Von «Wall Street» bis Homers Zwangsversteigerung:
Die Finanzkrise ist bald ganz großes Kino
Hollywood hat die Rezession in all ihren Facetten für sich entdeckt. Ob Horror-Film, Reality-Show, TV-Komödie oder Dokumentation, auf Kinogänger und Fernsehzuschauer kommt in den nächsten Monaten eine Welle von fiktiven Wall-Street-Machenschaften und ihren ruinösen Folgen zu.
Perfektes Timing in Zeiten von Massenentlassungen: In dem geplanten Drama «The Company Men» verliert ein erfolgsverwöhnter Jungmanager (Ben Affleck) seinen gut bezahlten Job. Regisseur Mark Waters, der zuletzt den Fantasy-Film «Die Geheimnisse der Spiderwicks» auf die Leinwand brachte, will als nächstes «Minimum Wage» (Mindestlohn) in Angriff nehmen. Die Komödie dreht sich um einen korrupten Geschäftsmann, der als Strafe für Betrug ein Jahr lang für einen Mindestlohn arbeiten muss.
«Australia»-Regisseur Baz Luhrmann hat sich die Rechte an einem Remake der Vor-Depressions-Fabel «Der Große Gatsby» gesichert. Der gesellschaftskritische Roman von Francis Scott Fitzgerald dreht sich um einen jungen reichen Geschäftsmann im New York der 1920er Jahre. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger sondern mit Fingerspitzengefühl will Luhrmann dem Publikum die Gefahr von Geld-Exzessen nahe bringen. «Wenn man den Leuten einen Spiegel vorhält, mit der Botschaft, ihr seid dem Geldrausch verfallen, dann schaut keiner hin», sagte der Regisseur dem Filmblatt «Hollywood Reporter». «Aber wenn das Augenmerk auf eine andere Zeit lenkt, dann kapieren sie es vielleicht».
Cartoon-Star Homer Simpson jammert den Fans der Hit-Serie «Die Simpsons» vor, dass sein Haus zwangsversteigert wird, weil er die Hypothek nicht mehr zahlen kann. Die Drehbuchautoren der TV-Serie «Alles Betty!», die in einem Verlagshaus spielt, haben rasch dramareife Kündigungen in die Handlung eingebaut. Sängerin Brandy hat eine Rolle in der ABC-Komödie «This Little Piggy» angenommen. Die geplante Serie dreht sich um drei erwachsene Geschwister, die aus Geldgründen zusammen im Elternhaus einziehen.
Hollywood selbst geht in diesem Sommer kein Risiko ein, die Studios setzen auf Sequels von erprobten Hits, wie «Star Trek», «Transformers» und «Nachts im Museum». Ein unerwarteter Glückstreffer ist die Junggesellenkomödie «Hangover», die in weniger als zehn Tagen über 100 Millionen Dollar in die US-Kinokassen brachte und an den letzten beiden Wochenende auf dem Spitzenplatz der Filmcharts thronte. Der Streifen über eine feucht-fröhliche Bachelor-Party in Las Vegas wurde für weniger als 30 Millionen Dollar produziert. Von solch einer Rendite kann Wall-Street derzeit nur träumen. (Von Barbara Munker, dpa)
