netzeitung.deQuentin Tarantino: Lachen wenn es wehtut

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Uma Thurman in 'Kill Bill' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Uma Thurman in 'Kill Bill'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In seinem ersten Interview über sein neues Werk «Kill Bill» erzählt Quentin Tarantino von seinen zwei Welten - und von der Ästhetik abgeschlagener Arme.

Sechs Jahre ist es her, da hat «Pulp Fiction»-Regisseur Quentin Tarantino seinen Fans mit «Jackie Brown» ein Werk des Understatements präsentiert. Seitdem herrschte Stille um den Star. Bis erste Gerüchte über sein neues Projekt, «Kill Bill», aufkamen, ein Film, über den Schauspielerin Lucy Liu sagt, dass er so brutal sei, dass die Zuschauer sich übergeben werden.

Ob dem wirklich so ist, kann das deutsche Publikum ab dem 16. Oktober sehen. Dann kommt «Kill Bill» in die Kinos - zumindest der erste Teil. Der britischen Filmzeitschrift «Sight&Sound» gab Tarantino ein erstes Interview über seine neue Geschichte zwischen Kung-Fu und Spaghetti-Western.

«Kill Bill» erzählt vom Schicksal der «Braut» (Uma Thurman), vormaliges Mitglied des Deadly Viper Assassination Squad, die am Tage ihrer Hochzeit von ihren Kollegen umgebracht werden soll. Doch sie überlebt, erwacht nach fünf Jahren aus dem Koma und beginnt ihren Rachefeldzug.

«Greatest Hits Album»
Tarantinos erster Film seit 1997 ist so reichhaltig geworden, dass aus einem Film zwei wurden. Was nicht nur an der Länge lag, so der Regisseur, sondern auch am Versuch des Produzenten Harvey Weinstein, den wilden Film «zu zähmen».

Der erste Teil sei ein Greatest Hits-Album verschiedener Filmgenres geworden. «Als Film-Fanatiker hätte ich eine dreieinhalb Stunden-Version davon vertragen können. Aber wenn man kein Film-Freak ist so wie ich, könnte man von so viel 'Kill Bill' eine Überdosis kriegen.» Die könne sich allerdings jeder selbst verpasen, wenn beide Filme im nächsten Frühjahr auf Video und DVD erscheinen, so Tarantino.

Den Dialog habe er diesmal knapp gehalten. «Ich wollte eine Adrenalin-Explosion.» Es sei ein Action-Film, der brauche keine ausgearbeiteten Dialoge.

«Film-Film im realen Leben»
Auch seine Film-Welt sei zweigeteilt, erklärt der Regisseur weiter: Zum einen gebe es «das normale Quentin-Universum, das für mich all den Spaß eines Film-Films enthält, aber in Wahrheit realer ist als das reale Leben. Man nimmt all den Spaß eines Genre-Films, dann wirft man das reale Leben gegen die Konventionen hinein.» Das sei die Welt von «Reservoir Dogs», «Pulp Fiction» und «True Romance».

Das andere Universum sei das «Film-Film-Universum». Darin gehe es nicht um das wahre Leben, sondern ausschließlich um Filme. «Die einzige Art, in der es in dem anderen Universum existiert, sind die Filme, die die Leute in diesem Universum sehen. Es existiert eigentlich nur auf der Leinwand und im Projektor. 'Kill Bill' ist der erste Film, den ich in diesem Universum gemacht habe.»

«Niemand wird getötet»
Natürlich wurde der 40-Jährige auch diesmal zu seinem Umgang mit dem Thema Gewalt befragt: In einer Szene werde einer Figur ein Arm abgeschlagen, und das sei «eine der Szenen, in denen ich die Gewalt bis zum Schmerz ausgespielt habe. Für mich ist es eine ästhetische Sache, und damit muss man leben. In keinem Augenblick sage ich, dass dies in der realen Welt passiert, dass es nicht ein Film ist, den man sieht. Niemand wird getötet, dies ist kein echtes Blut, und wenn man es nicht mag, muss man die Farbe Rot nicht mögen, weil man weiß, dass es nicht real ist. Es könnte nicht offensichtlicher ein Film sein.»

«Ich glaube ich habe geschafft, was ich wollte», so Tarantino. «Dass es wehtut. Und genau in dem Augenblick, wenn es wehtut, musst du lachen.» (nz)