netzeitung.deDigitales Kino: «Null Effekt für den Zuschauer»

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Digital produziert: Hayden Christensen und Natalie Portman in 'Star Wars Episode II' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Digital produziert: Hayden Christensen und Natalie Portman in 'Star Wars Episode II'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auf einer Podiumsdiskussion in Frankfurt wurde klipp und klar aus gesprochen, was Zuschauer vom digitalen Kino erwarten dürfen: Wenig. Wesentlich mehr erwartet sich hingegen die Industrie.

Das Podium war prominent besetzt: Mit Harald Metz, Kino-Geschäftsführer vom Main, dem Verleihchef Deutschland der Twentieth Century Fox Mychael Berg und Axel Wenderoth vom Postproduktionsspezialisten «Das Werk» nahmen Vertreter der wichtigsten Sektoren der Filmindustrie Mittwochabend an einer Diskussion über «Digitales Kino – Was bringt es, wem nutzt es und wer zahlt die Rechnung?» in Frankfurt teil. Fehlten nur die Zuschauern und Kreativen, die ja auch nicht ganz unwesentlich im Gesamtkomplex «Kino» sein sollen.
Wichtigstes Potential: Kosten senken
Christiane von Wahlert, die mit der Diskussionsleitung betraute Geschäftsführerin von «SPIO – Spitzenorganisation der Filmwirtschaft», verwies wohl auch deshalb gleich eingangs auf Wim Wenders und dessen positive Sicht als Regisseur auf die neuen Möglichkeiten – die er auch bereits vor zwei Jahren auf dem Medienforum in Köln gepriesen hatte. Axel Wenderoth stellte dann das wichtigste Potenzial digitalen Kinos vor: Kostensenkungen.

Russell Crowe in "Gladiator"Foto: Verleih
Denn für den Zuschauer ändert sich erst mal nichts, digitaler Film unterscheidet sich qualitativ heute nicht mehr vom Zelluloid-Produkt. Ziel der Filmwirtschaft hingegen ist die Schaffung einer zu 100 Prozent digitalen Produktionskette. Im Unterschied zu heute, wo lediglich die Postproduktion digitalisiert ist.

Also Special-Effekts etwa, Titel, Abspann oder die Multiplizierung von 400 realen Komparsen zu 40.000 im Film zu sehenden Zuschauern im prall gefüllten Colosseum in Rom – ein Beispiel aus «Gladiator».

Ziel: Die geschlossene Produktionskette
Für den Vertrieb von Filmen werden in den USA etwa 1,5 Mrd. USD ausgegeben, in der BRD beläuft sich diese Summe auf rund 90 Mio. EUR. Alleine das Herstellen der 500 Film-Kopien, die im Durchschnitt für einen deutschlandweiten Filmstart benötigt werden, kostet rund 600.000 EUR pro Film.

Durch eine geschlossene digitale Produktionskette könnten enorme Summen eingespart werden – die Kosten für das Kopierwerk etwa vollständig, die für den Transport in die Kinos zu einem sehr großen Teil, denn der würde dann digital per Datenleitung oder Satellit erfolgen. Weitere Summen lassen sich bei der Weiterverwertung im TV, auf DVD oder im Video-Abruf per Internet sparen, wenn ein Film als digitale Master-Kopie vorliegt.
Weltweit projiziieren 94 Kinos digital
Und so hat sich denn, seit mit Star Wars der erste große digitale Spielfilm in die Kinos kam, eine Menge getan. Weltweit ist die Zahl der mit digitalen Projektoren ausgerüsteten Kinos auf aktuell 94 gestiegen, davon befinden sich zwei in der BRD. 1999 waren es erst zwei. Und die Zahl digitaler Filmstarts soll sich auf bis zu 30 in 2002 belaufen.

Anakin Skywalker in Star Wars IIFoto: foxfilm.medianetworx.de
Allerdings ist des einen Freud’ des anderen Leid’: Derzeit kostet ein digitaler Projektor noch 150.000 bis 200.000 EUR – die Umrüstung aller 4800 derzeit in Deutschland bestehender Leinwände würde Investitionen von etwa 840 Mio. EUR erfordern. Und das, nachdem die deutschen Kinobetreiber im Bau- und Modernisierungsrausch der vergangenen Jahre bereits 2,5 Mrd. EUR investiert haben. Kein Wunder, dass die komplette Durchsetzung des digitalen Kinos noch eine Weile auf sich warten lassen wird: Die Marktforscher von Forrester Research erwarten, dass im Jahr 2006 rund ein Drittel des in der Kinobranche erzielten Umsatzes aus dem digitalen Bereich kommt.
Konsequenz: Steigende Ticket-Preise
Aber auch, das die Ticketpreise dann im Schnitt 17 Prozent höher sind. Irgendwer muss die Investitionen ja bezahlen und der Zuschauer fragt sich, wo das eingesparte Geld wohl investiert werden wird. Als im Gefolge dieser Frage auch die nach dem Sinn dieser neuen Technologie aus Zuschauersicht auftauchte, erinnert sich auch das Podium in Frankfurt wieder dieser Problematik.

Denn zwischen all den glänzenden Zahlen stellt sich heraus, dass Kinogänger natürlich doch einen Nutzen von der Digitalisierung haben werden: Die Bildqualität dürfte eine ähnlich starke Verbesserung erfahren wie der Ton durch die Einführung der verschiedenen digitalen Systeme in den letzten beiden Jahrzehnten. Schluss mit Kratzern durch zu oft abgespielte Kopien – allerdings erst in sieben bis zwölf Jahren, so die Prognosen von Twentieth Century Fox.