Doku-Film über den Ex-Boxweltmeister: 

netzeitung.deTyson denkt 86 Minuten über sein Leben nach

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Mike Tyson blickt in der neuen Dokumentation auf sein Leben zurück. (Foto: Arthaus / Kinowelt Home Entertainment<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mike Tyson blickt in der neuen Dokumentation auf sein Leben zurück.
Foto: Arthaus / Kinowelt Home Entertainment
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Reichtum oder Ruin. Sieg oder Niederlage. Mike Tyson lebt im Extrem. James Toback hat das Leben des Ex-Champ zum Film gemacht - vom übergewichtigen Schwächling, der Tauben züchtete bis hin zum bissigen Box-Profi. Eine DVD-Kritik zu «Tyson - der Mann. Der Mythos. Die Wahrheit».

Mit 20 Jahren war Mike Tyson der jüngste Boxweltmeister aller Zeiten. Kurz darauf ist er verheiratet. Weitere acht Monate später geschieden. Ein Jahr später sitzt er im Gefängnis. Als er wieder frei kommt, verfügt er über ein Vermögen von 200 Millionen Dollar, und kurze Zeit später holt er sich den WM-Titel zurück. Doch es dauert nicht lange – da ist er wieder pleite. Und leistet sich einen bis heute legendären Ausraster: Er verliert die Kontrolle über sich und beißt seinem Gegner Holyfield ins Ohr.

Kurzum, Michael Gerard Tyson aus Brooklyn, New York, kurz Mike genannt, ist ein Mann der Extreme. Das hat Regisseur James Toback inspiriert, eine Dokumentation über Tyson und dessen bewegtem Leben zu machen. Tyson tritt darin überraschend zugänglich, aber auch brutal ehrlich auf. Er, der heute 43 ist, erzählt von seiner Kindheit als Straßenjunge im New Yorker Stadtteil Brooklyn; wie er erst gehänselt wurde, dann Menschen bestohlen und Drogen genommen hat. Trotzdem schafft er es Profi-Boxer zu werden. Oder gerade deshalb. Denn seinen späteren Trainer und Vormund lernt er im Heim für schwer erziehbare Kinder kennen.

Tyson außerhalb des Rings
Der US-Regisseur Toback kommt wie Tyson aus New York. Was die Zwei verbindet, ist angeblich vor allem die Begeisterung für LSD-Trips, wie Toback im Interview auf der DVD verrät. Die beiden kennen sich seit 23 Jahren und sind gut befreundet. Deshalb verwundert es zunächst auch nicht, dass die Doku immer wieder deutlich nah an der Sichtweise Tysons ist. Dennoch gelingt es Toback, sich aber trotzdem nicht nur auf eine, Tysons Seite zu schlagen.

Die spannende Geschichte eines Ausnahmesportlers wird so präsentiert und mit Archivmaterial aus seinen Boxkämpfen ergänzt. Aber es sind nicht die Kämpfe im Ring, die im Mittelpunkt des Films stehen. Es ist vielmehr die persönliche Geschichte eines Boxers außerhalb des Rings, der letztlich an seinen eigenen Charakterschwächen scheitert.

Immer wieder zeigt sich Tyson im Interview ergriffen. Die Tränen, die ihm entrinnen, hinterlassen beim Zuschauer zwar keine Gänsehaut, doch sie machen die Geschichte der Boxlegende spürbar echt. Trotzdem bleiben viele Fragen offen: Wie kann einer der reichsten Sportler aller Zeiten so plötzlich in den finanziellen Ruin stürzen? Wie kann ein so erfolgreicher und talentierter Sportler am Ende alles verlieren und die Karriereleiter so steil wieder hinabsteigen wie er sie einst hinaufgeklettert ist? Und wie kam es damals 1997 zu seinem Ausraster im Boxring, als er seinem Gegner Holyfield ein Stück aus dem Ohr biss? Regisseur Toback versucht Tyson zu Antworten zu bewegen, ohne dabei selbst in Erscheinung zu treten. Doch das gelingt nicht immer. Meist bleibt es bei einem Monolog des Faustkämpfers. Vielleicht kann man so manche Tat des außergewöhnlichen Mannes aber auch gar nicht verstehen.

Viel Tragik, wenig Neues
Für den Zuschauer, der Tysons Leben kennt, erschließen sich kaum neue Erkenntnisse über die Beweggründe des Ausnahmesportlers. Es ist vielmehr seine persönliche Perspektive, in der er sich zwar auch selbstkritisch zeigt, trotzdem bleibt ein kritischer Blick von außen aus.

Meist ist es nur «Iron Mikes» Sichtweise, die durch Split-Screens und spielerische Bild- und Tonschnitte aufgelockert wird. Ob das notwendig ist, bleibt fraglich. Denn der Inhalt alleine ist so gerade heraus und teilweise schockierend, dass es reichen würde ihn schlicht zu verpacken, ohne ihn zusätzlich – und dabei unnötig – zu inszenieren.

«Tyson» ist ein Film über den körperlichen und psychischen Kampf eines Menschen, der es vom Straßenjungen aus Brooklyn zum Boxweltmeister im Schwergewicht gebracht hat und dennoch daran zerbrochen ist. Eigentlich eine erzählenswerte Geschichte. Doch sie nur Tyson selbst vom gemütlichen Sofa im Wohnzimmer aus erzählen zu lassen und mit etwas Archiv-Material zu spicken, ist dann doch ein bisschen wenig. Denn es ist eine tragische Geschichte, Tyson vergleicht sie mit einer griechischen Tragödie, nur mit einem Problem: Es geht um ihn selbst.

Der Film «Tyson - Der Mann. Der Mythos. Die Wahrheit.» ist seit dem 04.12.2009 für 15,95 Euro auf DVD erhältlich. Lauflänge: ca. 86 Minuten; Genre: Dokumentation; Produktionsjahr: 2008; Produktionsland: USA; Sprache: Deutsch, Englisch; Regie: James Toback


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