Studie der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle: 

netzeitung.deDeutschland bei Kino-Digitalisierung schwach

 Herausgeber: netzeitung.de

Studie der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle 

Lupe Deutschland bei Kino-Digitalisierung schwach

Die Umstellung von Zelluloid und Filmrollen auf digitale Kinofilme erfolgt in Europa mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. In Deutschland wird noch über die Kosten gestritten, ein kleiner Nachbarstaat ist schon weiter.

Eine der größten technischen Revolutionen der Kinogeschichte schreitet mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in Europa voran: Bei der Digitalisierung der Filmvorführung, also dem Abschied von Zelluloid und Filmrollen, führt einer der kleinsten europäischen Staaten, nämlich Luxemburg, mit weitem Abstand das Feld an.

Beim deutschen Nachbarn waren Anfang 2009 bereits 75 Prozent aller dortigen Kinosäle mit der Innovation, die Bilder aus dem Computer liefert, ausgerüstet. In Deutschland hingegen verfügten laut einer Studie der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle, über die in der Fachzeitschrift «Filmecho/Filmwoche» berichtet wird, zum gleichen Zeitpunkt nun 3,3 Prozent der Kinos über die digitale Technik.

Hier zu Lande wird immer noch heftig darum gerungen, wer mit welchem Anteil die hohen Kosten für die Umrüstung tragen soll und auch tragen kann. Großbritannien ist mit einem Anteil von 8,5 Prozent digitalisierten Kinosälen schon entschieden weiter, auch Frankreich mit 4,8 Prozent rangiert vor Deutschland. Jenseits des Rheins hat die Umrüstung gerade im Jahr 2008 große Fortschritte gemacht, nachdem eine der größten Kinoketten im filmbegeisterten Frankreich die komplette Digitalisierung beschlossen hatte.

Hohe Kosten der Umrüstung
Ganz schwach entwickelt ist die neue Technik in Italien mit einem Anteil von 2,1 Prozent und Spanien mit gar nur 1,3 Prozent. Damit liegen beide traditionsreiche Kino-Nationen noch hinter Russland, wo der Anteil von 5,3 Prozent auch höher als der deutsche ist.

Offenbar herrscht im ehemaligen Zentrum des Kommunismus inzwischen mehr unternehmerische Innovationsbereitschaft als in Deutschland, wo die Filmwirtschaft sich untereinander bislang nicht untereinander einigen kann und alle Beteiligten noch auf einen staatlichen Beitrag zu den Kosten der Umrüstung hoffen.

Allerdings hat Phil Clapp, Geschäftsführer des britischen Kinobetreiberverbands CEA, auf ein aktuelles Hindernis aufmerksam gemacht, das in ganz Europa die Digitalisierung verzögern dürfte: «In den vergangenen Monaten hat die Wirtschaftskrise einen sofortigen Fortschritt des digitalen Roll-out weniger wahrscheinlich gemacht.» (AP)