Außenseiter triumphiert bei 81. Oscarverleihung : 

netzeitung.deAcht Oscars für «Slumdog Millionär»

 Herausgeber: netzeitung.de

Sean Penn gewann für 'Milk' einen Oscar als bester Hauptdarsteller (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sean Penn gewann für 'Milk' einen Oscar als bester Hauptdarsteller
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein Oscar für Sean Penn, einer für Kate Winslet. Zwei Stars triumphierten als beste Hauptdarsteller, ansonsten gingen «Brangelina» & Co leer aus. Großer Gewinner war Danny Boyles Filmdrama «Slumdog Millionär», das mit Laiendarstellern in Indien gedreht wurde.

Ein sympathischer Außenseiter hat sich in der Oscar-Nacht gegen den teuren Glamour Hollywoods durchgesetzt. Das mit Laiendarstellerin unter schwierigen Bedingungen in Indien gedrehte Drama «Slumdog Millionär» wurde als bester Film des Jahres ausgezeichnet.

Der deutsche Beitrag «Der Baader Meinhof Komplex» ging in der Auslandskategorie leer aus. Dafür wurde der Kurzfilm «Spielzeugland» von Jochen Alexander Freydank aus Berlin geehrt. In 14 Minuten Länge breitet «Spielzeugland» ein komplexes Minidrama über Lügen in der Nazizeit aus.

Insgesamt vergab die Amerikanische Filmkunst-Akademie für «Slumdog Millionär» in der Regie des Briten Danny Boyle nach zehn Nominierungen gleich acht Preise. In berauschenden Bildern erzählt der Film die märchenhafte Geschichte eines jungen Mannes, der es in der indischen Ausgabe der Quizshow «Wer wird Millionär» bis zur Millionen-Frage gebracht hat. Doch dann wird er der Schummelei verdächtigt. Im Polizeiverhör stellt sich heraus, dass jede seiner korrekten Antworten einen ganz besonderen Bezug zum Leben seiner armen Familie und zu seiner großen Liebe hatte.
Keine Macht und keine Muskeln
«Als wir am Anfang standen, hatten wir keine Stars, keine Macht und keine Muskeln», schilderte Produzent Christian Colson die Arbeitsbedingungen. «Alles, was wir hatten, war ein inspirierendes Skript, Leidenschaft und unseren Glauben an die Produktion.»

Der deutsche Filmemacher Freydank sagte der Nachrichtenagentur dpa direkt nach der Auszeichnung in Hollywood: Seinen Film habe er aus einem gewissen Ärger heraus gedreht: «Solange es bei uns noch Nazi-Parteien gibt, müssen wir versuchen, etwas dagegen zu tun.» Seit 1994 sind deutsche Kurzfilme insgesamt drei Mal mit dem begehrtesten Filmpreis der Welt gewürdigt worden.

Über ihre erste Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin nach insgesamt sechs Nominierungen freute sich Kate Winslet. Die 33-jährige Britin spielt in «Der Vorleser» nach dem Bestsellerroman des Deutschen Bernhard Schlink eine ehemalige KZ-Aufseherin. «Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte diese Situation noch nie geprobt», sagte Winslet mit dem «Goldjungen» im Arm. «Schon mit acht Jahren stand ich im Badezimmer und hatte als Preis die Shampoo- Flasche in der Hand.»

Jackman glänzte als Moderator
Bester Darsteller wurde Sean Penn für seine Rolle als charismatischer Schwulen-Politiker in dem Drama «Milk». Der 48-jährige Hollywood-Rebell richtete sich in der Ansprache nach dem zweiten Oscar seiner Karriere wütend gegen die jüngst erfolgte Wiederabschaffung der Homo-Ehe in Kalifornien und forderte «gleiche Rechte für alle».

Als Moderator der Gala-Show, die weltweit im Fernsehen übertragen wurde, glänzte der Australier Hugh Jackman. Der Schauspieler («X-Men», «Australia») spielte mit seinem Image als «Sexiest Man Alive» und zeigte, dass er nicht nur fabelhaft aussehen, sondern auch singen, tanzen und geistreich unterhalten kann.

Genau 13 Monate nach seinem Tod ist Heath Ledger erwartungsgemäß mit einem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. Der in Australien geborene Schauspieler war am 22. Januar 2008 im Alter von 28 Jahren mit Drogen und Medikamenten im Blut tot in seinem New Yorker Appartment gefunden worden. Ledger wurde für seine Rolle als wahnsinniger Bösewicht Joker in dem Batman-Film «The Dark Knight» geehrt. «Wir sind glücklich darüber, was du erreicht hast», sagte eine seiner Schwestern mit tränenerstickter Stimme, als sie den Preis für den Star entgegen nahm.

Beste Nebendarstellerin wurde die spanische Schauspielerin Penélope Cruz mit der Komödie «Vicky Cristina Barcelona» von Woody Allen. Als bester Animationsfilm wurde «Wall-E» aus dem Hause Disney ausgezeichnet.

Verlierer des Abends ist «Der seltsame Fall des Benjamin Button». Der Film mit Brad Pitt und Cate Blanchett galt als klassisches «Oscar-Material» mit einer episch und aufwändig erzählten Geschichte. Doch nach insgesamt 13 Nominierungen gab es nur drei Oscars in Kategorien wie Ausstattung und Spezialeffekte. Pech für «Brangelina»: Auch Pitts Lebensgefährtin Angelina Jolie, die in der Kategorie Beste Haupdarstellerin nominiert war, ging leer aus. (nz/dpa)

Alle Preise auf einen Blick:
Bester Film
«Slumdog Millionär»

Hauptdarstellerin
Kate Winslet, «Der Vorleser»

Hauptdarsteller
Sean Penn, «Milk»

Nebendarstellerin
Penélope Cruz, «Vicky Cristina Barcelona»

Nebendarsteller
Heath Ledger, «The Dark Knight»

Regie
Danny Boyle, «Slumdog Millionär»

Nicht-englischsprachiger Film
«Departures» (Japan)

Adaptiertes Drehbuch
Simon Beaufoy, «Slumdog Millionär»

Original-Drehbuch
Dustin Lance Black, «Milk»

Kamera
Anthony Dod Mantle, «Slumdog Millionär»

Schnitt
Chris Dickens, «Slumdog Millionär»

Ausstattung
Donald Graham Burt und Victor J. Zolfo, «Der seltsame Fall des Benjamin Button»

Kostümdesign
Michael O'Connor, «Die Herzogin»

Ton
Ian Tapp, Richard Pryke und Resul Pookutty, «Slumdog Millionär»

Ton-Schnitt
Richard King, «The Dark Knight»

Make-Up
Greg Cannom, «Der seltsame Fall des Benjamin Button»

Spezial-Effekte
Eric Barba, Steve Preeg, Burt Dalton und Craig Barron, «Der seltsame Fall des Benjamin Button»

Filmmusik
A.R. Rahman, «Slumdog Millinär»

Original-Song
«Jai Ho» von A.R. Rahman und Gulzar, «Slumdog Millionär»

Kurzfilm
Jochen Alexander Freydank, «Spielzeugland»

Animationsfilm
Andrew Stanton, WALL-E (Walt Disney)

Animations-Kurzfilm
Kunio Kato, «La Maison en Petits Cubes»

Dokumentarfilm
James Marsh und Simon Chinn, «Man on Wire»

Kurz-Dokumentarfilm
Megan Mylan, «Smile Pinki»

Ehren-Oscar für das Lebenswerk
Jerry Lewis