wie ein User des Sender-Internet-Forums schrieb: «Man sollte auf die DVDs warten.»(nz)
Für das Web ediert von Sophie Albers